Bachelorarbeit, 2010
82 Seiten, Note: 1,3
I. Einführung
II. Kommunikative Verhandlung von Identität in der Gattung des HipHop
1. Theoretischer soziolinguistischer Rahmen
1.1. Identität(en)
1.1.1. Kollektive Identität
1.1.2. Soziale Identität in der Sozialpsychologie
1.1.3. Soziale Identität in der Soziolinguistik
1.1.3.1. Acts of Identity
1.1.3.2. Soziale Identität in der Interaktion
1.2. Kommunikative soziale Stile
1.2.1. Stil als holistisches Konzept
1.2.2. Stil als soziale Praxis
2. Einführung in die HipHop-Kultur und die Textsorte Rap
2.1. Kurze Geschichte des HipHop und seiner Genres
2.1.1. Ursprünge und Entwicklung des HipHop in den USA
2.1.2. Appropriation des HipHop in Deutschland
2.2. Gattungskonstituenten der Textsorte Rap
2.2.1. Thematische Ebene
2.2.2. Ebene der Sprechhandlungen
2.2.2.1. Aktionalität
2.2.2.2. Lokalisierung
2.2.3. Referentielle Ebene
2.2.3.1. Kulturelle Referenzen
2.2.3.2. Intertextualität
2.2.4. Sprachlich-stilistische Ebene
2.2.4.1. Sprachliche Orientierung
2.2.4.2. Englische Elemente
2.2.5. Rhetorische Ebene
3. Analyse der HipHop-Gruppe Advanced Chemistry
3.1. Vorstellung der Gruppe
3.2. Doing „afrodeutsch“: Fremd im eigenen Land
3.2.1. Rap als Medium der Thematisierung sozialer Probleme: Die Situation von Migranten in Deutschland
3.2.2. Rap als Plattform der Auseinandersetzung mit kultureller Identität
3.2.3. Sprachliche Realisierung der doppelten kulturellen Identität
3.2.3.1. Sprachwahl
3.2.3.2. Code-Switching
3.2.3.3. Varietätswahl
3.2.3.4. Selbst- und Fremdkategorisierungen
3.3. Doing „Untergrund-Old School-HipHop“: HipHop lebt im Untergrund
3.3.1. Rap als Arena des Szenediskurses
3.3.1.1. Untergruppierungen innerhalb des HipHop
3.3.1.2. Szenespezifische Positionierung
3.3.2. Kommunikative Verhandlung einer szenespezifischen Identität
3.3.2.1. Englische Elemente
3.3.2.2. Rhetorische Mittel
3.3.2.3. Sprechhandlungen
3.3.2.4. Kulturelle Verweise und Intertextualität
III. Schlussbetrachtung
IV. Bibliographie
Die vorliegende Arbeit untersucht die performative Inszenierung von Identität in der frühen Phase des deutschen HipHop. Ziel ist es, linguistische Diskurse über Identität mit dem HipHop-Diskurs zu verknüpfen, um einen soziolinguistischen Beitrag zur HipHop-Forschung zu leisten. Im Zentrum steht die Analyse der Gruppe Advanced Chemistry, wobei untersucht wird, wie diese ihre Identität durch sprachliche Mittel konstruiert und verhandelt.
3.3.1.2. Szenespezifische Positionierung
Nun stellt sich die Frage, welche Merkmale der einzelnen Untergruppierungen des HipHop bei AC festzustellen sind und wo sich die Mitglieder der Gruppe dadurch innerhalb des Feldes des HipHop positionieren? Der politische Anspruch von AC, der in 3.2. herausgearbeitet wurde und daher hier nicht weiter vertieft wird, rückt die Gruppe in die Nähe des Untergrunds. Auf diese Zuordnung verweist auch die starke Identifikation von AC mit der HipHop-Kultur, welche sie vor allem dadurch beweisen, dass sie ihre Kenntnis um die Besonderheiten der Kultur unter Beweis stellen und dieses Wissen in einem Akt des Edutainments (Verlan/ Loh 2006: 217) an ihre Zuhörer vermitteln, wobei der Leitsatz der Wissensvermittlung auf die Zugehörigkeit zur Old School hindeutet. So spricht Torch im Song K1 von der Kultur der Jams (vgl. K1: Z. 13f.; 37-42), wobei er dem Grundgedanken der Old School folgend die Einheit der kulturellen Ausdrucksformen des HipHop hervorhebt: Auf diesen Veranstaltungen geben Rapper Freestyles zum Besten (K1: Z. 13), DJs zeigen ihr Können an den Turntables (K1: Z. 42) und B-Boys präsentieren ihre Tanzkünste (K1: Z. 37).
