Diplomarbeit, 2009
95 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Jugendkriminalität
2.1 Was versteht man unter Jugendkriminalität?
2.2 Jugendkriminalität in unserer Gesellschaft
3. Kriminalitätstheorien
3.1 Psychoanalytischer Ansatz
3.2 Frustrations- Aggressions-Hypothese
3.3 Familie, Erziehungsstil und psychoanalytische Theorie nach Richter
3.4 Die Anomietheorie von Merton
3.5 Theorie der Differentiellen Assoziation nach Sutherland
3.6 Theorie der differentiellen Gelegenheiten nach Cloward/Ohlin
3.7 Theorien des Labeling Approach
3.8 Multikausalität als Erklärungsmodell
4. Resozialisierung
4.1 Resozialisierung und Sport
4.2 Ausgleich gegenüber den Wirkungen des Strafvollzugs
4.2.1 Sport als Lern und Erfahrungsfeld
4.3 Anschluss an die Außenwelt
4.3.1 Glenn Mills School
5. Asiatische Kampfkünste
5.1 Die Entwicklung der Kampfkünste
5.1.1 Einfluss von Yoga
5.1.2 Einfluss des Tao
5.2 Unterschied Kampfkunst / Kampfsport
5.3 Budôpädagogik und Ihre Entwicklung
5.3.1 Die Überlieferung der Lehre
5.3.2 Die rechte Haltung
5.3.3 Dōjōkun – die Regeln des Budô
5.3.3.1 Die Suche nach dem vollkommenen Charakter
5.3.3.2 Der rechte Weg der Wahrheit
5.3.3.3 Verwirklichung seiner persönlichen Lebensziele
5.3.3.4 Die Grundregeln der Etikette ehren
5.3.3.5 Verzicht auf Gewalt
6. Asiatische Kampfkünste als begleitende Intervention
6.1 Welche Bedeutung nimmt die Kampfkunst ein?
6.2 Shorinji-Ryu (Karate-dô) als praktische Behandlungsmaßnahme
6.2.1 Bewegungs- und Zweikampfspiele
6.2.2 Chinesische Gymnastik und Yoga
6.2.3 Kihon - die Grundschule
6.2.3.1 Stellungen (Tachikata)
6.2.3.2 Arm und Beintechniken
6.2.4 Kata – die Bewegungsabläufe
6.2.5 Kumite - der Kampf
6.2.6 T´ai Chi Meditative Bewegung
6.2.7 Za-Zen - Meditative Versenkung
7. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Wirksamkeit asiatischer Kampfkünste als begleitende Interventionsmethode im Jugendstrafvollzug, um Resozialisierungsprozesse zu unterstützen und aggressivem Verhalten bei kriminellen Jugendlichen entgegenzuwirken.
3.2 Frustrations- Aggressions-Hypothese
Unter aggressivem Verhalten werden meist nur körperliche Angriffe gegen Lebewesen verstanden. Doch die Bandbreite an aggressiven Verhaltensweisen ist eine sehr viel größere und komplexere. Die Absicht eines aggressiven Verhaltens, welche zum Beispiel die impulsive Spielfreude eines Kindes sein kann, ist nicht immer klar zu erkennen und wird oft falsch interpretiert. Trotz dieser Tatsache gibt es mehrere Definitionen für Aggressivität, die nicht immer auf bestimmte Reaktionen zutreffend sind, aber hilfreich sein können, Aggression besser zu verstehen.
Freuds Ansicht war, dass die Hauptmotivation des Menschen im Streben nach Lust und der Vermeidung von Schmerz liegen. Man galt als frustriert, wenn man an der Lustgewinnung oder Schmerzvermeidung gehindert wurde. Seine Meinung war, dass Aggression auf einen angeborenen Trieb oder Instinkt zurückzuführen ist. Diese Ansicht war für einige Psychologen in den USA, die Lern- und Umwelterfahrungen als wichtige Determinanten herausstellten, ein Dorn im Auge (vgl. Baumeister, Bushman, 2002 S. 599).
Ende der Dreißiger Jahre wurden Freuds Gedankengut und Erkenntnis der experimentellen Lernforschung von Dollard, Doob, Miller, Mowrer und Sears (1939) als Frustrations-Aggressions-Hypothese (FAH) weiter entwickelt. Der Kernsatz der FAH lautet in Ihrer ursprünglichen Fassung „Aggression ist immer eine Folge von Frustration“ und „Frustration führt immer zu einer Art von Aggression“ (vgl. Amelang, 1986 S. 376).
