Examensarbeit, 2010
151 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
2.1 Definition des Begriffs Märchen
2.2 Entstehungsgeschichte und Erfolg der KHM
2.3 Die pädagogische Bedeutung der KHM
3. Die handarbeitende Frau im 19. Jahrhundert
3.1 Frauenbild in der der bürgerlichen Gesellschaft
3.2 Bedeutung der Handarbeit als typisch weibliche Tätigkeit
3.3 Mädchenerziehung- Erziehung durch Handarbeiten
4. Die Handarbeitsmotive in den Märchen der Brüder Grimm
4.1 Ursprung und Wesen des Spinnens und Webens
4.2 Bedeutung und Funktion des Spinnens und Webens in den KHM
4.3 Mythologische Vorbilder und übernatürliche Spinnhelfer
5. Wirkung der Märchen
6. Zusammenfassung
7. Literaturverzeichnis
8. Anhang Märchentexte
8.1 KHM 9: Die zwölf Brüder
8.2 KHM 14: Die drei Spinnerinnen
8.3 KHM 24: Frau Holle
8.4 KHM 37: Daumesdick
8.5 KHM 49: Die sechs Schwäne
8.6 KHM 50: Dornröschen
8.7 KHM 53: Sneewittchen
8.8 KHM 55: Rumpelstilzchen
8.9 KHM 63: Die drei Federn
8.10 KHM 65: Allerleirauh
8.11 KHM 67: Die zwölf Jäger
8.12 KHM 79: Die Wassernix
8.13 KHM 105: Märchen von der Unke
8.14 KHM 156: Die Schlickerlinge
8.15 KHM 128: Die faule Spinnerin
8.16 KHM 161: Schneeweißchen und Rosenroth
8.17 KHM 179: Die Gänsehirtin am Brunnen
8.18 KHM 180: Die ungleichen Kinder Evas
8.19 KHM 181: Die Nixe im Teich
8.20 KHM 188: Spindel, Weberschiffchen und Nadel
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Herkunft von Handarbeitsmotiven (insbesondere Spinnen und Weben) in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, um den Zusammenhang zwischen diesen erzählerischen Elementen und dem Frauenbild sowie den Erziehungsvorstellungen des 19. Jahrhunderts aufzuzeigen.
4.1 Ursprung und Wesen des Spinnens und Webens
Da die meisten Naturfasern, wie Wolle oder Baumwolle nur wenige Zentimeter lang sind, Muss man sie zunächst zu langen Fäden zusammenzwirbeln, wenn man damit nähen oder Stoffe weben will (Ballhausen und Kleinelümern 2008, S. 64). Dieser als „Spinnen“ (Abb. 4) bezeichnete Vorgang ist, wie das „Weben“, eine der ältesten Techniken der Menschheit (Kohl 1858; Volkmann 2008, S.109; Wikipedia 2010a).
Das Spinnen ist eine alte Handwerkskunst und bereits seit 9000 v. Chr. bekannt. Von Hand gesponnen wurde in Europa bereits um 6000 v. Chr., darauf verweisen die Spinnwirtel (Spindelringscheibe) der Sesklo-Kultur im frühneolithischen Griechenland (Wikipedia 2010a).
Nach Volkmann (2008, S.9) ist Spinnen ein Handwerk, mit dem man Unordnung in Ordnung bringt. Die Autorin beschreibt, dass diese Handarbeit „aus einer wirren Menge Grundmaterial einen „gezähmten“, zur Weiterverarbeitung aufbereiteten Faden“ herstellt. Somit gelingt es „ungestaltetes Naturmaterial zu einem nutzbaren Produkt“ zu veredeln (Volkmann 2008, S.9).
Das Spinnen war demnach eine der frühesten kulturstiftenden Leistungen der Menschheit und kam von Anfang an den Frauen zu (Volkmann 2008, S.13). Das Alte Testament berichtet im Buch Genesis davon, wie die Urfrau (Eva) vom Teufel in Form einer Schlange verführt wird, die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen (Die Bibel, Gen 3,1-16). Gott bestraft sie und Adam für dieses Vergehen, indem er sagt: „Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach deinem Mann; er aber wird über dich herrschen“ (Die Bibel, Gen 3,16).
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Bedeutung von Handarbeitsmotiven im Kontext des Frauenbildes des 19. Jahrhunderts.
2. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Analyse der Entstehung und der pädagogischen Intentionen hinter der KHM-Sammlung.
3. Die handarbeitende Frau im 19. Jahrhundert: Untersuchung der bürgerlichen Erziehungsideale, der häuslichen Arbeit und der sozialen Funktionen weiblicher Handarbeit.
4. Die Handarbeitsmotive in den Märchen der Brüder Grimm: Detaillierte Betrachtung der symbolischen und mythologischen Aspekte des Spinnens und Webens in ausgewählten Märchen.
5. Wirkung der Märchen: Erörterung der Identifikationsmöglichkeiten für die Rezipientinnen und Kritik an der Passivität weiblicher Rollenbilder.
6. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die die Märchenheldinnen als Spiegelbilder zeitgenössischer Erwartungen an die weibliche Lebenswirklichkeit darstellt.
Handarbeitsmotive, Kinder- und Hausmärchen, Brüder Grimm, Spinnen, Weben, Mädchenerziehung, 19. Jahrhundert, Frauenbild, Tugendhaftigkeit, Schicksalsgöttinnen, Hausfleiß, Identifikation, Sozialer Aufstieg, Symbolik, bürgerliche Moral.
Die Arbeit analysiert die symbolische und soziale Bedeutung von Handarbeitsmotiven, primär Spinnen und Weben, in den Märchen der Brüder Grimm vor dem historischen Hintergrund des 19. Jahrhunderts.
Die zentralen Themen umfassen das bürgerliche Frauenbild, die Mädchenerziehung durch Handarbeit sowie die kulturhistorische und mythologische Symbolik textiler Tätigkeiten.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Märchen dazu dienten, das zeitgenössische Rollenbild der Frau (als häuslich, fleißig und tugendhaft) zu vermitteln und warum sich das bürgerliche Lesepublikum mit diesen Charakteren identifizieren konnte.
Die Arbeit nutzt eine kulturhistorische und literaturwissenschaftliche Analyse, ergänzt durch psychologische Deutungsansätze und Vergleiche mit mythologischen Quellen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Frauenbildes, die technische und symbolische Einordnung von Spinnen und Weben sowie die Analyse der Erlösungsmärchen und deren mythologischem Bezug.
Zentrale Begriffe sind Handarbeitsmotive, Mädchenerziehung, bürgerliches Frauenbild, Spinnen, Weben und die Identifikation mit Märchenheldinnen.
Sie dient als Gegenbeispiel zum Idealbild, wobei die Arbeit untersucht, wie diese Figuren durch Listigkeit oder übernatürliche Hilfe das soziale Ideal der fleißigen Hausfrau zu umgehen versuchen.
Die Arbeit vergleicht die Märchenfiguren mit antiken Schicksalsgöttinnen (Moiren, Parzen, Nornen), die den Lebensfaden spannen, und zeigt, wie diese Rolle in den Grimmschen Märchen in eine domestizierte Form überführt wird.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