Die Mitglieder von AC wenden sich, indem sie alle Elemente der HipHop-Kultur ansprechen (auch Linguist verweist in AS auf das Breaken; Z. 6, 16, 57; und das Graffiti-Sprühen; Z. 54), gegen die Reduzierung von HipHop auf die Ausdrucksform des Rappens („Ich sprech’ von dem gemalt, ich sprech’ von dem gebreakt“; 193 DM: Z. 10) und lehrt vielmehr die Notwendigkeit der Beherrschung von (mindestens) einem der Elemente, worin eine erzieherische Aufforderung an die Zuhörer zur praktischen Ausübung einer der genannten Kulturtechniken erkannt werden kann.
I. Einführung: Diese Einleitung führt in das Thema der kommunikativen Identitätsverhandlung im HipHop ein und skizziert den akademischen sowie methodischen Rahmen der Arbeit.
II. Kommunikative Verhandlung von Identität in der Gattung des HipHop: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen soziolinguistischer Identitätskonzepte dar und führt in die HipHop-Kultur sowie die spezifischen linguistischen Gattungsmerkmale des Rap ein.
3. Analyse der HipHop-Gruppe Advanced Chemistry: Hier erfolgt eine exemplarische Fallstudie, die sowohl die Aushandlung kultureller Identität als auch die szenespezifische Positionierung der Gruppe im Kontext von Untergrund und Old School detailliert untersucht.
III. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt, wie Advanced Chemistry Identität durch sprachliche Ressourcen und die Abgrenzung von stereotypen Fremdzuschreibungen konstruiert.
IV. Bibliographie: Ein umfassendes Verzeichnis der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen Quellen.
HipHop, Soziolinguistik, Identität, Raptexte, Advanced Chemistry, Sozialkritik, Szenediskurs, Untergrund, Old School, Sprache, kulturelle Identität, Diskursanalyse, Kommunikation, Sprachwahl, Gattungsmerkmale.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Analyse der HipHop-Gruppe Advanced Chemistry und untersucht, wie diese Identität durch Kommunikation und sprachliche Mittel in ihren Texten konstruiert.
Die zentralen Felder sind die soziolinguistische Identitätsforschung, die Geschichte und Kultur des HipHop sowie die linguistische Analyse spezifischer Raptexte im Hinblick auf Sozialkritik und szenespezifische Zugehörigkeit.
Das Ziel ist es, die Verbindung zwischen Identitätskonstruktion und sprachlicher Gestaltung im deutschen HipHop der 1990er Jahre aufzuzeigen und dabei den performativen Charakter von Identitätsarbeit zu verdeutlichen.
Die Arbeit nutzt Ansätze der Diskursanalyse sowie soziolinguistische Methoden, um Raptexte als Primärtexte vor dem Hintergrund soziologischer Identitätskonzepte zu interpretieren.
Im Hauptteil werden zunächst die Konzepte sozialer Identität und kommunikativer Stile erläutert, gefolgt von einer Einführung in den HipHop und einer detaillierten Fallstudie der Gruppe Advanced Chemistry.
Wichtige Begriffe sind unter anderem HipHop, soziolinguistische Identitätskonstruktion, Rap-Analysen, Underground, Old School und kulturelle Kategorisierung.
Die Mitglieder von Advanced Chemistry nutzen den Begriff "Afrodeutsche", um ihre hybride Herkunft positiv zu besetzen und sich damit von rassistischen Fremdzuschreibungen als "Ausländer" zu distanzieren.
Sie grenzen sich durch ihren "politischen" und "ernsthaften" Anspruch ab, lehnen Kommerzialisierung ab und betonen die Zugehörigkeit zum "Untergrund" und zur "Old School" durch ihre Kenntnis der vier klassischen HipHop-Elemente.
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