Wie Weidner (2001, S. 20-21) erklärt, verfolgt die (FAH) einen auf einen Trieb zurückgehenden Erklärungsansatz. Das heißt, wenn man die (FAH) auf den Bereich Kriminalität in Verbindung mit Gewalt bezieht, erleiden Delinquenten mehr Frustration als nicht delinquente Jugendliche. Delinquenten wird sozusagen eine geringe Frustrationstoleranz zugeschrieben, die sich durch verschiedene Aktionen wie Körperverletzung oder Sachbeschädigung äußert.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Zunahme von Jugendkriminalität und die oft eindimensionale Debatte über härtere Strafen, wobei die Notwendigkeit präventiver Alternativen wie Sport zur Resozialisierung hervorgehoben wird.
2. Jugendkriminalität: Dieses Kapitel definiert Jugendkriminalität, differenziert zwischen sozialen Hintergründen und der Rolle des Elternhauses sowie dem staatlichen Erziehungsauftrag.
3. Kriminalitätstheorien: Verschiedene soziologische und psychologische Ansätze, darunter die Psychoanalyse, Anomietheorie und der Labeling Approach, werden analysiert, um die Entstehung abweichenden Verhaltens zu erklären.
4. Resozialisierung: Hier werden Definitionen und Ziele der Resozialisierung diskutiert, wobei der Fokus auf der Bedeutung von Sport als pädagogisches Mittel im Jugendstrafvollzug liegt.
5. Asiatische Kampfkünste: Es werden die Geschichte, Philosophie und die Konzepte der Budôpädagogik sowie deren Bedeutung für eine positive Persönlichkeitsentwicklung dargestellt.
6. Asiatische Kampfkünste als begleitende Intervention: Dieses Kapitel erläutert die praktische Anwendung von Shorinji-Ryu Karate als Anti-Aggressivitäts-Training im Rahmen des Strafvollzugs.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass asiatische Kampfkünste als wertvolle, begleitende Intervention fungieren können, um Jugendlichen Kompetenzen zur Gewaltvermeidung und Selbstkontrolle zu vermitteln.
Jugendkriminalität, Resozialisierung, Kampfkunst, Budô, Gewaltprävention, Strafvollzug, Shorinji-Ryu, Kriminalitätstheorien, Sozialpädagogik, Anti-Aggressivitäts-Training, Persönlichkeitsentwicklung, Sporttherapie, Glenn Mills School, Labeling Approach, Anomietheorie
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie asiatische Kampfkünste sinnvoll in den Jugendstrafvollzug integriert werden können, um als pädagogische und therapeutische Maßnahme zur Resozialisierung beizutragen.
Die Schwerpunkte liegen auf kriminologischen Theorien, den Möglichkeiten des Sports im Strafvollzug, der Philosophie asiatischer Kampfkünste (Budô) und spezifischen Programmen wie der Konfrontativen Pädagogik.
Ziel ist es aufzuzeigen, dass Kampfkunst nicht bloß körperliche Gewalt fördert, sondern bei richtiger methodischer Gestaltung eine wirksame Interventionsmethode zur Gewaltminderung und Persönlichkeitsreifung darstellt.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender kriminologischer Theorien und sportpädagogischer Ansätze, ergänzt durch die Analyse spezifischer Trainingskonzepte.
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Kriminalitätsmodelle (z.B. Anomietheorie, Labeling Approach) als auch die praktische Umsetzung in Form von Budôpädagogik und spezifischen Karate-Trainingsmodellen erläutert.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Jugendkriminalität, Resozialisierung, Gewaltprävention, Budôpädagogik, Shorinji-Ryu und Sporttherapie charakterisieren.
Die Schule setzt auf konfrontative Pädagogik, bei der Jugendliche durch ein hierarchisches Stufensystem, klare Verhaltensnormen und Gruppenverantwortung lernen, den Teufelskreis aus Frustration und Scheitern zu durchbrechen.
Die Kontroverse beruht auf dem Vorurteil, dass Kampfkünste lediglich aggressives Verhalten schulen; die Arbeit widerlegt dies jedoch durch den Nachweis, dass traditionelle Formen auf Selbstkontrolle und Gewaltvermeidung zielen.
Während der Kampfsport primär auf den leistungsorientierten Wettkampf und das Siegen fokussiert, betont die Kampfkunst in diesem Kontext die Persönlichkeitsentwicklung, den Verzicht auf Gewalt und die Kultivierung des Charakters.
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