Diplomarbeit, 1998
129 Seiten, Note: 1,0
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
1. Problemstellung
2. Hinweise zur Methodik
3. Geographische Charakteristik
3.1 Physiogeographische Übersicht
3.1.1 Geologische Struktur und Dynamik
3.1.2 Geologische Gliederung
3.1.3 Lokalklima und -Vegetation
3.2 Anthropogeographische Übersicht
3.2.1 Wirtschaftliche Entwicklung
3.2.2 Sozioökonomische Raumanalyse
3.2.3 Siedlungsgeographische Merkmale
3.2.3.1 Topographische Lage
3.2.3.2 Siedlungsentwicklung
3.2.3.3 Lokale Gebäudetypen
3.2.3.4 Entwicklung des Wohnstandards
4. Entwicklung und Verlauf der Katastrophe
4.1 Geologische Struktur und Dynamik des Bebens
4.1.1 Geomorphologische Folgeprozesse
4.2 Die soziale Katastrophe
4.2.1 Schadensumfang und Verteilung
5. Die Aufbauphasen
5.1 Soforthilfemaßnahmen
5.2 Aufbau provisorischer Siedlungen
5.3 Aufbau der endgültigen Siedlungen
5.3.1 Auftragserteilung und - Durchführung
5.4 Wiederaufbau und regionale Entwicklung
6. Analyse der Wiederaufbaustrategien anhand der Beispielgemeinden
6.1 Sant’ Angelo dei Lombardi
6.1.1 Siedlungsgenese bis 1980
6.1.2 Gestaltelemente im Aufriss des „centro storico“
6.1.3 Ausmaß und Verteilung der Erdbebenschäden
6.1.4 Wiederaufbau- und Entwicklungskonzepte
6.1.5 Realisation der Konzepte
6.1.5.1 Die Konzeption der Notunterkünfte
6.1.5.2 Durchführung des Baukonzeptes
6.1.5.3 Verbesserung des Wohnniveaus
6.1.5.4 Realisierung des funktionalen Konzeptes
6.2 Bisaccia
6.2.1 Stadtgeschichte und Stadtentwicklung
6.2.2 Schadensausmaß und Verteilung im Raum
6.2.3 Geologische und geomorphologische Zusammenhänge
6.2.4 Strategiendiskussion
6.2.5 Realisation des Wiederaufbauplanes
6.2.5.1 Realisation der neuen Wohn- und Siedlungsstrukturen
6.2.5.2 Architekturinterpretation Aldo Rossis
6.2.5.3 Wohnniveau-Entwicklung
6.2.5.4 Funktions- und Flächennutzungsgefüge
6.3 Conza della Campania
6.3.1 Siedlungsentwicklung
6.3.2 Erdbebenschäden im alten Ortskerne
6.3.3 Geologische Struktur des alten Siedlungsgebietes
6.3.4 Konzept und Realisation des Wiederaufbaus
6.3.4.1 Die Siedlungsstruktur des neuen Conza della Campania
6.3.4.2 Planung und Entwicklung des Wohnstandards
6.3.4.3 Flächennutzung und Funktionsstandorte der neuen Siedlung
7. Vergleich der Strategien- und Realisationserfolge
7.1 Demographische Entwicklung der Beispielgemeinden
7.2 Ökonomische Entwicklung
8. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wiederaufbau nach dem irpinischen Erdbeben von 1980 in drei Beispielgemeinden (Sant’ Angelo dei Lombardi, Bisaccia und Conza della Campania). Ziel ist es, signifikante Faktoren für erfolgreiche Wiederaufbaustrategien zu ermitteln und Möglichkeiten zur Verbesserung für vergleichbare Räume aufzuzeigen, um die urbane und sozioökonomische Zukunft der betroffenen Gemeinden positiv zu beeinflussen.
3.2.1 Wirtschaftliche Entwicklung
Italiens Wirtschaftsstruktur leidet unter sich immer weiter verschärfenden Disparitäten zwischen dem Norden und Süden des Landes (vgl. CINANNI, 1975, S. 270). Der Beginn dieser Problematik, welche unter dem Begriff „Meridionale Frage“ diskutiert wird, fällt mit der Gründung des einheitlichen Nationalstaates Italien im Jahr 1861 zusammen. Unter dem italienischen „Meridione“ bzw. „Mezzogiorno“ verstehen sich die Regionen Abruzzen, Molise, Kampanien, Apulien, Basilicata, Kalabrien, Sizilien und Sardinien (vgl. ROTHER, 1982, S. 154). Die Strukturschwäche des Südens kann zunächst nicht durch die Vernachlässigung durch den Norden erklärt werden, denn schon im 17. Jh., also noch vor der Gründung des neuen Staates, hatte die Landwirtschaft in der Poebene bereits einen starken Vorsprung infolge ihres hohen Modernisierungsgrades. Der von Spanien beherrschte Süden hingegen hatte die Funktion, Soldaten und Steuergelder für koloniale Kriegstätigkeiten zu stellen.
