Diplomarbeit, 2008
125 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Selbstgesteuertes Lernen als erwachsenenpädagogisches Paradigma
2.1 Lebenslanges Selbstgesteuertes Lernen
2.2 Zur Problematik der begrifflichen Bestimmung
2.3 Aktueller Diskussions- und Forschungsstand
2.3.1 Systemisch-konstruktivistische Grundlagen
2.3.2 Bedingungen Selbstgesteuerten Lernens
2.3.3 Selbststeuerung als didaktische Dimension
2.3.4 Selbststeuerung als gesellschaftspolitische Dimension
2.4 Definitorische Eingrenzung
2.5 Zusammenfassung
3 Selbstgesteuertes Lernen im fachwissenschaftlichen Diskurs
3.1 Wissenschaftstheoretische Auseinandersetzung
3.2 ‚Bildung‘ als Orientierungskategorie didaktischen Handelns
3.3 Grenzen konstruktivistischen Erklärungspotentials
3.4 Zusammenfassung
4 Selbstgesteuertes Lernen aus gouvernementalitätstheoretischer Perspektive
4.1 Zum Begriff der Gouvernementalität
4.2 Genealogischer Zugang und gouvernementalitätstheoretische Perspektive
4.2.1 Das begriffliche Analyseinstrumentarium Foucaults
4.2.2 Die Geschichte der Gouvernementalität
4.3 Weiterbildung und Selbstgesteuertes Lernen im Kontext der Gouvernementalität
4.4 Pädagogik und Macht
4.5 Kritische Betrachtung des erwachsenenpädagogischen Diskurses um Selbstgesteuertes Lernen
4.6 Zusammenfassung
5 Konsequenzen für das erwachsenenpädagogische Professionalitätsverständnis
5.1 Bildungstheoretische Reflexion im Anschluss an Foucault
5.2 Selbstsorge als berufsethischer Anspruch
5.3 Didaktische Konsequenzen am Beispiel Selbstsorgenden Lernens
5.3.1 Veränderte didaktische Steuerungslogik
5.3.2 Aufbau der Selbstlernarchitekturen
5.4 Zusammenfassung
6 Fazit
Die Arbeit untersucht das Konzept des selbstgesteuerten Lernens in der Erwachsenenbildung kritisch aus einer gouvernementalitätstheoretischen Perspektive (im Anschluss an Michel Foucault). Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das oft unkritisch idealisierte Paradigma des selbstgesteuerten Lernens als Instrument einer neoliberalen Regierungsrationalität fungiert, die Individuen auf Eigenverantwortung und Selbstoptimierung verpflichtet, und welche Konsequenzen dies für das professionelle Selbstverständnis der Erwachsenenbildung hat.
4.1 Zum Begriff der Gouvernementalität
Foucaults diskurstheoretische Forschungsarbeiten changieren an der Schnittstelle zwischen Sozialwissenschaften, Philosophie und Geschichte und untersuchen mittels der kritisch-analytischen Methode der Genealogie die Relationen zwischen ‚Subjekt‘, ‚Macht‘ und ‚Wahrheit‘ innerhalb gegenwärtiger gesellschaftlicher Verhältnisse. Das Konzept der Gouvernementalität gründet in Foucaults spezifischer Auffassung von Subjektivität, welche einer veränderbaren und diskursiv hervorgebrachten Form entspricht und daher den Ansatzpunkt strategischen Regierungshandelns markiert. Gegenstand von Foucaults Untersuchungen sind die spezifischen Relationen zwischen Subjektivität, Macht und Wissen. Beide Konzepte stehen im wechselseitigen Bedingungsverhältnis zueinander, so dass im Sinne Foucaults Macht nicht gegen, sondern durch Subjektivierung arbeitet. In der poststrukturalistisch geprägten und historisch begründeten Perspektive Foucaults entsteht menschliche Realität innerhalb eines Geflechts diskursiver Praktiken und Machtverhältnisse, in denen das Subjekt „als ein Produkt vielfältiger Machttechniken [erscheint], dessen ‚Seele‘ und vermeintliche ‚Identität‘ Ergebnis differenziert unterwerfender diskursiver und körperlicher Praktiken ist“ (Lüders 2007, S. 73). Das Konzept der Gouvernementalität ermöglicht es, die Beziehungen zwischen ‚Wahrheit‘, ‚Macht‘ und ‚Subjekt‘ kritisch und differenziert zu untersuchen, so dass die Techniken der Subjektivierung, durch die Individuen sich den formierenden Bedingungen von Machtverhältnissen und diskursiven Regulationsmechanismen unterwerfen, erkennbar werden. In seinen Forschungsarbeiten untersucht Foucault, wie sich die Regierungsmentalität während der Modernisierung der Gesellschaftsstrukturen verändert hat, wobei er verschiedenen Formen des Regierens durch Individualisierung rekonstruiert.
