Magisterarbeit, 1999
94 Seiten, Note: 2,7
1 EINLEITUNG
2 FRAGESTELLUNG
3 BISHERIGE THEORIEN
3.1 VERGEWALTIGUNG ALS REPRODUKTIONSSTRATEGIE: DIE SOZIOBIOLOGISCHE SICHT
3.2 DIE MÄNNLICHE HERRSCHAFT UND DIE WIRTSCHAFT: SOZIOKULTURELLE ANSÄTZE
3.2.1 SANDAYS ANSATZ
3.2.2 SCHWENDINGER UND SCHWENDINGERS ANSATZ
3.3 FAZIT
4 ENTWURF EINER THESE
4.1 „DIE IDEOLOGIE DER MÄNNLICHEN HERRSCHAFT“
4.1.1 MACHTVERHÄLTNISSE
4.1.2 GESCHLECHTERKONSTRUKTIONEN UND WERTESYSTEME
4.2 GEWALT
4.2.1 GEWALT: NATUR ODER KULTUR?
4.2.1.1 WISSENSCHAFTLICHE DISKURSE ÜBER DIE GEWALT
4.2.1.2 GEWALTLOSE GESELLSCHAFTEN
4.2.1.3 ALTERNATIVEN
4.2.2 GEWALT GEGEN FRAUEN
4.3 SEXUALITÄT: VON DER KONSTRUKTION DES BEGEHRENS
4.4 WEITERFÜHRENDE ÜBERLEGUNGEN ZUM THEMA VERGEWALTIGUNG
5 ETHNOGRAPHISCHE FALLBEISPIELE
5.1 EINE VERGEWALTIGUNGSFREIE GESELLSCHAFT: DIE CHEWONG
5.1.1 EINE ISOLIERTE GESELLSCHAFT
5.1.2 DER MENSCH IN SEINER UMWELT
5.1.3 MENSCHLICHE BEZIEHUNGEN
5.2 IATMUL
5.2.1 ALLGEMEINE INFORMATIONEN
5.2.2 DIE ORGANISATION DER MACHT
5.2.3 ORGANISATION DER HAUSHALTE
5.2.4 LIEBE, SEXUALITÄT UND EHE
5.2.5 KONFLIKTREGELUNG
5.2.6 VERGEWALTIGUNG
6 AUSWERTUNG
7 SCHLUßWORT
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage nach der Universalität von Vergewaltigung und hinterfragt dabei gängige soziobiologische Annahmen, indem sie die Bedeutung soziokultureller Konstruktionen sowie individueller Wertesysteme in den Mittelpunkt stellt.
3.1 VERGEWALTIGUNG ALS REPRODUKTIONSSTRATEGIE: DIE SOZIOBIOLOGISCHE SICHT
„Human rape can be considered as an evolved facultative behavior that is condition dependent in that it is employed by men who are unable to compete for ressources and status necessary to attract and reproduce successfully with desirable mates“ (Thornhill und Thornhill 1983: 137-138). So läßt sich die These über Vergewaltigung aus soziobiologischer beziehungsweise evolutionsgeschichtlicher Sicht zusammenfassen. Männer müssen sich reproduzieren, und wenn sie nicht erfolgreich sind, werden sie nicht von Frauen gewählt. Ihre einzige Möglichkeit bleibt dann, die Frauen zu vergewaltigen. Mit Vergewaltigung meinen Randy und Nancy Thornhill: „Rape is forced copulation of a female by a man. By forced copulation we mean copulation without the female's explicit or implicit consent; it need not involve physical force“ (Thornhill und Thornhill 1983: 140).
Dieser Theorie zugrundeliegend ist die Annahme, daß die meisten Gesellschaften polygyn und die wenigen restlichen monogam sind. Das heißt (eben aus evolutiongeschichtlicher Sicht), daß nicht alle Männer eine Frau bekommen. Denn zwischen den Männern besteht Konkurrenz um Status und Ressourcen, und wer dies besitzt, ist für Frauen attraktiver. Die Übrigen müssen andere Alternativen entwickeln, um sich reproduzieren zu können. Vergewaltigung ist eine Alternative, die in Frage kommt, wenn der Nutzen (Nachkommenschaft) die Kosten (Aufwand, den ein Mann betreiben muß) übersteigt. Die Grundpfeiler dieser Theorie sind also die Reproduktion und der Konkurrenzkampf zwischen den Männern.
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Universalität von Vergewaltigung und Vorstellung der zentralen Forschungsfragen.
2 FRAGESTELLUNG: Darlegung der Ausgangsthesen und der Definition von Vergewaltigung für die Untersuchung.
3 BISHERIGE THEORIEN: Kritische Diskussion soziobiologischer und soziokultureller Erklärungsansätze für Vergewaltigung.
4 ENTWURF EINER THESE: Theoretische Vertiefung der Konzepte Machtverhältnisse, Gewalt, Sexualität und Wertesysteme als kulturelle Konstruktionen.
5 ETHNOGRAPHISCHE FALLBEISPIELE: Untersuchung der Chewong und Iatmul als konkrete Fallbeispiele zur Überprüfung der theoretischen Ansätze.
6 AUSWERTUNG: Kritische Zusammenführung der Erkenntnisse aus der Theorie und den ethnographischen Beispielen.
7 SCHLUßWORT: Fazit zur Frage der Universalität und Plädoyer für einen Blick auf die Bedeutung der Konstruktion von Identität und Person.
Vergewaltigung, soziobiologische Theorien, soziokulturelle Ansätze, Geschlechterkonstruktionen, Männliche Herrschaft, Interpersonale Gewalt, Machtfelder, Ethnographie, Chewong, Iatmul, Sexualität, Person-Konzept, Identität, Wertesysteme.
Die Arbeit untersucht, ob Vergewaltigung eine universelle Eigenschaft des Menschen ist oder ob sie von soziokulturellen Gegebenheiten einer Gesellschaft abhängt.
Die Schwerpunkte liegen auf der Soziobiologie, der Konstruktion von Geschlecht und Männlichkeit, der Rolle von zwischenmenschlicher Gewalt sowie der Bedeutung von ethnographischen Studien für dieses sensible Thema.
Das Ziel ist es, die soziobiologische Sichtweise zu hinterfragen und zu zeigen, dass Vergewaltigung nicht „natürlich“ gegeben, sondern eng mit kulturellen Wertesystemen, Machtkonzepten und der Identitätskonstruktion verknüpft ist.
Es handelt sich um eine interkulturelle, ethnographische Arbeit, die auf der Auswertung vorhandener ethnographischer Literatur basiert und diese theoretisch neu interpretiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Auseinandersetzung mit bisherigen Modellen und eine vertiefte Analyse zweier Fallbeispiele (Chewong und Iatmul), um die Komplexität der Thematik zu veranschaulichen.
Zentrale Begriffe sind Geschlechterkonstruktion, Machtfelder, Gewalt, soziokulturelle Konstellationen und die Kritik an einer westlich geprägten „etischen“ Definition von Vergewaltigung.
Die Chewong dienen als Gegenbeispiel zu der Annahme, Vergewaltigung sei universell, da bei ihnen dieses Konzept fehlt, während die Iatmul zeigen, wie spezifische soziale Strukturen und Initiationsrituale Gewalt und Vergewaltigung hervorbringen können.
Die Autorin argumentiert, dass man nur durch das Verständnis davon, wie eine Gesellschaft den Menschen „als Person“ definiert, verstehen kann, warum Handlungen wie Vergewaltigung dort existieren oder warum sie als undenkbar gelten.
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