Masterarbeit, 2010
63 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. IAS 39
2.1. Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IAS 39
2.2. Die Klassifizierung finanzieller Vermögenswerte nach IAS 39
2.3. Die Bewertung finanzieller Vermögenswerte nach IAS 39
2.4. Kritikpunkte des IAS 39
2.4.1. Verschärfung der Finanzkrise
2.4.2. Komplexität
2.4.3. Geringer Entscheidungsnutzwert
2.4.3.1. Nutzwert des beizulegenden Zeitwertes
2.4.3.2. Nutzwert der übrigen Regelungen des IAS 39
2.4.3.3. Öffentliche Diskussion
2.4.4. Nicht-Konvergenz verschiedener Rechnungslegungssysteme
3. Das IASB-Reformprojekt
3.1. Zeitlicher und organisatorischer Ablauf
3.2. Sonderfall finanzielle Verbindlichkeiten
4. Ergebnis der ersten Reformphase von IAS 39
4.1. Inhaltliche Kernelemente der Konsensfindung in der Reform
4.2. Bilanzierung finanzieller Vermögenswerte nach IFRS 9
4.2.1. Klassifizierung und Bewertung von Schuldtiteln nach IFRS 9
4.2.1.1. Bewertung zum Fair Value
4.2.1.2. Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten
4.2.1.3. Der Geschäftsmodell-Ansatz
4.2.1.4. Die Klassifizierung nach der Art der Zahlungsströme
4.2.2. Bewertung von Eigenkapitalinstrumenten
4.2.2.1. Grundsätzlicher Ansatz zum Fair Value
4.2.2.2. Wahlrecht zum ‚Fair Value through OCI’
4.2.3. Anwendungsbereich und Inkrafttreten
4.2.4. Unterschiede von Entwurf und finalem Standard
4.2.5. Weitere Überlegungen in der Entscheidungsgrundlage
4.3. Zielerreichung des Reformprojektes
4.3.1. Verschärfung der Finanzkrise
4.3.2. Komplexität
4.3.3. Geringer Entscheidungsnutzwert
4.3.4. Nicht-Konvergenz verschiedener Rechnungslegungssysteme
4.4. Kritiken an IFRS 9
4.4.1. Allgemeine Kritiken
4.4.2. Analyse der Kritiken entsprechend der Interessengruppen
4.4.2.1. Bankensektor
4.4.2.2. Versicherungen
4.4.2.3. Politik
4.4.2.4. Boardinterne Ablehnung
5. Resümee
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Analyse der Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IAS 39 im Vergleich zum neuen Standard IFRS 9, wobei der Fokus auf den geänderten Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften sowie der kritischen Hinterfragung der Zielerreichung des IASB-Reformprojektes liegt.
2.4.1. Verschärfung der Finanzkrise
Überlegungen, dass die aktuelle Bilanzierung von Finanzinstrumenten und die damit einhergehende Bewertung zu Marktwerten eine ursächliche Wirkung für die Finanzkrise hätten, werden in Theorie und Praxis nicht ausführlich diskutiert. Sie scheinen nicht ausreichend begründet zu sein. Entsprechendes wurde ebenfalls auf einem AICPA Meeting im Dezember 2009 von Robert H. Herz, Vorsitzendem des FASB, geäußert. Er bezog sich dabei auf einen US GAO Bericht von 1991, welcher von der Bankenkrise der 80er und 90er Jahre in den USA handelte. Er sagte unter anderem, dass die US-Gaap, die bekanntlich in weiten Teilen mit den IAS/IFRS übereinstimmen, und insbesondere die häufig kritisierte Fair Value-Bilanzierung nicht Auslöser der Finanzkrise waren.
