Bachelorarbeit, 2023
59 Seiten, Note: 1,5
I. Einleitung
II. Ursprung, Wandel und Ausdifferenzierung der traditionellen Armenfürsorge im deutschen Raum des 19. Jahrhunderts
II.I. Tradition der Armenfürsorge: Heimatprinzip und Institutionalisierung
II.II. Konzeptualisierung der Armenfürsorge: Verrechtlichung und Systematisierung
II.III. Ausdifferenzierung der Armenfürsorge: Entstehung der Krankenhäuser
III. Die Stadt Burgsteinfurt im 19. Jahrhundert
III.I. Allgemeine Stadtgeschichte bis 1816
III.II. Bevölkerung im 19. Jahrhundert
III.III. Wirtschaftlicher Wandel im 19. Jahrhundert
III.IV. Armenwesen bis 1850
IV. Die Ausdifferenzierung der Burgsteinfurter Gesundheitspflege aus der Armenfürsorge
IV.I. Die Institution Armenarzt und die wachsende Zahl Kranker
IV.II. Die Entstehung der kath. und ev. Krankenanstalt zu Burgsteinfurt
V. Fazit
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Gesundheitsversorgung in der westfälischen Kleinstadt Burgsteinfurt zwischen 1816 und 1913, wobei der Fokus auf dem Prozess der Ausdifferenzierung von medizinischen Heil- und Pflegeeinrichtungen aus der traditionellen Armenfürsorge liegt. Die zentrale Forschungsfrage adressiert dabei, wie sich die städtische Verantwortung und Organisation der Gesundheitspflege unter dem Druck des Bevölkerungswachstums und der Industrialisierung strukturell veränderte.
Die Institution Armenarzt und die wachsende Zahl Kranker
Im beginnenden Spätsommer 1848 wandte sich der ev. AV Burgsteinfurts an die Ärzte Hofmann, Brosius und Müller, mit der Anfrage, ob dieselben es sich nicht vorstellen könnten, künftig ab dem 01. Januar 1849, anstelle gemeinsamer unentgeltlicher Tätigkeit, in abwechselnder Reihenfolge von Jahr zu Jahr einen Posten als Armenarzt zu übernehmen, welcher dann auch mit 20 Reichsthalern (RT) vom ev. AV pauschal vergütet würde, da die gesamte Last armer Kranker dann auf einen der Ärzte fallen würde. Am 26. Januar 1849 noch nicht eingerichtet, bat der Magistrat Terberger die Stadtverordneten um Einschätzung und den Dr. Hofmann um gutachtliche Stellungnahme über die Wirksamkeit eines solchen Armenarztes zur Verminderung der Kur- und Krankenkosten unter den ev. Armen, weil diese in den letzten Jahren derart gestiegen seien, dass die anderen Aufgaben und Unterstützungsleistungen der Armenkasse fast unmöglich würden. Tatsächlich beginnt schon an dieser Stelle das Abstreifen einer speziellen Art Armer, nämlich der Kranken, durch den ev. AV hin zur professionellen gesundheitlichen Betreuung eines kontrollierenden, nur zu diesem Zweck bestimmten, medizinischen Amtes, um der Armenkasse anhaltende Kosten durch nicht gesund werdende Arme – also wahrscheinlich mittellose Wanderarbeiter oder besitzlose Angestellte ohne finanziellen oder pflegerischen, familiären Rückhalt in der Stadt – zu ersparen.
Dr. Hofmann argumentiert in seinem Sachverständigenbericht an den Magistrat schon am 01. Februar 1849 für die „Erbauung eines Krankenhauses als nothwendig [sic!] und nützlich“ seiend, auch wenn ein solches erst später eingerichtet werden sollte. Hier muss sich vor Augen geführt werden, dass er weit vor den gesundheitspolitischen Vereinen der 70er Jahre an die Stadtverwaltung appellierte und in den kommunalpolitischen Prozess zudem aktiv eingebunden wurde. Er plädiert dann: „Solange das Armenkrankenpersonal nicht unter Aufsicht eines Arztes steht, solange jeder Kranke das Recht hat, unter den Ärzten der Stadt beliebig zu wählen! [...], solange der Arzneiverbrauch nicht unter Kontrolle steht, wird dieser Übelstand auch nicht gehoben werden.“
I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Untersuchungszeitraum von 1816 bis 1913 und erläutert die methodische Quellenarbeit sowie die Herausforderungen bei der Rekonstruktion anhand von Behördenakten.
II. Ursprung, Wandel und Ausdifferenzierung der traditionellen Armenfürsorge im deutschen Raum des 19. Jahrhunderts: Das Kapitel verortet die Entwicklung der Armenfürsorge im Kontext der Industrialisierung und thematisiert den Übergang vom Heimatprinzip hin zu einer staatlich verrechtlichten Systematisierung.
III. Die Stadt Burgsteinfurt im 19. Jahrhundert: Der Abschnitt bietet einen Überblick über die spezifische Stadtgeschichte, die demografische Entwicklung und die wirtschaftliche Lage in Burgsteinfurt, die als Basis für die gesundheitspolitischen Reformen dient.
IV. Die Ausdifferenzierung der Burgsteinfurter Gesundheitspflege aus der Armenfürsorge: Dieser Hauptteil analysiert die Einrichtung des Armenarztamtes sowie die Entstehung der konfessionell geprägten Krankenanstalten als Reaktion auf den finanziellen Versorgungsdruck.
V. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie das Gesundheitswesen durch die Etablierung professioneller ärztlicher Strukturen und moderner Krankenhäuser schrittweise aus der reinen Armenfürsorge emanzipierte.
Burgsteinfurt, Armenfürsorge, Gesundheitswesen, Industrialisierung, Armenarztamt, Krankenanstalt, Elberfelder System, Unterstützungswohnsitzgesetz, Kommunalpolitik, Medizinische Versorgung, Sozialgeschichte, Professionalisierung, Patientenversorgung, Preußen, Armut.
Die Arbeit analysiert die Herauslösung und Spezialisierung der Gesundheitsversorgung aus dem Kontext der traditionellen Armenfürsorge in Burgsteinfurt während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Die Untersuchung deckt die Bereiche Sozialpolitik, Kommunalgeschichte, Krankenhauswesen sowie die Professionalisierung medizinischen Handelns ab.
Ziel ist es, den organisatorischen und funktionalen Wandel von der kirchlich-caritativen Betreuung hin zu einer städtisch regulierten, medizinisch orientierten Gesundheitsstruktur nachzuweisen.
Es handelt sich um eine historische Quellenarbeit, die anhand von Archivakten, Behördenkorrespondenzen und statistischen Daten die lokale Entwicklung Burgsteinfurts rekonstruiert.
Der Hauptteil befasst sich mit der Etablierung des Armenarztamtes und den Prozessen, die zur Gründung der evangelischen und katholischen Krankenhäuser führten.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Armenfürsorge, Industrialisierung, Krankenhausentwicklung, Professionalisierung und administrative Steuerung durch die Stadtverwaltung.
Der massive Anstieg der Patientenzahlen und die damit einhergehenden, schwer kontrollierbaren Kosten für Arznei- und Kurleistungen zwangen die Kommune dazu, eine zentralisierte medizinische Aufsicht einzuführen.
Die konfessionelle Trennung zwischen katholischer und evangelischer Trägerschaft prägte die Organisationsstrukturen der Krankenhäuser und wirkte sich auch auf die interne Verwaltung und die Auswahl der Vorstände aus.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

