Examensarbeit, 2009
76 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Zur Revision des „Textverstehens“: Von der syntagmatischen Weltrepräsentation zur paradigmatischen Weltmodellierung
3. Bildgestützte Texterschließung
3.1. Semiotische Grundlagen: Text und Bild als unterschiedliche Zeichensysteme
3.2. Kognitionspsychologische Grundlagen: Propositionale und bildhaft analoge Repräsentationsformate
3.3. (Fach-)Didaktisch begründete Visualisierungsverfahren
4. Die Konzeptentwicklung
4.1. Probleme und Grenzen bisheriger Konzeptansätze
4.2. Ein grafisches Visualisierungskonzept zur makrostrukturellen Modellierung literarischer „Welten“
4.3. Auswahl von Text und Jahrgangsstufe
4.4. Die Konzeptmodule
4.4.1. Modul I: Rekonstruktion – Explikation der sujetlosen Grundordnung
4.4.2. Modul II: Integration – Explikation von Konfliktpotentialen
4.4.3. Modul III: Neukonstruktion – Explikation von sujethaften Grenzüberschreitungen
5. Die Konzeptevaluation
6. Zusammenfassung und Ausblick
7. Literaturverzeichnis
Die Arbeit entwickelt ein didaktisch-methodisches Konzept für den Deutschunterricht der Jahrgangsstufe 7, das durch grafische Visualisierungsstrategien ein vertiefendes Textverstehen fördert. Ziel ist es, literarische Texte nicht nur als lineare Handlungsabfolgen, sondern als komplexe, paradigmatisch strukturierte Weltentwürfe begreifbar zu machen.
3.1. Semiotische Grundlagen: Text und Bild als unterschiedliche Zeichensysteme
Bevor im Folgenden die Funktionalität von Visualisierungsstrategien für das literarische Textverstehen erörtert werden kann, bedarf es vorab einer kurzen grundsätzlichen Klärung der Differenzen sprachlicher und bildhafter Kodierungsverfahren. Erst vor diesem Hintergrund lässt sich überhaupt der vielfach postulierte „Mehrwert“ bildlicher Repräsentationssysteme ermessen.
Der hier zugrunde gelegte zeichentheoretische Definitionsansatz unterstellt dabei „Bildern“ und „Texten“ jeweils einen kommunikativen Verwendungszweck. Bilder werden an dieser Stelle insofern als Äußerungen begriffen, die „etwas im logisch-mathematischen Sinne ‚abbilden’ und/oder […] im semiotischen Sinne zu ‚bedeuten’ scheinen“. Bildhafte Äußerungen bestehen dabei aus einer durch einen Rahmen begrenzten Menge visuell wahrnehmbarer Elemente, die in ihrer räumlichen Anordnung invariant und simultan gegeben sind. Demgegenüber konstituiert sich jede Textäußerung aus einer begrenzten Menge (natürlich-)sprachlicher Zeichen, deren „Reihenfolge korrekter Wahrnehmung“ festgelegt ist und die sich daher unabhängig vom Medienkontext stets linear sukzessiv entfalten.
Weitere strukturbedingte Unterschiede ergeben sich durch die „Zeichensysteme“, derer sich Bilder und Texte jeweils bedienen. Im Gegensatz zum System der (natürlichen) Sprache, welches aus diskreten Einheiten (Signifikanten) besteht, die lexikalisierbar sind und denen somit qua kodifizierter Vereinbarung eine begrenzte Menge möglicher Signifikate (Denotate, Konnotate) zugeordnet werden können, fehlen in Abbildungen gemeinhin diese a priori gegebenen primären Signifikanten. Mit Bezug auf einen semiotischen Theorierahmen lassen sich in Bildern zunächst einmal nicht-diskrete visuelle Einheiten ausmachen, d.h. eine bestimmte Distribution von Farben, Linien, Formen und Helligkeitsunterschieden, die lediglich potentielle Zeichenparameter darstellen und „erst durch Projektion hypothetisch angenommener Signifikate auf das Bild als eine Menge diskreter Signifikanten strukturiert [werden]“.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Ziel ein, ein didaktisch-methodisches Konzept für den Deutschunterricht der Jahrgangsstufe 7 zu entwickeln, das durch grafische Visualisierungsstrategien ein vertiefendes Textverstehen anstrebt.
