Diplomarbeit, 2009
140 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Der Begriff „Kanzlerdemokratie“
3 Merkmale der Kanzlerdemokratie nach Niclauß
3.1 Das Kanzlerprinzip
3.1.1 Die Parlamentswahl – Art. 63 GG
3.1.2 Das Konstruktive Misstrauensvotum – Art. 67 GG
3.1.3 Die Vertrauensfrage – Art. 68 GG
3.1.4 Die Richtlinienkompetenz – Art. 65, S.1 GG
3.1.5 Das Kreations- und Organisationsrecht – Art. 64 I GG
3.1.6 Koalitionsrunden und informelle Gremien
3.2 Der Kanzler und die Kanzlerpartei
3.3 Gegensatz von Regierung und Opposition
3.4 Der Kanzler in der Außenpolitik
3.5 Personalisierung und Medienpräsenz
4 Die Kanzlerdemokratie in der Diskussion
4.1 Zwischenergebnis: Diskussion um die Kanzlerdemokratie
4.2 Ausblick: Kanzlerdemokratie bei Gerhard Schröder
5 Gerhard Schröder als Bundeskanzler 1998 – 2005
6 Der Fall Schröder: Kanzlerdemokratie im Praxistest
6.1 Das Kanzlerprinzip bei Gerhard Schröder
6.1.1 Schröders Kanzleramt
6.1.2 Schröder als Regierungschef
6.1.3 Der Kanzler und die Regierungsfraktionen
6.1.4 Koalitionsrunden und informelle Gremien
6.2 Schröders Führungsrolle in der SPD
6.3 Schröder und die Opposition
6.4 Schröder als Außenpolitiker
6.5 Schröder, der Medienkanzler
7 Zwischenergebnis: Kanzlerdemokratie bei Gerhard Schröder
7.1 Phänomenologische Analyse
7.2 Substantielle Analyse
8 Schröder 2.0: Neustart oder Fehlstart?
8.1 Art. 68 GG in der verfassungspolitischen Diskussion
8.1.1 Art. 68 GG : Die Rolle des Kanzlers
8.1.2 Die verfassungsrechtliche Problematik
8.2 Schröders Vertrauensfrage: Kalkül oder Rechenfehler?
8.2.1 Landtagswahlen – Anstoß zur Vertrauensfrage
8.2.2 Reaktionen: Die Frage nach der Frage
8.2.3 Der selbst gewählte Strick – Schröders Motive
8.3 Ergebnis der Nagelprobe: Schröders Vertrauensfrage
9 Ergebnis und Ausblick
Die Arbeit analysiert politikwissenschaftlich den Regierungsstil von Gerhard Schröder in seiner zweiten Amtszeit (2002–2005) und untersucht den Zerfall seiner politischen Macht, der schließlich in der Entscheidung für vorgezogene Neuwahlen mündete. Ziel ist es, anhand des Konzepts der „Kanzlerdemokratie“ zu ergründen, welche Motive den Kanzler zu diesem Schritt bewogen haben.
Die Kanzlerdemokratie in der Diskussion
„Alle Macht geht vom Volke aus“, so bestimmt es das Grundgesetz in Artikel 20. Dann jedoch nimmt die Macht ihren Weg über mannigfaltige Vermittlungsinstanzen bis sie in Form von Gesetzen und deren Exekutierung wieder zum Volk zurückkehrt. Nicht jede dieser Instanzen übt denselben Einfluss, dieselbe formende Kraft aus. Während der Wille der meisten Bürger neben ihrem persönlichen Stimmrecht bestenfalls als statistischer Merkmalsträger für demoskopisch geleitetes Agenda-Setting zur Geltung kommt, sind Verbände und Parteien zentralere Medien der Willensformung. Parteien als primäre Willensbildungsagenturen stellen ihrer Anlage nach eine entsubjektivierte, rationale Form der Willensbildung dar, denn über Anträge wird in Abstimmungsprozeduren befunden. Parteien demokratischen Zuschnitts sind folglich nur formal hierarchisch strukturiert, denn „…die oberste Entscheidungskompetenz liegt bei der Versammlung aller Mitglieder.“
Folgt man dem Wegbereiter des amerikanischen Neokonservatismus, Harvey C. Mansfield, so ist die Entindividualisierung von Politik ein mit der Renaissance einsetzender Prozess, mit dem auch die Hoffnung einer rationaleren, zweckgerichteteren Politik verbunden war. Die repräsentative Demokratie ergibt sich aus dieser Entwicklung. Denn...
