Masterarbeit, 2010
34 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Lernen und Lernprozesse
2.1. Erziehungsauftrag in Jugendanstalten und Lernprozesse
2.2 Erziehung zur moralischen Urteilsfähigkeit
2.3 Beziehung, Biografie und lernende Tätigkeit
3. Institutionelle Strukturen und ihre Akteure
3.1 Inhaftierte und ihre Peergroups
3.2 Bedienstete (AVD)
3.3 Anstaltsleitungen
4. Organisation und systemtheoretische Organisationsentwicklung
4.1 Wissen und Lernen aus systemorientierter Sicht
4.2 Komplementaritätstheorie und Jugendanstalt
4.3 Führung und Organisationsentwicklung
5. Kritisches Resümee zur Ermöglichung von Lernprozessen in Jugendanstalten
Die Arbeit untersucht Lernprozesse im Jugendstrafvollzug unter systemtheoretischer Perspektive, mit dem Ziel, Gelingenskriterien für eine pädagogisch wirksame Gestaltung innerhalb geschlossener Institutionen zu identifizieren. Dabei wird insbesondere die Rolle der Anstaltsleitung als Schlüsselperson für Organisationsentwicklung und die Schaffung demokratischer Beteiligungsstrukturen beleuchtet, um eine nachhaltige soziale und moralische Entwicklung der Inhaftierten zu fördern.
3. Institutionelle Strukturen und ihre Akteure
Ich habe bereits ausgeführt in welchem Rahmen sich Erziehung in Jugendanstalten und damit auch Lernprozesse befinden, und dass für Lernprozesse Beziehungen notwendig sind. Andererseits müssen erzieherische Lernprozesse zur Entwicklung moralischer Urteilsfähigkeit, durch geeignete Maßnahmen nicht-formeller Art, unmittelbar soziale Kompetenzen bei Inhaftierten fördern. Ich habe verdeutlicht, dass die Inhaftierung geprägt ist, von Autonomieverlust, Abhängigkeit und Verlust von Entscheidungsfreiheit (vgl.2.2). Dies drängt die Inhaftierten in eine kindliche und abhängige Rolle (vgl. Koesling 2007:335). Neben der Tatsache, dass sich Heranwachsende grundsätzlich in einem Balanceakt zwischen Autonomieverlust und Identitätsbildung befinden, bringen Inhaftierte zumeist rege diskontinuierliche Biografien mit Beziehungen, Erziehungs- und Lernprozessen mit. Wie wirkt nun das System Jugendanstalt auf das Individuum ein? Empirische Forschungen sprechen von einem ‚Stresserleben’ (Hosser 2001:319):
„Der große Anteil an Inhaftierten im deutschen Jugendstrafvollzug, die zumindest in der Anfangsphase der Haft hohe Depressivitätswerte aufweisen, verweist auf die psychischen Belastungen, die mit einer Inhaftierung verbunden sind.“ (Hosser 2001:339)
Zudem wird bei der Inhaftierung eine passive Lebenshaltung übernommen und der Inhaftierte erwartet, versorgt zu werden. In diesem Zusammenhang wird von dem Effekt der ‚Prisonisierung’ gesprochen (vgl. Weis 1988:249). Auch Bedienstete stehen den Regeln des Systems gegenüber (vgl. Lehmann/Greve 2006:41ff). In diesem Zusammenhang werde ich die Akteure in den Anstalten betrachten, um dann auf Strukturen und Spezifika des Systems Jugendanstalt einzugehen.
1. Einleitung: Die Arbeit reflektiert Lernprozesse im Jugendstrafvollzug und führt in die systemtheoretische Herangehensweise sowie die Arbeitsthese ein, dass Anstaltsleitungen als Schlüsselpersonen für das Gelingen von Lernprozessen agieren.
2. Lernen und Lernprozesse: Dieses Kapitel definiert Lernen als individuellen und sozialen Prozess und diskutiert den Erziehungsauftrag sowie die Bedeutung von Beziehung und moralischer Urteilsfähigkeit für Inhaftierte.
3. Institutionelle Strukturen und ihre Akteure: Hier werden die Akteure des Vollzugs – Inhaftierte, Bedienstete und Anstaltsleitungen – in ihrem institutionellen Kontext und ihrer gegenseitigen Abhängigkeit analysiert.
4. Organisation und systemtheoretische Organisationsentwicklung: Das Kapitel betrachtet die Jugendanstalt als soziales System und wendet die Komplementaritätstheorie sowie systemtheoretische Organisationsmodelle auf den Vollzug an.
5. Kritisches Resümee zur Ermöglichung von Lernprozessen in Jugendanstalten: Die Autorin fasst die Bedingungen für nachhaltige Lernprozesse zusammen und plädiert für einen Paradigmenwechsel hin zu einem komplementären und partizipativen Vollzugsmodell.
Jugendstrafvollzug, Lernprozesse, Systemtheorie, Organisationsentwicklung, moralische Urteilsfähigkeit, Anstaltsleitung, Resozialisierung, Partizipation, Erziehungsauftrag, soziale Kompetenzen, Justizvollzug, Komplementaritätstheorie, Gefängnispädagogik, Identitätsbildung, institutionelle Strukturen.
Die Arbeit untersucht Lernprozesse bei jungen Inhaftierten in Jugendstrafanstalten unter Anwendung systemtheoretischer Konzepte.
Die zentralen Felder umfassen die systemorientierte Organisation von Anstalten, die pädagogische Bedeutung von Beziehungen und die Rolle von Führungspersonal.
Das Ziel ist es, Gelingenskriterien zu definieren, die trotz restriktiver Haftbedingungen eine nachhaltige Erziehung und Kompetenzentwicklung ermöglichen.
Es wird eine interdisziplinäre, systemtheoretische und konstruktivistische Herangehensweise gewählt, die durch organisationswissenschaftliche Ansätze ergänzt wird.
Der Hauptteil analysiert die institutionellen Akteure, die Komplementarität von Behandlung und Sicherheit sowie verschiedene Organisationsdesigns im Jugendstrafvollzug.
Wichtige Begriffe sind Jugendstrafvollzug, Systemtheorie, moralische Urteilsfähigkeit und partizipative Organisationsentwicklung.
Die Anstaltsleitung wird als entscheidende Schlüsselperson identifiziert, die durch ihre Führungsentscheidungen entweder hemmend oder fördernd auf die lernförderliche Gestaltung des Vollzugs einwirkt.
Sie betont, dass Lernen ein freiwilliger, reflexiver Prozess ist, während Erziehung durch institutionelle Rahmenbedingungen und Beziehungsarbeit den nötigen Raum für diesen Lernprozess schaffen muss.
Sie kritisiert, dass durch hierarchische Strukturen und den Widerspruch zwischen Sicherheit und Behandlung oft nur eine "Folklorisierung" pädagogischer Ziele stattfindet, statt wirklicher Resozialisierung.
Zu den Kriterien gehören unter anderem die Einführung partizipativer Strukturen, zielgruppengerechte Weiterbildung der Bediensteten sowie der Übergang von geschlossenen zu eher (halb-)offenen Vollzugsformen.
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