Die These, dass diese Art der Bewertung jedoch krisenverstärkend gewirkt habe, findet sich häufig. Hauptargument der Finanzwelt in Bezug auf diese Wirkung ist, dass die aktuellen Bilanzierungsregeln in der Krise wie Brandbeschleuniger gewirkt hätten, und dass insbesondere der Ansatz zum Marktwert bzw. dem Fair Value und entsprechende zur Neubewertung erforderliche Abschreibungen dazu beigetragen haben. Diese Kritik erreichte auch die höchsten politischen Ebenen. Auf dem Londoner G20-Gipfel im April 2009, zur Beratung über Auswege aus der Weltwirtschaftskrise als Folge der Finanzkrise, widmeten die führenden Vertreter der G20 den internationalen Standards der Rechnungslegung einen ganzen Absatz in Ihren Empfehlungen, die Teil der „Erklärung zur Stärkung des Finanzsystems“ waren. Dabei kam es zu der Übereinkunft, dass die Standardsetter die Standards für die Bewertung von Finanzinstrumenten verbessern sollten, unter Begutachtung des Rahmenwerks zur Marktwertbilanzierung. Auch die FSF Empfehlungen in Bezug auf die Prozyklizität, welche ebenfalls Bilanzierungsbelange betreffen, werden ausdrücklich begrüßt. So sollten die Standardsetter ursprünglich bis zum Ende des Jahres 2009 unter anderem „hoch qualitative“ internationale Standards erreichen, was ein klarer Hinweis auf die Unzufriedenheit mit den prozyklischen Wertschwankungen der aktuellen Regelungen ist.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IAS 39 und die Notwendigkeit des IASB-Reformprojektes ein.
2. IAS 39: Dieses Kapitel erläutert die bisherigen Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften nach IAS 39 sowie die damit verbundenen Kritikpunkte.
3. Das IASB-Reformprojekt: Das Kapitel beschreibt den zeitlichen und organisatorischen Ablauf der Reform und thematisiert den Sonderfall finanzieller Verbindlichkeiten.
4. Ergebnis der ersten Reformphase von IAS 39: Hier werden die Kernelemente des neuen IFRS 9 dargestellt, inklusive der neuen Klassifizierungskriterien für Schuldtitel und Eigenkapitalinstrumente sowie deren kritische Würdigung.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet den Erfolg der Reform hinsichtlich Komplexitätsreduktion und Entscheidungsnutzwert.
IFRS 9, IAS 39, Finanzinstrumente, Bilanzierung, Fair Value, Klassifizierung, Bewertung, Geschäftsmodell, Finanzkrise, Entscheidungsnutzwert, Prozyklizität, Standardsetzung, Konvergenz, IASB, Rechnungslegung
Die Arbeit untersucht die Bilanzierung von Finanzinstrumenten unter dem alten Standard IAS 39 und analysiert die Neuerungen, die durch den neuen Standard IFRS 9 eingeführt wurden.
Besonders fokussiert werden die Kritik an der Komplexität und Prozyklizität des IAS 39, die Einführung neuer Konzepte wie der Geschäftsmodell-Ansatz und die Herausforderungen bei der internationalen Konvergenz der Standards.
Das primäre Ziel ist es, zu bewerten, inwieweit die erste Phase des IASB-Reformprojektes dazu beiträgt, die Probleme des IAS 39 zu lösen und die Rechnungslegung für Investoren entscheidungsnützlicher zu gestalten.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Standardanalyse, ergänzt durch die Auswertung von Stellungnahmen und Umfragen verschiedener Interessengruppen zur Reform.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der bestehenden Regeln (IAS 39), die Darstellung des Reformprojektes sowie die detaillierte Untersuchung der neuen Klassifizierungs- und Bewertungskriterien des IFRS 9 inklusive der Kritik aus verschiedenen Interessengruppen.
Die wichtigsten Begriffe sind IFRS 9, Fair Value, Geschäftsmodell-Ansatz, Entscheidungsnutzwert und die Konvergenz von Rechnungslegungsstandards.
Kritiker bemängeln, dass der Begriff des Geschäftsmodells im Standard nicht eindeutig definiert ist, was Ermessensspielräume eröffnet, die für bilanzpolitische Zwecke missbraucht werden könnten.
Beide Branchen sind Hauptbetroffene; während Banken die Reform teilweise begrüßten, äußerten Versicherungen starke Bedenken, da die Fair Value-Bewertung ihre langfristigen Geschäftsmodelle beeinträchtigen könnte.
Die EFRAG zögerte das Endorsement-Verfahren hinaus, unter anderem aufgrund der Unvollständigkeit des Standards, da die Phase der finanziellen Verbindlichkeiten zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen war.
Unternehmen können bei der Ersterfassung von Eigenkapitalinstrumenten unwiderruflich wählen, Wertänderungen im sonstigen Ergebnis (OCI) anstatt in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen, um Volatilität in der GuV zu vermeiden.
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