Examensarbeit, 2008
75 Seiten
1. Einleitung
1.1 Allgemein: Geschichte im Film
1.2 Einfluss von historischen Filmen auf das Geschichtsbewusstsein
1.3 Welcher Gattung ist „LUTHER“ zuzuordnen?
1.4 Künstlerischer Eigenwert vs. Historizität
2. „LUTHER“
2.1 Kurz: Der Inhalt
2.2 Einseitig oder verzerrt dargestellte Elemente
2.2.1 Das Gewittererlebnis bei Stotternheim
2.2.2 Die Romreise
2.2.3 Der Reichstag zu Worms
2.2.4 Der Bauernkrieg
2.2.5 Die Ehe mit Katharina von Bora
2.2.6 Der Reichstag von Augsburg
2.2.7 Das Bild der katholischen Kirche
2.3 Fiktive Elemente
2.3.1 Das Begräbnis des Selbstmörders
2.3.2 Die arme Hanna mit ihrer verkrüppelten Tochter Grete
2.3.3 Luther überreicht Friedrich von Sachsen die Übersetzung des Neuen Testaments
2.4 Kontroverse Elemente
2.4.1 Der Thesenanschlag
2.5 Exkurs: Friedrich der Weise
2.6 Fehlende Elemente
2.6.1 Theologische Inhalte
2.6.2 Politische Inhalte
2.6.3 Die Kehrseite Luthers
2.7 Filmsprachliche Elemente:
2.7.1 Die Darsteller
2.7.2 Schnitt, Kameraführung, Licht, Kostüme und Musik
2.7.3 Die Örtlichkeiten
3. Rezeptionsgeschichte des Filmes
3.1 Rezensionen aus der Fachdidaktik: „LUTHER“ im Unterricht?
3.2 Evangelische Kirchenblätter: „LUTHER“ als angemessene Würdigung des Reformators?
3.3 Die Katholische Seite: Verunglimpfung des katholischen Klerus in „LUTHER“.
3.4 Die Historische Fachwissenschaft: „LUTHER“: hagiographisch und verfälscht?
3.5 Tageszeitungen / Zeitschriften: „LUTHER“ - ein gelungener Spielfilm?
4. Martin Luther in der Geschichte und in anderen Filmen
4.1 Instrumentalisierung Luthers in der Geschichte
4.2 Frühere Lutherfilme und ihre Lutherbilder
5. Fazit
5.1 Einordnung des Films
5.2 Das Lutherbild in „LUTHER“
5.3 Einbettung in Zielsetzung von „LUTHER“
5.4 Eventuelle Parallelen oder Neues in „LUTHER“
Die Arbeit untersucht das in Eric Tills Historienfilm „LUTHER“ (2003) erzeugte Lutherbild hinsichtlich seiner historischen Authentizität und der filmsprachlichen Umsetzung. Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern der Spielfilm historische Fakten zugunsten einer dramaturgischen Inszenierung verzerrt, ausspart oder fiktionalisiert, um den Reformator als Heldenfigur zu stilisieren.
2.2.2 Die Romreise
Luther wird von seinem geistlichen Vater Staupitz nach Rom geschickt, um dort seine Zweifel an Gott überwinden zu können. In Rom angekommen wird der Mönch allerdings mit zahlreichen Missständen des katholischen Klerus konfrontiert. So beobachtet er Mönche zusammen mit Prostituierten, den kommerzialisierten Handel mit Heiligenfiguren, die pompöse Selbstinszenierung des Papstes Julius, der in einer goldenen Ritterrüstung durch Rom reitet oder die ruppigen Mönche, welche ihm nur einen Moment vor der Reliquie, dem Schädel Johannes' des Täufers, gewähren, um ihn dann unsanft wegzuzerren.
Die folgende Szene wird dem Zuschauer sodann als ein Wendepunkt in Luthers Denken präsentiert: Vor dem Vatikan kauft Luther für seinen Großvater Heinrich Luther einen Ablassbrief, um ihn aus dem Fegefeuer zu erlösen. Wie befohlen steigt er die Stufen zum Vatikan hoch und betet auf jeder Stufe ein Vaterunser, wobei er von zahllosen anderen Gläubigen umgeben ist. Oben angekommen betrachtet er die gläubige Menschenmenge und den unterhalb der Treppe wie eine Massenabfertigung präsentierten Ablassverkauf. An dieser Stelle scheint er sich seiner Verachtung des Ablasshandels bewusst zu werden und zerknüllt seinen Ablassbrief.
