Masterarbeit, 2023
80 Seiten, Note: 1,15
1 Einleitung
2 Antisemitische Motive und Theorien
3 Antisemitismus in Nietzsches Werken
3.1 Unzeitgemäße Betrachtungen – Richard Wagner in Bayreuth
3.1.1 Sokrates und die griechische Tragoedie
3.1.2 Wagners Das Judenthum in der Musik
3.1.3 Versteckter Antisemitismus
3.2 Jenseits von Gut und Böse
3.2.1 Zweites Hauptstück
3.2.2 Fünftes Hauptstück
3.2.3 Achtes Hauptstück
3.3 Zur Genealogie der Moral
3.3.0 Herren- und Sklaven-Moral
3.3.1 Erste Abhandlung: „Gut und Böse“, „Gut und Schlecht“.
3.3.2 Zweite Abhandlung: „Schuld“, „schlechtes Gewissen“ und Verwandtes.
3.3.3 Dritte Abhandlung: was bedeuten asketische Ideale?
3.4 Der Fall Wagner
3.5 Der Antichrist
3.5.1 Deutliche Bezüge auf Jüdinnen und Juden
3.5.2 Nutzt Nietzsche Priester*innen synonym zu Jüdinnen und Juden?
3.5.3 Der Zusammenhang von Judentum und Christentum
3.5.4 Der Zusammenhang von Kranken und Jüdinnen und Juden
3.5.5 Antisemit*innen und das Ressentiment
3.5.6 Nietzsches Instrumentalisierung ‚der‘ Jüdinnen und Juden
4 Fazit
Diese Arbeit untersucht die Rolle und Entwicklung antisemitischer Motive in Schlüsselwerken von Friedrich Nietzsche, um zu analysieren, ob diese eine konstitutive Rolle in seinem Denken spielen oder als vereinzelte, marginale Äußerungen zu bewerten sind.
3.1.2 Wagners Das Judenthum in der Musik
Da Nietzsche zwischen 1869 und 1876 mit Wagner in engem Kontakt stand und seinem älteren Freund nacheiferte, ist es sinnvoll, publik gewordene antisemitische Aussagen Wagners zu untersuchen (vgl. Niemeyer 2021). Insbesondere das von Richard Wagner 1850 – noch unter dem Pseudonym K. Freigedank – in einem Magazin veröffentlichte Werk Das Judenthum in der Musik, das er 1869 noch einmal unter seinem eigenen Namen als Broschüre veröffentlichte, hilft dabei, den Antisemitismus Wagners kennenzulernen (vgl. Wagner 1869, S. 36). Nach der Analyse dieses Schriftstücks können die antisemitischen Motive als Schablone dienen, die Passagen in Nietzsches UB IV, die antisemitische Tendenzen aufweisen, genauer zu untersuchen und gegebenenfalls vermeintliche Zufälle auszuschließen.
Wagner unterstellt in dieser Schrift, dass Jüdinnen und Juden an der Herrschaft seien und „[…] so lange herrschen [würden], als das Geld die Macht bleibt […]“ (Wagner 1869, S. 8). Des Weiteren sagt er über Jüdinnen und Juden aus, sie hätten „[…] den öffentlichen Kunstgeschmack unsrer Zeit zwischen die geschäftigen Finger gebracht […]“ (Wagner 1869, S. 8). Das erklärt er damit, dass Jüdinnen und Juden die Kunst als Ware betrachten würden und sich daran bereichern wollen würden (Wagner 1869, S. 9). Was daraufhin folgt, sind viele Seiten, auf denen Wager ausführt, dass Jüdinnen und Juden diverser Künste nicht fähig seien, gefolgt von vielen weiteren Seiten, auf denen er berühmte Künstler wie Heine und Mendelssohn diffamiert, um im Vorhinein Gegenbeispiele für seine Thesen zu entkräften (Wagner 1869, 25 ff.; 33).
1 Einleitung: Stellt das Forschungsinteresse dar, das Verhältnis Nietzsches zum Antisemitismus kritisch zu beleuchten und die Schwierigkeit der Einordnung seiner Texte in diesem Kontext zu adressieren.
2 Antisemitische Motive und Theorien: Beleuchtet die Problematik einer zeitgemäßen Definition des Antisemitismus und erörtert, wie mit antisemitischen Motiven in historisch gewachsenen Texten umgegangen werden sollte.
3 Antisemitismus in Nietzsches Werken: Bildet den Hauptteil und analysiert chronologisch verschiedene Werke wie die Unzeitgemäßen Betrachtungen, Jenseits von Gut und Böse sowie Zur Genealogie der Moral.
4 Fazit: Führt die Analyseergebnisse zusammen und schlussfolgert, dass Nietzsches Verhältnis zum Antisemitismus trotz seiner scharfen Kritik an zeitgenössischen Antisemiten komplex und teilweise widersprüchlich bleibt.
Friedrich Nietzsche, Antisemitismus, Antijudaismus, Sklaven-Moral, Herren-Moral, Ressentiment, Judentum, Christentum, Kulturkritik, Verschwörungsmythen, Richard Wagner, Genealogie, Décadence, Wissenssoziologie, Antisemitismusforschung.
Die Masterarbeit untersucht, wie Friedrich Nietzsche Antisemitismus in seinen Werken verwendet, ob dies bewusst geschah und welche Funktion diese Motive in seinem philosophischen Denken einnehmen.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zum Antisemitismus seiner Zeit, die Analyse seiner Konzepte von Moral sowie die Frage, ob Nietzsche antisemitische Denkstrukturen zur Kritik am Christentum instrumentalisierte.
Die Frage lautet, ob der Antisemitismus in Nietzsches Werk als konstitutives Element oder lediglich als Randerscheinung bzw. „Ausrutscher“ des Frühwerks zu betrachten ist.
Die Arbeit folgt einer chronologischen und aspektorientierten Analyse der ausgewählten Werke, unterstützt durch moderne antisemitismuskritische Ansätze und den Einbezug historischer Kontexte.
Im Hauptteil werden fünf zentrale Werke Nietzsches (UB IV, JGB, GM, WA, AC) sowie das Frühwerk SGT auf antisemitische Motive, rhetorische Stilmittel und die Rolle von Jüdinnen und Juden untersucht.
Neben dem zentralen Begriff Antisemitismus sind Begriffe wie Ressentiment, die Unterscheidung von Herren- und Sklaven-Moral sowie die Bedeutung der Décadence-Kritik für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Der Autor zeigt auf, dass der frühe Nietzsche stark durch den Antisemitismus seines Umfelds, insbesondere durch Richard Wagner, geprägt war, was sich in Begriffen wie der „heutigen Gebildetheit“ widerspiegelt.
Die Sklaven-Moral wird als Reaktion und aufgrund von Ressentiment entstanden beschrieben, während die Herren-Moral aus der Perspektive der Vornehmen als selbstwertgebend und schöpferisch ohne Ressentiment charakterisiert wird.
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