Bachelorarbeit, 2023
80 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Wohnungs- und Obdachlosigkeit
2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.3 Städtischer Sozialraum
3. Charakterisierung der Lebenswelt obdachloser Personen
3.1 Wohnungslosenbericht 2022
3.2 Phänomenologische Zugangsmethode: Lebenswelttheorie
3.3 Multidimensionalität von Armut und verfehlter Wohnungsbaupolitik
3.4 Stigma
3.5 Leben und Überleben im städtischen Sozialraum
4. Restriktiver Umbau des städtischen Sozialraums
4.1 Entwicklungslinien im städtischen Sozialraum
4.2 Neoliberale Gestaltungslogik
4.3 Sicherheit und Ordnung
4.4 Segregation
4.5 Defensive städtebauliche Architektur
4.6 Aushandlungsraum: städtischer Sozialraum
5. Handlungsfeld: Soziale Arbeit
5.1 Akteur: Soziale Arbeit
5.2 Appell: Soziale Arbeit
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der städtebaulichen Transformation des Sozialraums im Kontext von Obdachlosigkeit, insbesondere den Einfluss der neoliberalen Umgestaltung der Stadt Leipzig auf die Lebensrealität betroffener Personen und die daraus resultierende Handlungsfähigkeit der Sozialen Arbeit.
3.1 Wohnungslosenbericht 2022
Die statistische Hochrechnung der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe e. V. (im Folgenden abgekürzt als BAGW) bildete lange Zeit, die wesentliche fachlich zitierte und qualifizierte Quelle für die Dimensionen des sozialen Phänomens von Wohnungslosigkeit. (vgl. Brushinski, 2021, S. 64 f.) Als Dachverband der Wohnungslosenhilfe in Deutschland hat die BAGW wiederholt die Einführung einer bundesweiten Wohnungsnotfallstatistik angemahnt, die eine einheitliche Erfassung Wohnungslosigkeit ermöglicht. (vgl. Brushinski, 2021, S. 64 f.)
Der Wohnungslosenbericht, welcher im Zuge der Umsetzung des Wohnungslosenberichterstattungsgesetzes (im Folgenden abgekürzt als WoBerichtsG) für das Jahr 2022 erstmalig durchgeführt wurde, erhebt den Anspruch „[...] Informationen und Analysen über Umfang und Struktur von Wohnungslosigkeit vorzulegen“ (BMAS, 2022, S. 10) Mit dem Wohnungslosenbericht der Bundesregierung liegt somit zum ersten Mal ein offiziell staatlich initiierter Bericht über die Sachlage von Wohnungslosigkeit vor, der ein aktuelles und bundesweit repräsentatives Forschungsdokument, darstellt und einen umfassenden Einblick in die Lage wohnungsloser Personen vermitteln soll. Dies stellt ein Novum in der deutschen Obdachlosenforschung dar.
In Anlehnung an die Wohnsituation betreffend der Problemlage der ETHOS-Typologie, (vgl. Brushinski, 2021, S. 62) deren operative Kategorien das Fundament der Definition von Obdachlosigkeit in dieser Arbeit bilden, werden im Wohnungslosenbericht mittels der Ethos-Light Typologie (vgl. BMAS, 2022, S.16 ff.), drei wesentliche Gruppen identifiziert und analysiert „die untergebrachten wohnungslosen Menschen, [...] die Gruppen der verdeckt wohnungslosen Personen und die der wohnungslosen Menschen ohne Unterkunft, zu denen das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen empirischen Forschungsauftrag an das Konsortium GISS/Kantar vergeben hat, um mittels einer hochgerechneten Stichprobe entsprechende Informationen zu gewinnen.“ (BMAS, 2022, S. 10) Im Folgenden werden die statistischen Ergebnisse des Wohnungslosenberichts zusammengefasst, wobei der Fokus auf die Kategorie der wohnungslosen Menschen ohne Unterkunft, die für die Thematik dieser Arbeit besonders relevant sind, gelegt wird.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Obdachlosigkeit im städtischen Raum und die daraus entstehenden Herausforderungen für die Soziale Arbeit ein.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden die zentralen Begriffe wie Obdachlosigkeit, rechtliche Rahmenbedingungen und das Konzept des städtischen Sozialraums theoretisch fundiert definiert.
3. Charakterisierung der Lebenswelt obdachloser Personen: Dieses Kapitel verknüpft den Wohnungslosenbericht 2022 mit der Lebenswelttheorie, um die multidimensionale Problemlage und Stigmatisierung obdachloser Menschen zu analysieren.
4. Restriktiver Umbau des städtischen Sozialraums: Hier wird der Prozess der neoliberalen Stadtentwicklung analysiert, inklusive Sicherheitspolitik, Segregation und der Nutzung defensiver Architektur als Verdrängungsinstrument.
5. Handlungsfeld: Soziale Arbeit: Dieses Kapitel befasst sich mit der Rolle der professionellen Sozialen Arbeit in diesem spannungsreichen, von Exklusion und Kontrolle geprägten Umfeld.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die notwendige politische und praxisorientierte Haltung der Sozialen Arbeit gegenüber aktuellen stadtentwicklungspolitischen Entwicklungen.
Obdachlosigkeit, Wohnungslosigkeit, städtischer Sozialraum, Neoliberalismus, Stigmatisierung, Segregation, Kriminalisierung, Soziale Arbeit, Lebenswelt, Wohnungsbaupolitik, Defensive Architektur, Stadtplanung, Prekarisierung, Wohnungsnotfall, soziale Exklusion
Die Arbeit analysiert die städtische Transformation im Kontext von Obdachlosigkeit, wobei insbesondere beleuchtet wird, wie städtebauliche und ordnungspolitische Maßnahmen die Lebensbedingungen obdachloser Menschen verändern.
Zentrale Themen sind die soziale Ausgrenzung obdachloser Menschen, die neoliberale Umstrukturierung des öffentlichen Raums, Stigmatisierungsprozesse und die Rolle der Sozialen Arbeit als Akteurin in diesem konfliktreichen Feld.
Die Forschungsfrage fragt nach der Bedeutung der Entwicklung des städtischen Sozialraums für Obdachlosigkeit und dem damit verbundenen Einfluss auf die Handlungsfähigkeit der Sozialen Arbeit.
Die Arbeit basiert auf einer phänomenologischen lebensweltorientierten Perspektive sowie einer kritischen Analyse gesellschaftlicher Strukturen, ergänzt durch die Auswertung statistischer Daten des ersten staatlichen Wohnungslosenberichts.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Charakterisierung der Lebenswelt von Obdachlosen, die Analyse restriktiver Stadtumbau-Strategien und die Reflexion der Handlungsspielräume der Sozialen Arbeit.
Wichtige Begriffe sind Obdachlosigkeit, neoliberale Gestaltungslogik, städtischer Sozialraum, Stigmatisierung, Segregation sowie das Spannungsfeld der Sozialen Arbeit.
Sie führt durch Aufwertungslogiken, Gentrifizierung und defensive Architektur zur systematischen Verdrängung und Kriminalisierung obdachloser Menschen aus zentralen öffentlichen Orten.
Die Arbeit plädiert dafür, dass Soziale Arbeit ein reflektiertes Verständnis für machtkritische Zusammenhänge entwickeln muss, um sich gegen eine rein ordnungspolitische Instrumentalisierung zu wehren und die Klient*inneninteressen zu wahren.
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