Mitte des 17. Jh. kam es durch die sich zuspitzende Belastung der Bauern zu einen Aufstand gegen die spanischen „Baroni“, der aber nach einem Jahr niedergeschlagen werden konnte. Durch den verlorenen Spanischen Erbfolgekrieg 1713 ging die Herrschaft Spaniens über Sizilien, Neapel und die Lombardei zu Ende. Eine erhoffte Landreform kam aber immer noch nicht zustande, da die Könige Neapels den Landadel ungebremst weiterwalten ließen. Die Reform von 1806 machte mit der feudalen Rechtshoheit ein Ende. Der Machtentzug der „Baroni“ bewirkte aber entgegen allen Erwartungen nur sehr wenig.
1. Problemstellung: Beschreibung der Zerstörungen durch das Erdbeben 1980, der unzureichenden Wiederaufbauhilfe sowie der nach wie vor bestehenden strukturellen Probleme der Region Irpinien.
2. Hinweise zur Methodik: Erläuterung der geographischen und methodischen Vorgehensweise bei der Untersuchung der sozioökonomischen und siedlungsgeographischen Faktoren des Wiederaufbaus.
3. Geographische Charakteristik: Detaillierte Darstellung der physischen und anthropogeographischen Bedingungen von Irpinien, inklusive Geologie, Klima und wirtschaftlicher Geschichte.
4. Entwicklung und Verlauf der Katastrophe: Analyse des Erdbebens als „soziale Katastrophe“, unterstrichen durch Versäumnisse bei Prävention, Hilfeleistung und Bauqualität.
5. Die Aufbauphasen: Gliederung des Wiederaufbaus in Soforthilfe, provisorische Unterbringung und den langwierigen Aufbau endgültiger Siedlungen unter Berücksichtigung korrupter Einflüsse.
6. Analyse der Wiederaufbaustrategien anhand der Beispielgemeinden: Fallstudien zu Sant’ Angelo dei Lombardi, Bisaccia und Conza della Campania, die deren individuelle Wiederaufbaustrategien und deren Realisierungserfolge bewerten.
7. Vergleich der Strategien- und Realisationserfolge: Synthese und Vergleich der gewählten Strategien (Bewahrung, Verbindung, Trennung) sowie deren Auswirkungen auf die demographische und ökonomische Entwicklung.
8. Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit über die Effektivität der Wiederaufbaustrategien und Empfehlungen für zukünftige Katastrophenmanagement-Planungen.
Wiederaufbau, Erdbeben, Irpinien, Campanien, Siedlungsentwicklung, Sozioökonomische Raumanalyse, Katastrophenforschung, Wiederaufbaustrategien, Camorra, Stadtplanung, demographische Entwicklung, Wohnstandard, Risikozonen, regionale Entwicklung, Strukturwandel.
Die Diplomarbeit untersucht die Strategien und die praktische Realisierung des Wiederaufbaus in erdbebenzerstörten Gemeinden in Kampanien, speziell im Gebiet Irpinien, nach dem schweren Beben von 1980.
Die zentralen Themen umfassen die siedlungsgeographische Entwicklung, die Auswirkungen der sozioökonomischen Strukturen auf den Wiederaufbau sowie die Analyse des Katastrophenmanagements und der politischen Rahmenbedingungen.
Ziel ist es, die Erfolgskriterien für Wiederaufbaustrategien zu identifizieren und Verbesserungsmöglichkeiten für vergleichbare, katastrophengefährdete Räume abzuleiten.
Die Autorin verwendet einen vergleichenden Ansatz, bei dem drei Beispielgemeinden (Sant’ Angelo dei Lombardi, Bisaccia und Conza della Campania) detailliert analysiert und deren individuelle Wiederaufbaustrategien evaluiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine geographische Charakteristik Irpiniens, eine Analyse der Katastrophe (Naturereignis vs. soziale Katastrophe), die Phasen des Wiederaufbaus und die detaillierte Untersuchung der drei Beispielgemeinden hinsichtlich ihrer Strategien und deren Realisierungserfolge.
Wiederaufbau, Erdbeben, Irpinien, Siedlungsgeographie, sozioökonomische Entwicklung, Katastrophenmanagement und Strukturwandel.
Die Arbeit zeigt auf, dass kriminelle Organisationen wie die Camorra die massiven staatlichen Finanzhilfen nutzten, um durch korrupte Bauaufträge und mangelhafte Bauqualität persönliche Bereicherung auf Kosten der betroffenen Bevölkerung zu erzielen.
Die Autorin hebt hervor, dass nicht das Naturereignis allein die Zerstörung verursachte, sondern die Unzulänglichkeit von Politik und Planung sowie die mangelnde Vorbereitung, was das Beben zu einem „Man Made Disaster“ machte.
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