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur "Erosion der Macht" und des Analysemodells der Kanzlerdemokratie.
2 Der Begriff „Kanzlerdemokratie“: Herleitung des Begriffs aus der Ära Adenauer und Einordnung in die Politikwissenschaft.
3 Merkmale der Kanzlerdemokratie nach Niclauß: Detaillierte Darstellung der fünf konstituierenden Merkmale des Modells (Kanzlerprinzip, Parteiführung, Opposition, Außenpolitik, Medienpräsenz).
4 Die Kanzlerdemokratie in der Diskussion: Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Modell und Kritik an dessen Gültigkeit in veränderten politischen Rahmenbedingungen.
5 Gerhard Schröder als Bundeskanzler 1998 – 2005: Überblick über die Regierungszeit und die prägenden Merkmale des Schröder-Systems.
6 Der Fall Schröder: Kanzlerdemokratie im Praxistest: Systematische Überprüfung der fünf Niclauß-Merkmale an der Regierungsrealität Schröders.
7 Zwischenergebnis: Kanzlerdemokratie bei Gerhard Schröder: Synthese der vorangegangenen Analysen und erste Bewertung der Machtzentralisierung.
8 Schröder 2.0: Neustart oder Fehlstart?: Analyse der verfassungspolitischen Anwendung von Art. 68 GG und der Motive hinter der Vertrauensfrage.
9 Ergebnis und Ausblick: Fazit zur Kanzlerschaft und zur theoretischen Validität des Modells der Kanzlerdemokratie für diese Periode.
Kanzlerdemokratie, Gerhard Schröder, Agenda 2010, Machtzentralisierung, Kanzleramt, Vertrauensfrage, Art. 68 GG, Parteiführung, Koalitionsmanagement, Politische Kommunikation, Medienkanzler, Reformpolitik, Parteikrise, Regierungsstil, Repräsentative Demokratie.
Die Arbeit untersucht den Regierungsstil von Gerhard Schröder in seiner zweiten Amtszeit und analysiert, warum seine politische Macht erodierte und in der Entscheidung für vorgezogene Neuwahlen 2005 endete.
Schwerpunkte sind die verfassungsrechtlichen Machtbefugnisse des Kanzlers, das Verhältnis zur eigenen Partei (SPD), die Inszenierung durch die Medien sowie das politische Management durch Kommissionen und informelle Gremien.
Es soll herausgefunden werden, ob Schröders Regierungsführung als "Kanzlerdemokratie" im Sinne des Politikwissenschaftlers Niclauß bezeichnet werden kann oder ob der Begriff für diese Ära nicht mehr zutreffend ist.
Die Arbeit nutzt das theoretische Modell der "Kanzlerdemokratie" nach Niclauß als Raster und vergleicht dieses schrittweise mit der tatsächlichen Regierungspraxis Schröders, ergänzt um aktuelle politikwissenschaftliche Literatur und Zeitdokumente.
Der Hauptteil prüft fünf Kanzler-Merkmale (Kanzlerprinzip, Parteiführung, Oppositionsverhältnis, Außenpolitik, Medienpräsenz) und untersucht im zweiten Teil kritisch die Nutzung des Art. 68 GG als politisches Instrument.
Neben dem zentralen Begriff der Kanzlerdemokratie sind Begriffe wie Agenda 2010, Richtlinienkompetenz, informelle Steuerungsgremien und der mediale "Dauerwahlkampf" entscheidend für das Verständnis der Argumentation.
Die Agenda 2010 widersprach dem tief verankerten sozialdemokratischen Selbstverständnis. Die "Top-Down"-Umsetzung ohne Einbindung der Parteibasis führte zu einer Entfremdung zwischen Kanzler und Partei sowie zu einem massiven Vertrauensverlust.
Schröder stützte sich stark auf informelle Beraterkreise und vertraute Mitarbeiter (die sogenannten "Frogs"), um an Fachministerien und Parteistrukturen vorbei zu regieren, was zwar Effizienz brachte, aber die demokratische Rückbindung schwächte.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

