Diplomarbeit, 2010
92 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
Teil I: Theoretischer Bezugsrahmen
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Der regulationstheoretische Ansatz
2.2 Die Gewerkschaften
2.3 Die Arbeitgeberverbände
2.4 Der Staat
2.4.1 Arbeitsgesetzgebung und Arbeitsrechtsprechung
2.4.2 Sozialpolitik und Sozialversicherung
2.4.3 Arbeitsverwaltung und Arbeitsmarktpolitik
2.4.4 Einkommenspolitik
3. Die Tarifautonomie als Instrument der industriellen Partner
3.1 Merkmale und Funktionen der Tarifautonomie
3.2 Die Dualität der Tarifautonomie
3.3 Betrachtung der industriellen Beziehungen im Sinn des regulationstheoretischen Ansatzes
Teil II: Die Entwicklung der Tarifautonomie
4. Die Historie der Tarifautonomie
4.1 Die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen der Gesellschaft durch den technologischen Fortschritt
4.2 Der gewerkschaftliche Zusammenschluss
4.3 Die Entstehung der Arbeitgeberverbände
4.4 Die Entstehung der Tarifautonomie
4.5 Die Entstehung der industriellen Beziehungen und der Tarifautonomie
4.6 Die Institutionalisierung des Tarifvertragswesens
4.7 Die Tarifautonomie ab 1945
Teil III: Probleme und Lösungsansätze der heutigen industriellen Beziehungen
5. Der Strukturwandel von Gesellschaft und Wirtschaft
5.1 Der Wandel von der Industriewirtschaft zur Dienstleistungswirtschaft
5.2 Eine neue Definition des Begriffs Arbeitnehmer
5.3 Die Erosion des Flächentarifvertrages und die Gefahr für den Arbeitnehmer
6. Die Dezentralisierung der Tarifautonomie
6.1 Der Mitgliederschwund in den Arbeitgeberverbänden
6.2 Der Mitgliederschwund in den Gewerkschaften
6.3 OT-Mitgliedschaft als Mittel gegen den Mitgliederschwund in den Arbeitgeberverbänden
6.4 Gewerkschaftsmaßnahmen gegen den Mitgliederschwund
7. Öffnungs- und Differenzierungsklauseln
7.1 Öffnungs- und Differenzierungsklauseln zur Dezentralisierung tariflicher Bestimmungen
7.2 Problematik der tariflichen Dezentralisierung durch Öffnungs- und Differenzierungsklauseln
8. Das System der Zielvereinbarungen als dezentrale Verhandlungsform
8.1 Positive Aspekte des Zielvereinbarungssystems
8.2 Negative Aspekte des Zielvereinbarungssystems
8.3 Die Position der Arbeitgeber
8.4 Die Position der Arbeitnehmerinteressenvertretungen und der Gewerkschaften
8.5 Rahmenregelungen für Zielvereinbarungssysteme und die unmittelbaren Folgen für die industriellen Partner
9. Tarifliche Module als Verhandlungssystem
9.1 Das Modell der tariflichen Module
9.2 Kritik an tariflichen Modulen
9.3 Tarifpluralisierung und Tarifkollision
10. Fazit
Die Arbeit untersucht die Frage, ob die Tarifautonomie in ihrer heutigen Form die Anforderungen von Gewerkschaften, Arbeitgebern und Staat noch erfüllen kann und wie sie unter dem Druck von Globalisierung und Strukturwandel so umgestaltet werden kann, dass sie wieder Ordnungs- und Planungssicherheit bietet.
3.1 Merkmale und Funktionen der Tarifautonomie
Die Tarifautonomie ist eine Kerninstitution von Gesellschaften mit einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung und einer liberal-demokratischen Staatsverfassung. Sie ist in Verbindung mit dem Koalitionsrecht dem politischen Wahlrecht vergleichbar, weil man dem sozial Schwächeren hier auch Beteiligungsrechte einräumt, in diesem Falle im wirtschaftlichen Bereich (vgl. Müller-Jentsch, 1997, S. 202).
Die Tarifautonomie kann auch, wie das allgemeine Wahlrecht den Herrschenden die politische Macht kosten kann, die Besitzenden ihrer ökonomischen Privilegien berauben (vgl. Müller-Jentsch, 1997, S. 202). Wenn heute von Tarifautonomie die Rede ist, dann
[…] sind im Grunde genommen die formalisierten und rechtlich sanktionierten Beziehungen zwischen den Arbeitsmarktparteien – Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände – gemeint; mit anderen Worten: jene Konfliktregelungen und kollektivvertraglichen Vereinbarungen, die die widerstreitenden Interessen von Kapital und Arbeit notfalls auch auf dem Wege sozialer Machtauseinandersetzungen in Form von Arbeitskämpfen kompromissfähig machen (Müller-Jentsch, 1997, S. 203).
Die Tarifautonomie beinhaltet ein Regelungssystem, welches den Tarifvertragsparteien in einem staatlich gewährten Freiraum die autonome Gestaltung der Arbeitsbeziehungen und ihrer eigenen Beziehungen mit prinzipiell offenem Ausgang überlässt. Somit ist die Tarifautonomie mehr als eine rechtliche Institution, sie ist auch eine gesellschaftliche Institution mit komplexen Funktionen die einerseits einen konfliktregelnden Charakter und andererseits einen Normungscharakter besitzt, welcher mit staatlicher Sanktionsleihe ausgestattet ist (vgl. Müller-Jentsch, 1997, S. 203f.).
