Examensarbeit, 2011
97 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das „finstere Mittelalter“? – Die Beurteilung der Ver- und Entsorgung mittelalterlicher Städte in Forschungsarbeiten des 19. und 20. Jahrhunderts
3. Theoretische Schriften des 13. – 15. Jahrhunderts
3.1 Aegidius Romanus
3.2 Konrad von Megenberg
3.3 Leon Battista Alberti
4. Wasser als „Mädchen für alles“?
4.1 Quellen von Abfall
4.2 Die Entsorgung von Fäkalien, Abwässern und Müll
4.2.1 Fäkaliengruben
4.2.2 Danziger und Abtritterker
4.2.3 Ehgräben
4.3 Wasserversorgung und Gewässerschutz
5. Öffentliche Hygiene und Ratspolitik
5.1 Til Eulenspiegel und die Einstellung (des Rates) zu Schmutz, Fäkalien und Krankheiten
5.2 Von der Bürgervertretung zur Obrigkeit
6. Reflektierende Schlussbetrachtung und Ausblick
Die Arbeit untersucht das hygienische Umfeld und die Ver- sowie Entsorgungspraxis mittelalterlicher Städte zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Ziel ist es, das in der Forschung des 19. und 20. Jahrhunderts geprägte Bild des „schmutzigen und gleichgültigen“ Mittelalters anhand von theoretischen Schriften und städtischen Ratsverordnungen zu kritisch zu hinterfragen und den mittelalterlichen Kenntnisstand sowie das tatsächliche Handeln der städtischen Obrigkeiten zu objektivieren.
3.1 Aegidius Romanus
Aegidius Romanus gibt in seinem Fürstenspiegel (etwa 1277/79 – also etwa ein halbes Jahrhundert vor Konrad von Megenberg) Anweisungen zum Bau und zur Beschaffenheit von Wohnhäusern, wobei er besonderes Augenmerk auf die Versorgung mit Wasser legt. „Aqua enim est valde communis, & in multis deseruit ad necessaria vitae.” Gesundes Wasser müsse immer in ausreichender Menge vorhanden sein, damit die Bewohner des jeweiligen Ortes nicht krank würden: „[…] vt ei sit aquae salubris copia: ne habitatores eius ob infectionem aquae infirmitatem contrahant.” (S. 356). Aegidius beginnt daraufhin zu beschreiben, anhand welcher Eigenschaften aqua salubris zu erkennen sei. Dabei steht bei ihm die Erkenntnis voran, dass „aqua currens sanior est quam stans“ (S. 355); somit sei das Wasser aus Sümpfen, Morasten und Jauchegruben (paludes et lacunae) in den meisten Fällen nicht salubris. Die Herkunft des Nasses ist also von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus gibt Aegidius auch keine Empfehlung für Wasser aus tiefer Erde ab, da dies mit Metallen vergiftet sein könne. Drittens sei die Färbung des Wassers genau zu beobachten, da eine infectio coloris, aquae infectionem demonstrat.“ (S. 357). Zusätzlich zur Farbe dürfe reines Wasser auch nicht riechen oder schmecken, da dies untrügliche Anzeichen dafür wären, dass es von infizierten Orten (loca infecta) her stamme. Das Wasser dürfe auch keinen Schlamm enthalten, da dies gar nicht gesund sein könne: „Quintum est, ne aquis illis aliquis insideat limus. nam terra limosa & lutosa, eo quod infecta sit, sana esse non potest.“ (ebd.).
Aegidius stellt seinem Leser einen ganzen Katalog von Kriterien vor, der diesen in die Lage versetzen soll, gutes von schlechtem Wasser zu unterscheiden: „Haec ergo quinq; attenda sunt in salubritate aquarum.“ (ebd.). Die Aufstellung solcher Kriterien zeugt von einem breiten Erfahrungswissen, über das der Autor verfügte, welche Eigenschaften von Trinkwasser sich positiv oder negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken.
1. Einleitung: Stellt die zentralen Fragestellungen zur Umweltverschmutzung und Entsorgung im Mittelalter dar und ordnet das Thema in den Kontext der Geschichtswissenschaft ein.
2. Das „finstere Mittelalter“? – Die Beurteilung der Ver- und Entsorgung mittelalterlicher Städte in Forschungsarbeiten des 19. und 20. Jahrhunderts: Analysiert kritisch die älteren, meist abwertenden Urteile über das hygienische Verständnis im Mittelalter.
3. Theoretische Schriften des 13. – 15. Jahrhunderts: Untersucht die naturwissenschaftlichen und hygienischen Vorstellungen prominenter mittelalterlicher Autoren wie Aegidius Romanus, Konrad von Megenberg und Leon Battista Alberti.
4. Wasser als „Mädchen für alles“?: Beleuchtet die vielfältige Nutzung von Wasser als Ressource und Transportmedium für städtische Abfälle sowie die Problematik der Trinkwasserversorgung.
5. Öffentliche Hygiene und Ratspolitik: Diskutiert den Wandel der städtischen Verwaltung hin zu einer aktiven, obrigkeitlichen Regulierung hygienischer Standards.
6. Reflektierende Schlussbetrachtung und Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die mittelalterliche Entsorgungspraxis vor dem Hintergrund der damaligen Möglichkeiten.
Mittelalter, Wasserversorgung, Abfallbeseitigung, Hygiene, Stadtgeschichte, Umweltschutz, Fäkalien, Ratspolitik, Abtritterker, Ehgräben, Trinkwasser, Seuchen, Stadtverwaltung, Ressourcenmanagement, Zivilisationsprozess.
Die Arbeit untersucht das hygienische Verständnis und die Alltagspraxis zur Ver- und Entsorgung in mittelalterlichen Städten, um das tradierte Bild des „schmutzigen und rückständigen“ Mittelalters zu hinterfragen.
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Hygienevorstellungen, der Rolle des Wassers für städtische Prozesse, konkreten Entsorgungsmechanismen und der Rolle der städtischen Obrigkeit.
Das Ziel ist eine objektive Bewertung der städtischen Leistungen bei der Ver- und Entsorgung sowie der Nachweis, dass der mittelalterliche Mensch durchaus ein Bewusstsein für hygienische Probleme hatte.
Die Untersuchung basiert auf einer intensiven Quellenanalyse, die zeitgenössische Traktate, Ratsverordnungen, Urkunden und archäologische Befunde einbezieht.
Im Hauptteil werden neben theoretischen Schriften verschiedene Entsorgungseinrichtungen wie Sickergruben, Abtritterker und Ehgräben sowie die städtische Brunnenversorgung analysiert.
Wichtige Begriffe sind Mittelalter, städtische Infrastruktur, öffentliche Hygiene, Wasserwirtschaft, Abfallentsorgung und das Verhältnis von Stadtverwaltung und Bürgern.
Die Methoden galten als effektiv, weil sie unter den damaligen Möglichkeiten mit geringstem Aufwand und bei konstanter Nutzung von Fließgewässern eine schnelle Beseitigung von Abfällen ermöglichten, ohne dass das theoretische Bewusstsein für mikrobiologische Zusammenhänge vorhanden war.
Die Pappenheimer (auch Nachtkärner oder Nachtarbeiter genannt) waren in Städten wie Nürnberg für die beruflich organisierte, oftmals unangenehme und zeitlich restriktiv geregelte Räumung von Fäkaliengruben zuständig.
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