Masterarbeit, 2009
105 Seiten, Note: 1,25 (Schweiz: 5,75)
1. Einleitung
2. Kommunikation – systemtheoretisch
3. Weblogs – ein neues Medium im neuen Medium Internet
3.1. Verbreitungsmedien – ein Überblick
3.2. Das Internet als Medium, das Blogs formt
4. Kommunikation im Internet – eine Skizze
4.1. Die Dialogmetapher
4.2. Intertextuelle Kommunikation als Form elektronischer Schriftlichkeit
4.2.1. Weblogs und Interaktivität
4.2.2. Authentizität und Blogs
5. Blogbeschreibungen und die Ebene der Operativität
5.1. Blogs als Online-Tagebücher?
5.1.1. Schreiben mit Publikumsbezug
5.1.2. Das alte Medium im neuen: Imitationen
5.1.3. Neue Formen
5.1.4. Fazit: Blogs als Online-Tagebücher?
5.2. Blogs als neues Massenmedium?
5.2.1. Massenmedien – systemtheoretisch
5.2.2. Blogs – ein neues Massenmedium? Die Pro-Argumente
5.2.3. Ein gleicher Text für die Massen
5.2.4. Das Manifestwerden der „Sender“
5.2.5. Dezentralisierte Qualitätskontrolle
5.2.6. Die Blogosphäre als Resonanzraum der Massenmedien
5.2.7. Veröffentlichisierung
5.2.8. Die Veränderung alter durch neue Medien
6. Die Veränderung der Schreibe- und Leserolle
7. Die operative Ebene und die Ebene der (Selbst)beschreibung von Medien
8. Schluss
Ziel dieser Arbeit ist es, mit den Mitteln der soziologischen Systemtheorie nach Luhmann eine kommunikationstheoretische Analyse von Blogkommunikation vorzulegen. Die Forschungsfrage untersucht, ob Blogkommunikation ein neuartiges Phänomen darstellt, das sich von traditionellen Kommunikationsformen wie Interaktion, Massenmedien oder klassischen Tagebüchern abgrenzt, und wie sich die operative Ebene des Bloggens systemtheoretisch erfassen lässt.
4.2.1. Weblogs und Interaktivität
Internetbasierte Kommunikation mit Blogs als Spezialfall haben wir als intertextuelle Kommunikation und damit als Form elektronischer Schriftlichkeit definiert. Es geht also um einen Kommunikationsmodus, der völlig andersartig als interpersonale Kommunikation (was letztlich nur Interaktion, allenfalls auch Briefe sein können (vgl. Luhmann 1993: 354)) funktioniert. Entscheidend ist, dass sich Alter und Ego wegen der Zwischenschaltung der Technik nicht wechselseitig wahrnehmen können und radikal von einem gemeinsamen Wahrnehmungskontext entkoppelt sind.
Dennoch ist auffällig, dass bestimmte Formen im Internet Interaktion suggerieren (vgl. Bornmann 2001: 62f.), bei der Chat-Kommunikation gar praktisch in Echtzeit, so dass sich tatsächlich so etwas wie Interaktion einspielt. Jedenfalls ist die Ausrichtung der an der Kommunikation Beteiligten auf den jeweils Anderen offensichtlich und die Eingriffsmöglichkeiten im Vergleich mit normalschriftlicher Kommunikation immens gesteigert. Aber eben: Man hat keinen Kontakt zu diesem Anderen, sieht nur die Zeichen, weiss letztlich auch nicht, ob hinter diesen Zeichen eine Person oder ein Computerprogramm steckt. Insofern ist es für diese Art der Kommunikation wenig sinnvoll, von Interaktion zu sprechen, da es sich dann nur um defizitäre Interaktion handeln könnte, womit man womöglich die wirklichen Leistungen dieser Kommunikationsform übersieht.
1. Einleitung: Problematisierung der kontroversen medialen Diskussion über Weblogs und Vorstellung des systemtheoretischen Untersuchungsansatzes.
2. Kommunikation - systemtheoretisch: Erläuterung des systemtheoretischen Kommunikationsbegriffs nach Luhmann (Information, Mitteilung, Verstehen) als leistungsstarkes Analysetool für verschiedene Kommunikationsmodi.
3. Weblogs – ein neues Medium im neuen Medium Internet: Theoretische Einordnung des Internets und der technischen Grundlagen von Weblogs unter Berücksichtigung der Medienevolution.
4. Kommunikation im Internet – eine Skizze: Abgrenzung von interaktionistischen Modellen hin zu einem Verständnis von Blogs als Form "elektronischer Schriftlichkeit".
5. Blogbeschreibungen und die Ebene der Operativität: Kritische Untersuchung von Blogs als "Online-Tagebücher" oder "Massenmedien", wobei deren operative Eigenständigkeit herausgearbeitet wird.
6. Die Veränderung der Schreibe- und Leserolle: Synthese der Auswirkungen auf die Rollenprofile durch die veränderte Medialität und technische Hypertextualität.
7. Die operative Ebene und die Ebene der (Selbst)beschreibung von Medien: Zusammenfassende Betrachtung über die Tendenz, neue Medien mittels alter Begriffsraster zu beschreiben und deren Fallstricke für die wissenschaftliche Analyse.
8. Schluss: Resümee der systemtheoretischen Analyse und Ausblick auf die komplementäre Beziehung zwischen neuen und alten Medien.
Weblogs, Systemtheorie, Niklas Luhmann, elektronische Schriftlichkeit, Massenmedien, Journalismus, Interaktivität, Blogosphäre, Online-Tagebuch, Kommunikation, Selbstbeschreibung, Operativität, Intertextualität, Medienwandel, Internetkommunikation.
Die Arbeit untersucht das Kommunikationsphänomen Weblog aus der Perspektive der systemtheoretischen Soziologie von Niklas Luhmann, um das Spezifische der Blogkommunikation gegenüber klassischen Medien zu erfassen.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Blogs zu Interaktion, Tagebüchern und klassischen Massenmedien sowie die Untersuchung von technischen Aspekten wie Hypertextualität und Kommentarfunktionen.
Das primäre Ziel ist es, mit systemtheoretischen Mitteln eine Analyse der Blogkommunikation vorzulegen, die über die bloße Wiedergabe der Selbstbeschreibungen von Bloggern hinausgeht.
Es wird die soziologische Systemtheorie nach Luhmann als Analysetool genutzt, um Kommunikation als operativ geschlossenes System zu begreifen.
Der Hauptteil analysiert die gängigen Beschreibungen von Blogs als Tagebuch oder Massenmedium und dekonstruiert diese anhand der operativen Ebene und der Ebene der Selbstbeschreibung.
Wichtige Begriffe sind "elektronische Schriftlichkeit", "operative Ebene", "Selbstbeschreibung", "Interaktivität" und die Unterscheidung von Kommunikation und Beobachtung zweiter Ordnung.
Da das Blog durch seinen öffentlichen Charakter und die Anschlussmöglichkeiten im Netz operativ völlig anders funktioniert als ein für den privaten Gebrauch konzipiertes Tagebuch.
Blogs wirken als "Resonanzraum", der Massenmedien zwingt, ihre Selektionsmechanismen offenzulegen (Veröffentlichisierung), was zu einer Irritation der Invisibilisierungsstrategien des Mediensystems führt.
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