Diplomarbeit, 2010
211 Seiten, Note: gut
1. Teil
1.1. Einleitung
1.2. Das Gedächtnis
1.3. Das Nervensystem
1.4. Sprache
1.5. Kognition
1.6. Die Welt im Kopf
1.7. Wahrheit
1.8. Emotionen und Gefühle
1.9. Spiegelzellen – der Schlüssel zur Literatur
1.10. Das Bewusstsein
2. Teil
2.1. Textlinguistik und Kognition
2.1.1. Gestaltpsychologischer Ansatz der Textlinguistik
2.1.2. Linguistischer Ansatz der Textlinguistik
2.1.2.1. Konzept einer „Story Grammar“
2.1.2.2. „Structural-Affect-Theory“
2.1.2.3. „Action-Theory“
2.1.2.4. „Construction-Integration-Modell“
2.2. Empirische Literaturwissenschaft
2.2.1. Die NIKOL-Konzeption
2.2.2. Die Neu-Definition des Literaturbegriffs
2.2.3. Die elementaren Handlungstypen (Produktion/Vermittlung/Rezeption/Verarbeitung)
2.2.4. Text-Bedeutungen
2.3. Empirische Forschungen von Stadler und Wildgen
3. Teil
3.1. Eigene empirische Untersuchungen
3.1.1. Die Texte
3.1.2. Die Testpersonen
3.1.3. Die Vorgangsweise
3.1.4. Auswertung
3.1.4.1. Serienreproduktion
3.1.4.2. Einzelne Reproduktionen der selben Geschichte
3.1.4.3. Aktantenkontinuität
3.1.4.4. Prozessuale/Inhaltliche Kontinuität
3.1.4.5. Reproduktion eines sprachexperimentellen Textes
3.2. Schlussbemerkungen
Die Diplomarbeit untersucht kognitive und neurobiologische Prozesse bei der Rezeption und Reproduktion narrativer Texte. Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie menschliche Psyche und Gedächtnis literarische Kommunikate verarbeiten und warum klassische hermeneutische Ansätze durch empirische Methoden ergänzt werden sollten.
1.2. Das Gedächtnis
Bei der Rezeption und Reproduktion von narrativen Texten bedarf es zunächst einmal eines funktionierenden Gedächtnisses. Der Mensch ist – man könnte sagen - eine nicht-triviale Maschine, im Gegensatz zu einer trivialen Maschine. Eine triviale Maschine basiert auf einem Input-Output-Prinzip, bei dem sie unveränderlich durch Operationen gewisse Ursachen mit gewissen Wirkungen verbindet, während eine nicht-triviale Maschine selbst wieder von den vorangegangenen Operationen beeinflusst und verändert wird (vgl.: Förster 1992: 41-88).
Man kann also von einem aktiven Gedächtnis und einer eigenständigen Organisationsleistung des Gedächtnisses von Menschen ausgehen. Dadurch werden Bedeutungskomplexe generiert, die durch Resonanz den Charakter des „Wiedererkennens“ haben, umso mehr, je konsistenter die konstruierten Bedeutungskomplexe sind. Auf dieses Phänomen werde ich im Kapitel „gestaltpsychologischer Ansatz der Textlinguistik“ noch zu sprechen kommen, und im 3. Teil der vorliegenden Arbeit werden wir die Relevanz dieses Phänomens für die Reproduktion narrativer Texte beobachten können.
Einer der Begründer der kognitiven Psychologie war der britische Psychologe Frederic C. Bartlett (1886 – 1969). Er ließ Menschen Geschichten und Bilder lernen und bewies damit, wie fragil das Gedächtnis eigentlich ist.
„Remembering is not the re-excitation of innumerable fixed, lifeless and fragmentary traces. It is an imaginative reconstruction, or cnstruction, built out of the relation of our attitude towards a whole active mass of organized past reactions or experience, and to a little outstanding detail which commonly appears in image or in language form.” (Squire 1999, 2000: 6)
Schön langsam erkannten dies auch andere Psychologen.
“… perception and memory depend not only on information in the environment but also on the mental structure of the perceiver or the rememberer. … internal representations of mental processes were tenuous theoretical constructs, difficult to approach experimentally. Reaction time measurements, for example, yielded insights about the order in which these hypothetical mental operations are carried out.” (Squire 1999, 2000: 6-7)
Da also diese Vorgänge nur indirekt untersuchbar waren, mussten die Psychologen sich mit Biologen zusammenschließen, um die black box zu öffnen (vgl.: Squire 1999, 2000: 7).
1. Teil: Dieses Kapitel liefert die neurobiologischen und psychologischen Grundlagen, die für das Verständnis menschlicher Wahrnehmungs- und Gedächtnisprozesse bei der Literaturrezeption essenziell sind.
2. Teil: Hier werden theoretische Ansätze aus der Textlinguistik und der Empirischen Literaturwissenschaft diskutiert, um Prozesse der Textproduktion und -rezeption theoretisch zu fundieren.
3. Teil: Dieser Hauptteil widmet sich der Beschreibung und Auswertung eigener empirischer Experimente, bei denen Testpersonen narrative Texte nach einmaligem Hören reproduzieren mussten.
Empirische Literaturwissenschaft, Kognition, Gedächtnis, Narratologie, Textlinguistik, Spiegelzellen, Konstruktivismus, Neurobiologie, Textrezeption, Story Grammar, Reproduktionsexperiment, Schematheorie, Bewusstsein, Interdisziplinarität, Bedeutungskonstruktion.
Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle zwischen Literaturwissenschaft, Psychologie und Hirnforschung, um zu untersuchen, wie literarische Texte von Menschen kognitiv verarbeitet und mental rekonstruiert werden.
Zentrale Themen sind die Funktionsweise des menschlichen Gedächtnisses, das Nervensystem, die kognitive Sprachverarbeitung sowie theoretische Modelle der Textlinguistik und der Empirischen Literaturwissenschaft.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Literaturrezeption kein isolierter Prozess ist, sondern auf biologisch-psychischen Voraussetzungen basiert, und zu demonstrieren, wie empirische Methoden dabei helfen können, diese Vorgänge messbar und nachvollziehbar zu machen.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung kognitionswissenschaftlicher Grundlagen und die Durchführung eigener empirischer Experimente (Reproduktionsexperimente), bei denen Testpersonen Texte nach einem einmaligen Hören wiedergaben.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Durchführung, Dokumentation und methodische Auswertung der empirischen Untersuchungen sowie auf die Diskussion der Ergebnisse im Kontext bestehender Theorien zur Textkohärenz und Aktantenkontinuität.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Empirische Literaturwissenschaft, Kognition, Gedächtnis, Textlinguistik, Spiegelzellen und Konstruktivismus.
Spiegelzellen sind für die Literaturwissenschaft wichtig, da sie das neuronale Korrelat für das Mitgefühl und die Simulation von Handlungen anderer bilden, was erklärt, warum wir uns in literarische Figuren einfühlen können.
Die Inversion der Initiative bezeichnet ein Phänomen in den Reproduktionen, bei dem Testpersonen die Handlungsabfolge oder die Akteure vertauschen, weil sie die fremden kulturellen oder logischen Strukturen der Originaltexte nicht in ihr bestehendes Weltwissen einordnen konnten.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