Tarifautonomie ist nur dann funktionsfähig, wenn die Gewerkschaften als legitimierte Interessenvertretung der abhängig Beschäftigten und ihrer Beteiligung an der Festsetzung von Lohn- und Arbeitsbedingungen, generell anerkannt werden. Der prinzipiell offene Ausgang von Tarifauseinandersetzungen und der unvermeidliche Zwang zum Kompromiss und der Regelung von Konflikten durch die Tarifpartner eröffnet Chancen zur Schaffung flexibler und sachnaher Lösungen im Produktions- und Beschäftigungssystem. Die Frage nach der Funktion kann daher für die Tarifpartner und den Staat nur gesondert beantwortet werden.
1. Einleitung: Diese Einleitung beschreibt den Umbruch des deutschen Tarifsystems durch Differenzierung und Dezentralisierung sowie die Notwendigkeit, Tarifpolitik an gewandelte Rahmenbedingungen anzupassen.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Regulationstheorie als Handlungsrahmen für industrielle Beziehungen und analysiert die Akteure Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und Staat.
3. Die Tarifautonomie als Instrument der industriellen Partner: Hier werden die Merkmale, Funktionen und die Dualität der Tarifautonomie als Instrument zur Konfliktregelung und Normsetzung innerhalb einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung untersucht.
4. Die Historie der Tarifautonomie: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über den Entstehungsprozess der Tarifautonomie von der Industrialisierung bis in die Nachkriegszeit.
5. Der Strukturwandel von Gesellschaft und Wirtschaft: Hier wird analysiert, wie sich der Wandel von der Industriewirtschaft zur Dienstleistungsorientierung auf die Akteure und das bestehende System der industriellen Beziehungen auswirkt.
6. Die Dezentralisierung der Tarifautonomie: Dieses Kapitel behandelt die Problematik des Mitgliederschwunds bei Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden sowie die resultierenden Dezentralisierungstendenzen.
7. Öffnungs- und Differenzierungsklauseln: Hier werden die rechtlichen Grundlagen und Auswirkungen von Öffnungsklauseln auf die Flexibilisierung und Erosion von Tarifstrukturen kritisch beleuchtet.
8. Das System der Zielvereinbarungen als dezentrale Verhandlungsform: Das Kapitel analysiert Zielvereinbarungen als modernes Managementinstrument und deren Einbindung in die Tariflandschaft sowie die damit verbundenen Konfliktpotentiale.
9. Tarifliche Module als Verhandlungssystem: Hier wird das Konzept der tariflichen Module vorgestellt, das eine stärkere betriebsspezifische Differenzierung bei gleichzeitigem Erhalt der Tarifautonomie ermöglichen soll.
10. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer systemimmanenten Anpassung der Tarifautonomie an globale Wettbewerbsbedingungen ohne Aufgabe des Schutzzwecks.
Tarifautonomie, Industrielle Beziehungen, Flächentarifvertrag, Regulationstheorie, Dezentralisierung, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Strukturwandel, Zielvereinbarungen, Öffnungsklauseln, Tarifliche Module, Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung, Lohnpolitik, Globalisierung.
Die Arbeit analysiert den Strukturwandel des deutschen Tarifsystems und untersucht, wie die Tarifautonomie als Instrument der industriellen Partner den Herausforderungen der globalisierten Wirtschaft im 21. Jahrhundert begegnen kann.
Zentrale Themen sind die Entwicklung der industriellen Beziehungen, die Erosion von Flächentarifverträgen, die Dezentralisierung von Verhandlungen sowie neue Ansätze wie Zielvereinbarungen und tarifliche Module.
Das Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, die Tarifautonomie so umzugestalten, dass sie für Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder ein praktikables Instrument für Ordnungs- und Planungssicherheit in einer gewandelten Wirtschaft darstellt.
Die Arbeit stützt sich auf einen theoretischen Bezugsrahmen mittels der Regulationstheorie sowie auf einen historischen Rückblick und die Analyse aktueller Problemfelder der industriellen Beziehungen.
Der Hauptteil behandelt den historischen Wandel der Tarifautonomie, die Auswirkungen des wirtschaftlichen Strukturwandels, die Dezentralisierungstendenzen durch Öffnungsklauseln und neue Verhandlungsformen wie Zielvereinbarungen und tarifliche Module.
Wesentliche Begriffe sind Tarifautonomie, Flächentarifvertrag, Dezentralisierung, industrielle Beziehungen, Zielvereinbarungen und tarifliche Module.
Der neue Arbeitnehmertyp ist qualifizierter, autonomer und identifiziert sich stärker mit seiner Tätigkeit, fordert jedoch gleichzeitig mehr Flexibilität, was das traditionelle, starr kollektive Tarifmodell unter Druck setzt.
Sie ermöglichen es Unternehmen, flexibler auf betriebsspezifische Anforderungen zu reagieren und individuelle Lösungen für Arbeitszeit und Entgelt zu vereinbaren, ohne die Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband sofort aufgeben zu müssen.
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