Examensarbeit, 2001
36 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Biographisches und Bibliographisches zu Petrarca
2.1 Kindheit und Jugend
2.2 Lebensmitte
2.3 Entstehungszeit des Secretum
2.4 Petrarcas ‚Bekehrung‘
2.5 Alter
3. Das Secretum
3.1 Allgemeines
3.2 Das genre
3.3 Aufbau und Inhalt
3.2.1 Praefatio
3.2.2 Erstes Buch
3.2.3 Zweites Buch
3.2.4 Drittes Buch
4. Der Begriff der acedia
4.1 Begriffsgeschichte: Die acedia von der alten Kirche bis zum Mittelalter
4.2 Begriffsanalsye: Die accidia im Secretum
4.3 Vergleich: Petrarcas accidia und die mittelalterliche Todsünde
5. Die Rolle Augustins im Secretum
6. Petrarcas philosophische Rollenmodelle
7. Schlußfolgerungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der ‚acedia‘ in Petrarcas Werk ‚Secretum‘. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Frage, wie Petrarca die mittelalterliche Todsünde ‚acedia‘ unter dem Einfluss des Humanismus umdeutet und zu einer Form von psychologischer Seelenkrankheit weiterentwickelt, die sein Streben nach irdischer und ewiger Selbstverwirklichung maßgeblich beeinflusst.
3.3.3 Zweites Buch
Im zweiten Buch behandelt Augustinus das Leben des kranken Franciscus im Spiegel der sieben Todsünden.
Nach einem langen Vorgespräch steht die schwerste Sünde des Stolzes und des Hochmuts, superbia, am Anfang, der sich Franciscus nach Augustinus‘ Meinung schuldig gemacht hat. Vom Neid, der invidia, wird er freigesprochen. Die avaritia, Habsucht, weist Franciscus weit von sich; Augustinus teilt diese Meinung nicht. Augustinus spricht Franciscus von der Sünde der gula, der Völlerei, frei; auch ira, der Zorn, wird schnell übergangen. Die Sünde der luxuria soll wegen der Schwere des Vergehens ans Ende verschoben werden.
Nachdem Augustin alle peccata capitalia des Sündenkatalogs besprochen hat, wendet er sich der accidia als letzter zu und begründet dies mit dem größten Gewicht dieser Sünde bzw. ‚Wunde‘ gegenüber den anderen: Maxima tuae mentis vulnera nondum attigi, et consulto dilata res est ...
Der Arzt Augustin beginnt mit der Charakterisierung der accidia als Seelenkrankheit: Habet te funesta quaedam pestis animi, quam Accidiam moderni, veteres aegritudinem dixerunt.
1. Einleitung: Beschreibt das historisch bedeutsame 14. Jahrhundert in Italien und die Entstehung des Humanismus als neue Bildungsbewegung.
2. Biographisches und Bibliographisches zu Petrarca: Zeichnet den Lebensweg Petrarcas nach, von der Kindheit bis zum Alter, mit besonderem Fokus auf seine geistige Entwicklung.
3. Das Secretum: Analysiert das Werk als beispiellose Selbstanalyse im fiktiven Dialog mit Augustinus und beleuchtet dessen Aufbau und Intention.
4. Der Begriff der acedia: Untersucht die Begriffsgeschichte der ‚acedia‘ von der Alten Kirche bis zum Mittelalter und deren spezifische Bedeutung im ‚Secretum‘.
5. Die Rolle Augustins im Secretum: Analysiert das Verhältnis zwischen dem historischen Kirchenvater und der von Petrarca erdachten fiktiven Identifikationsfigur.
6. Petrarcas philosophische Rollenmodelle: Betrachtet Petrarcas Versuch, antike Philosophie und christliche Offenbarung in einer humanistischen Moralphilosophie zu vereinen.
7. Schlußfolgerungen: Fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt, dass die ‚acedia‘ bei Petrarca zu einem säkularisierten Hindernis der Selbstverwirklichung wird.
Petrarca, Secretum, Acedia, Accidia, Humanismus, Mittelalter, Todsünde, Augustinus, Seelenkrankheit, Moralphilosophie, Selbstanalyse, Wissensgeschichte, Anthropologie, Tristitia, Tugend.
Die Arbeit analysiert die Bedeutung der Todsünde ‚acedia‘ im literarischen Werk ‚Secretum‘ des Humanisten Francesco Petrarca.
Themen sind die Begriffsgeschichte der Sündenlehre, die humanistische Moralphilosophie und die biographische Entwicklung Petrarcas im 14. Jahrhundert.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Petrarca die traditionelle Todsünde in eine säkularisierte „Seelenkrankheit“ umdeutet, um seine eigene Existenzkrise zu reflektieren.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Textanalyse des ‚Secretum‘ im Vergleich mit kirchengeschichtlichen und theologischen Quellen.
Der Hauptteil analysiert die Struktur des ‚Secretum‘, die augustinische Identifikationsfigur und die spezifische Auslegung der ‚accidia‘ durch Petrarca.
Die wichtigsten Begriffe sind Petrarca, Secretum, Acedia, Humanismus und Seelenheil.
Augustinus dient Petrarca als Identifikationsfigur, wird jedoch im ‚Secretum‘ als Gesprächspartner umgestaltet, der den Humanisten eher stoisch statt rein christlich berät.
Während die mittelalterliche Todsünde geistliches Versagen an der Gnade Gottes markiert, wird Petrarcas ‚accidia‘ als unverschuldetes Leiden bzw. als Hindernis für die weltliche Selbstverwirklichung interpretiert.
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