Volker Leppin stellt den Hergang von Luthers Romreise etwas anders dar: So war es nicht Johannes von Staupitz, der Luther nach Rom schickte, sondern Johannes Natin, der damalige Leiter des Studiums der Augustiner im Erfurter Kloster. Natin hat Luther gesandt, um in Rom gegen die von Staupitz erdachten Pläne der Zusammenführung der sächsischen und thüringischen Ordenszweige zu protestieren, da man um seine Autorität und die Erhaltung der eigenen Ordensregeln fürchtete.
1. Einleitung: Erläutert die Ausgangslage, die Problematik von Geschichte im Film und definiert die Forschungsfrage bezüglich des erzeugten Lutherbildes.
2. „LUTHER“: Detaillierte Analyse der Filmszenen, Aufdeckung historischer Ungenauigkeiten, Fiktionen und die Untersuchung der filmsprachlichen Mittel.
3. Rezeptionsgeschichte des Filmes: Kontrastierung der verschiedenen Kritiken aus Fachdidaktik, Kirchenblättern, Fachwissenschaft und Tageszeitungen.
4. Martin Luther in der Geschichte und in anderen Filmen: Einordnung der Instrumentalisierung Luthers in der Geschichte sowie Vergleich mit früheren Verfilmungen.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Einordnung des Films als historischer Spielfilm mit dem Ziel der Heldendarstellung.
Martin Luther, Spielfilm, Reformationsgeschichte, Historizität, Lutherbild, Filmkritik, Geschichtsbewusstsein, Fiktion, Eric Till, Joseph Fiennes, Katharina von Bora, Bauernkrieg, Reichstag zu Worms, Medienkompetenz, Filmische Inszenierung.
Die Arbeit untersucht das Bild Martin Luthers, das der Film „LUTHER“ aus dem Jahr 2003 vermittelt, und gleicht dieses mit historischen Erkenntnissen ab.
Die Schwerpunkte liegen auf der filmischen Darstellung historischer Ereignisse, der Analyse von Fiktionalisierungen, der Rezeptionsgeschichte und der ideologischen Instrumentalisierung Luthers in verschiedenen Epochen.
Es wird analysiert, wie der Film ein spezifisches Lutherbild konstruiert, um bestimmte Wirkungsabsichten zu erreichen, und inwiefern dabei historische Fakten verzerrt oder weggelassen werden.
Die Autorin kombiniert eine filmanalytische Untersuchung mit dem Vergleich fachwissenschaftlicher historischer Biografien und Forschungsliteratur zur Reformation.
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Szenenanalyse, die Untersuchung fiktiver Elemente, eine Analyse der filmsprachlichen Mittel und eine Darstellung der unterschiedlichen medialen Rezeptionsweisen.
Die wichtigsten Begriffe sind Lutherbild, Historizität, Spielfilm, Medienkompetenz, Instrumentalisierung und Rezeptionsgeschichte.
Die Romreise wird als Wendepunkt inszeniert, der historisch nicht so belegt ist; insbesondere das Zerknüllen des Ablassbriefes wird als erfundene, dramaturgisch motivierte Szene entlarvt.
Diese Figuren existieren historisch nicht; sie dienen dazu, die Volksnähe Luthers zu demonstrieren und eine emotionale Verbindung des Publikums zum Protagonisten herzustellen.
Das Treffen zur Übergabe der Bibelübersetzung ist fiktiv; es dient dazu, die historisch belegte Sympathie zwischen beiden Akteuren anschaulich und dramatisch zu verdeutlichen.
Die bewusste Begrenzung auf die jungen Jahre Luthers diente dazu, das Bild eines tatkräftigen Helden zu bewahren und die späteren, theologisch und politisch komplexen sowie teilweise umstrittenen Jahre Luthers auszublenden.
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