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Problematik des selbstgesteuerten Lernens im Kontext gesellschaftlichen Wandels und postuliert die Notwendigkeit einer gouvernementalitätstheoretischen Reflexion.
2 Selbstgesteuertes Lernen als erwachsenenpädagogisches Paradigma: Das Kapitel systematisiert den aktuellen Diskussionsstand, die systemisch-konstruktivistischen Grundlagen und die Bedingungen für selbstgesteuerte Lernprozesse.
3 Selbstgesteuertes Lernen im fachwissenschaftlichen Diskurs: Hier wird die Herausforderung für die Disziplin Erwachsenenbildung diskutiert und Bildung als notwendige Orientierungskategorie gegen die Begrenztheit des konstruktivistischen Ansatzes verteidigt.
4 Selbstgesteuertes Lernen aus gouvernementalitätstheoretischer Perspektive: Das Kapitel führt Foucaults Konzepte der Macht, der Gouvernementalität und der Selbsttechnologien ein, um selbstgesteuertes Lernen als neoliberale Subjektivierungspraktik zu dekonstruieren.
5 Konsequenzen für das erwachsenenpädagogische Professionalitätsverständnis: Es werden didaktische Konsequenzen für die Professionalität abgeleitet und das Konzept der "Selbstsorge" als kritische, professionsethische Haltung für Lehrende eingeführt.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, eine kritische, nicht-oppositionale Haltung in der Erwachsenenbildung zu etablieren, um der Instrumentalisierung entgegenzuwirken.
Selbstgesteuertes Lernen, Erwachsenenbildung, Gouvernementalität, Michel Foucault, Neoliberalismus, Subjektivierung, Selbstsorge, Professionalität, Konstruktivismus, Macht, Wissen, Didaktik, Lebenslanges Lernen, Selbstunternehmer, Bildungskritik.
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Konzept des selbstgesteuerten Lernens in der Erwachsenenbildung und hinterfragt dessen unkritische Idealisierung durch eine machtkritische, poststrukturalistische Brille.
Die zentralen Felder sind die erwachsenenpädagogische Theoriebildung, die gouvernementalitätstheoretische Analyse von Lernprozessen sowie die Reflexion über das professionelle Selbstverständnis von Erwachsenenbildnern.
Ziel ist es aufzudecken, wie selbstgesteuertes Lernen als Instrument einer neoliberalen Regierungsrationalität dient, das Individuen zur Selbstoptimierung verpflichtet, und wie eine reflektierte "Selbstsorge" dem entgegengesetzt werden kann.
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die kritisch-analytische Methode der Genealogie im Anschluss an Michel Foucault sowie eine diskursanalytische Betrachtungsweise.
Der Hauptteil analysiert erst das Konstrukt der Selbststeuerung aus systemisch-konstruktivistischer Sicht, um dann in einem zweiten Schritt die Perspektive der Gouvernementalitätstheorie einzunehmen und die damit verbundenen Machteffekte zu dekonstruieren.
Selbstgesteuertes Lernen, Gouvernementalität, Neoliberalismus, Subjektivierung, Selbstsorge, Erwachsenenbildung und Macht.
Der Ansatz sensibilisiert zwar für die Eigenlogik von Lernprozessen, vernachlässigt jedoch die gesellschaftliche Vermitteltheit des Lernsubjekts und bietet keine Handlungsoptionen für die kritische Reflexion von Machtverhältnissen.
In der Arbeit wird Selbstsorge als eine professionsethische Haltung verstanden, die es Lehrenden ermöglicht, Machteffekte in Lernarrangements kritisch zu reflektieren, statt sich naiv als "jenseits von Macht" zu verorten.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