2. Zur Revision des „Textverstehens“: Von der syntagmatischen Weltrepräsentation zur paradigmatischen Weltmodellierung: Dieses Kapitel kritisiert das rein lineare Textverständnis und plädiert für ein modellbildendes Verfahren, das den Text als strukturales System begreift.
3. Bildgestützte Texterschließung: Hier werden die semiotischen und kognitionspsychologischen Grundlagen bildhafter Repräsentationsformen erörtert und gegen das rein sprachliche Textverständnis abgegrenzt.
4. Die Konzeptentwicklung: Basierend auf den theoretischen Grundlagen wird ein modulares Visualisierungskonzept entworfen, das explizit auf den Jugendroman „Hüter der Erinnerung“ angewendet wird.
5. Die Konzeptevaluation: Die Evaluation analysiert die praktische Durchführung der entwickelten Module in einer siebten Gymnasialklasse und reflektiert die Ergebnisse der Schülerarbeiten.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Das Kapitel zieht ein Fazit zur Lernwirksamkeit der Visualisierungsstrategien und skizziert Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des Konzeptes für höhere Jahrgangsstufen.
Textverstehen, Visualisierungsstrategien, Semiotik, Literaturdidaktik, Hüter der Erinnerung, Modellierung, Weltentwürfe, Kognitionspsychologie, Grafische Strukturbilder, Handlungssituation, Paradigmenbildung, Lernmodule, Rezeptionsästhetik, Bildtypologie, Unterrichtspraxis.
Die Arbeit untersucht, wie grafische Visualisierungsstrategien im Deutschunterricht der Jahrgangsstufe 7 eingesetzt werden können, um das Verständnis literarischer Texte über eine rein lineare Handlungsanalyse hinaus zu vertiefen.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Literaturdidaktik, die struktural-semiotische Textanalyse (insbesondere nach Jurij M. Lotman) sowie die Kognitionspsychologie und Bildwissenschaft.
Das Ziel ist die Entwicklung und Erprobung eines modularen Konzepts, das Schüler befähigt, literarische Texte mittels grafischer Mittel als globale Weltentwürfe zu modellieren und zu durchdringen.
Es werden methodisch standardisierte Visualisierungsverfahren (wie Schaubilder zur topologischen Ordnung) genutzt, um Texte als systemische Einheiten statt nur als chronologische Handlungsabfolgen darzustellen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die kritische Diskussion bisheriger Ansätze, die Präsentation eigener Konzeptmodule (Rekonstruktion, Integration, Neukonstruktion) und deren praktische Erprobung an dem Roman „Hüter der Erinnerung“.
Die Keywords spiegeln die Schnittstelle zwischen der theoretischen Systemtheorie, der angewandten Didaktik und den spezifischen kognitiven Prozessen des bildgestützten Lernens wider.
Der Roman bietet als dystopischer Gesellschaftsentwurf eine ideale Distanz zur Lebenswelt der Schüler, was die Analyse der zugrunde liegenden gesellschaftlichen Regelsysteme und Werte durch grafische Modelle erleichtert.
Die Modularisierung erlaubt eine flexible Anwendung der Visualisierungsmethoden im Unterrichtsverlauf, wobei die drei Module (Rekonstruktion, Integration, Neukonstruktion) eine logisch aufeinander aufbauende Progression des Textverstehens sicherstellen.
Die Evaluation zeigt, dass die grafischen Modelle den Schülern als Ankerpunkt für weiterführende Erkenntnisprozesse dienen und sie befähigen, komplexe intellektuelle Operationen der Textanalyse selbstständig durchzuführen.
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