Forschungsarbeit, 2010
18 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung: Zur Bildungssituation in Deutschland
2. Theoretische Erklärungsansätze
2.1 Soziologische Bildungsungleichheitsforschung
2.2 Rational Choice-Theorie nach Boudon
3. Methodische Vorgehensweise
3.1 Wahl der Stichprobe
3.2 Erhebungsmethode
3.3 Auswertungsmethode
4. Ergebnisse der eigenen Analyse
4.1 Beschreibung des Einzelfalls
4.2 Elementare Aspekte der Bildungsentscheidung
4.3 Einfluss der Kosten-Nutzen-Kalkulation
4.4 Bedeutung des Statuserhalt-Konzepts
5. Resümee
Diese Arbeit untersucht den Prozess von Bildungsentscheidungen beim Übergang von der Grundschule zur Sekundarstufe I. Ziel ist es, anhand qualitativer Interviews zu analysieren, welche Motive und Strategien Eltern verfolgen und inwieweit diese mit der Rational Choice-Theorie von Raymond Boudon korrespondieren.
2.2 Rational Choice-Theorie nach Boudon
Nach Raymond Boudon basieren Bildungsentscheidungen auf der individuellen Abwägung von Kosten, Nutzen und Erfolgswahrscheinlichkeit der zur Wahl stehenden Bildungsalternativen. Bei seinen Vorüberlegungen zu diesem Modell bezieht er sich auf die von Keller und Zavalloni entworfene „Social Position Theory“ (1964), der zufolge jedes Individuum die Vor- und Nachteile eines bestimmten Bildungsweges unterschiedlich interpretiert: „reaching a given educational level or a given status means being exposed to costs and benefits that are going to differ according to social background” (Boudon 1974: 23). Steuern demnach zwei Akteure ein identisches Bildungsziel an, muss jener aus niedrigerem sozialen Herkunftsmilieu eine höhere Aspiration aufweisen, um sein Ziel zu erreichen, da er eine größere soziale Distanz zu überwinden hat. Ihr Handeln wird also durch ihre subjektiven Sichtweisen und Bewertungen bestimmt und geht dementsprechend auseinander (vgl. Boudon 1974: S.22f, Esser 1999: S.161, Kronig 2007: 73).
Bei der Untersuchung dieser Abhängigkeit von der sozialen Herkunft unterscheidet Boudon in seiner Theorie zwischen primären und sekundären Sozialisationseffekten. Primäre Effekte beziehen sich auf schichtspezifische Unterschiede im familiären Hintergrund: je nachdem, in welchem Maße die Eltern ihren Kindern Grundvoraussetzungen wie Allgemeinwissen, Sprachgewandtheit und soziale Kompetenz vermitteln, divergieren die Bildungschancen. Das kulturelle Kapital ist also ungleich verteilt, womit die schulische Erfolgswahrscheinlichkeit von Anfang an mit davon abhängt, welcher Schicht man angehört (vgl. Boudon 1974, Harazd 2007: 35). Boudon hält diese Effekte jedoch nicht für den ausschlaggebenden Faktor bei der Entstehung von Bildungsungleichheit, sie bilden nur die Vorbedingungen des Modells. Das Hauptaugenmerk legt er vielmehr auf die sekundären Effekte, die das rationale Wahlverhalten der Eltern an Bildungsübergängen umfassen.
1. Einleitung: Zur Bildungssituation in Deutschland: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von Bildungschancen und die Disparitäten im deutschen Bildungssystem, die den Untersuchungsgegenstand der Arbeit bilden.
2. Theoretische Erklärungsansätze: Hier werden die Grundlagen der Bildungsungleichheitsforschung und insbesondere das Modell der Rational Choice-Theorie nach Raymond Boudon erörtert.
3. Methodische Vorgehensweise: Dieses Kapitel beschreibt die qualitative Forschungsmethode, die Stichprobenauswahl sowie den Prozess der Interviewauswertung mittels thematischer Codierung.
4. Ergebnisse der eigenen Analyse: Die Ergebnisse präsentieren eine Einzelfallbeschreibung sowie eine detaillierte Auswertung der Faktoren Kosten, Nutzen, Erfolgswahrscheinlichkeit und Statuserhalt.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und schlägt vor, die Rational Choice-Theorie um einen psychischen Kostenaspekt zu erweitern.
Bildungsentscheidungen, Rational Choice-Theorie, Bildungsungleichheit, Soziologie, Qualitative Interviews, Statuserhalt, Kosten-Nutzen-Analyse, Sekundarstufe I, Bildungschancen, Sozialisationseffekte, Eltern, Bildungssystem, Bildungsbiografie, Leistungsdruck, Schulübergang.
Die Arbeit analysiert, wie Eltern Bildungsentscheidungen für ihre Kinder am Ende der Grundschulzeit treffen und welche Kriterien dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Die zentralen Themen sind Bildungsungleichheit, das rationale Entscheidungsverhalten von Eltern sowie die Anwendung soziologischer Theorien auf konkrete Fallbeispiele.
Das Ziel ist es, beispielhaft aufzuzeigen, wie Eltern beim Treffen von Bildungsentscheidungen agieren und in welchem Zusammenhang dieses Handeln zur Rational Choice-Theorie nach Raymond Boudon steht.
Die Autor verwendet die Methode der qualitativen Leitfadeninterviews mit Eltern, ergänzt durch eine systematische Auswertung mittels thematischer Codierung.
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen erläutert, das methodische Vorgehen definiert und die Ergebnisse der Interviews im Hinblick auf Kosten, Nutzen, Erfolgswahrscheinlichkeit und Statuserhalt analysiert.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bildungsentscheidungen, Rational Choice-Theorie, Statuserhalt, soziale Herkunft und Bildungsungleichheit.
Der Autor stellt fest, dass Eltern das psychische Wohlbefinden ihrer Kinder oft höher gewichten als rein schulische Aspekte, was eine Erweiterung der klassischen Rational Choice-Theorie um psychische Kosten notwendig macht.
Das Konzept kann nur teilweise bestätigt werden; zwar wählen Eltern oft statuskonforme Bildungswege, aber es lassen sich kaum explizite Hinweise darauf finden, dass dies bewusst aus einer Statuserhalt-Strategie heraus geschieht.
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