Diplomarbeit, 2000
207 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung und Überblick
2. Aufmerksamkeit und Konzentration
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Modelle und Theorien
2.2.1. Strukturmodelle
2.2.1.1. Filtermodelle
2.2.1.2. Kapazitätsmodelle
2.2.1.3. Ressourcenmodelle
2.2.2. Prozeßmodelle
2.2.2.1. Die Aufmerksamkeitstheorie Galperins
2.2.2.2. Weitere handlungstheoretisch begründete Theorien
2.2.3. Aufmerksamkeit als Produkt verschiedener Komponenten
2.2.3.1. Eine kognitionspsychologische Sicht
2.2.3.2. Eine funktionale Sicht
3. Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
3.1. Erscheinungsbild
3.2. Folgeprobleme und prognostische Aussichten
3.3. Ätiologische Vorstellungen
3.3.1. Hirnorganische Faktoren
3.3.1.1. Neurologische Störungen: Minimale Cerebrale Dysfunktion
3.3.1.2. Neurophysiologische Bedingungskonzepte
3.3.1.3. Neurochemische Faktoren
3.3.2. Immunologische und ernährungsbedingte Faktoren
3.3.3. Genetisch-konstitutionelle Anteile
3.3.4. Psychosoziale und gesellschaftliche Faktoren
3.3.5. Handlungstheoretische und integrative Modelle
3.4. Therapeutische Ansätze
3.4.1. Medikamentöse Therapie
3.4.2. Kognitiv-Behaviorale Therapie
3.4.3. Sonstige therapeutische Verfahren
3.4.4. Elterntraining
4. Das Aufmerksamkeits-Komponenten-Training
4.1. Theoretische Grundannahmen
4.1.1. Das Aufmerksamkeitsmodell
4.1.2. Das ätiologische Modell der Aufmerksamkeitsstörungen
4.1.3. Der therapeutische Ansatz
4.2. Entwicklungspsychologische Voraussetzungen der Zielaltersgruppe
4.3. Die Begründung und Realisierung des Trainingskonzepts und zugrundeliegender therapeutischer Prinzipien
4.3.1. Die Einzelaufgaben zum Training der Aufmerksamkeitsmechanismen
4.3.2. Die Vermittlung von aufmerksamkeitsbezogenen Strategien
4.3.3. Die Herstellung einer adäquaten motivationalen Basis
5. Die Durchführung des Aufmerksamkeits-Komponenten-Trainings mit einem Kind im höheren Grundschulalter
5.1. Zielsetzung
5.2. Versuchsperson
5.3. Erhebungsinstrumente
5.4. Durchführung
5.5. Ergebnisse und Diskussion
5.5.1. Motivationsgehalt der Trainingsmaterialien
5.5.2. Angemessenheit des Schwierigkeitsniveaus
5.5.2.1. Einzelaufgaben
5.5.2.2. Metakognitive und strategische Komponenten
5.5.3. Handhabbarkeit der Trainingsmaterialien
5.5.4. Veränderung von Parametern der Konzentration
5.5.4.1. Ergebnisse der Beobachtung
5.5.4.2. Ergebnisse des Aufmerksamkeits-Belastungs-Tests
5.6. Zusammenfassung
6. Abschlußdiskussion
Diese Arbeit widmet sich der Entwicklung, Konstruktion und probeweisen Erprobung eines systematischen Konzentrationstrainingsprogramms für Kinder im höheren Grundschulalter. Das zentrale Forschungsanliegen ist es, theoretisch fundierte Trainingsbausteine zu erstellen, die über rein aufgabenorientierte Ansätze hinausgehen und gezielt kognitive sowie metakognitive Regulationsmechanismen ansprechen, um konzentratives Verhalten nachhaltig zu fördern.
4.1.1. Das Aufmerksamkeitsmodell
In Übereinstimmung mit Roth und Schlottke (1991) meine ich, daß sich Aufmerksamkeit und Konzentration nicht von den Teilprozessen der Verhaltensorganisation und -regulation trennen lassen, wenn sie auch nicht völlig mit ihnen identisch sind. Die aktive Sammlung und Ausrichtung psychischer Energie, die über physiologische Parameter zum Aufbau eines aufmerksamen Organismuszustandes führt, läuft stets auf das Ziel hinaus, eine bestimmte Aktivität auf der mentalen oder auf der Verhaltensebene einzuleiten, aufrechtzuerhalten oder zu überwachen. Aufmerksamkeit ist demnach ausschließlich zweckgebunden einsetzbar, was mich dazu veranlaßt, in der definitorischen Einfassung dieses Konstruktes zunächst auf einer globaleren Ebene anzusetzen, um den funktionalen Wesenscharakter von Aufmerksamkeit herauszustellen. Ich verstehe Aufmerksamkeit bzw. Konzentration als das Instrument, das notwendige Mittel, zur Ausführung geistiger Operationen, die der Organisation, Durchführung und Kontrolle von Handlungsabläufen dienen.
Dieses Grundverständnis orientiert sich an der handlungstheoretischen Sichtweise (siehe Abschnitt 2.2.2.2.). Über die in diesen Theorien vorzugsweise diskutierte Kontroll- bzw. Regulationsfunktion (Knopf, 1991, Berg, 1991) hinaus, bildet Aufmerksamkeit einen zentralen Bestandteil der Initiierung wie auch des eigentlichen Vollzugs unterschiedlicher geistiger und verhaltensmäßiger Tätigkeiten (vgl. Reulecke, 1991). In weiterer Konkretisierung des Aufmerksamkeitsbegriffs lassen sich unterschiedliche Mechanismen auf physiologischer Ebene und auf psychologisch-kognitiver Ebene herausstellen, aus deren interaktiven Zusammenwirken sich Aufmerksamkeit als geistige Grundfunktion konstituiert. Grundlegende physiologische Anteile, bestimmt durch Prozesse der zerebralen Stoffwechselaktivität und Erregungsleitung, stellen dabei ein notwendiges Maß an zentralnervöser Aktivierung bereit und schaffen so die Voraussetzung für den Vollzug sämtlicher aufmerksamkeitsbezogener Aktivitäten. Diese neuronalen Bestandteile des Aufmerksamkeitskomplexes entwickeln sich im Rahmen der biologischen Reifung des Gehirns.
1. Einleitung und Überblick: Einführung in die Problematik von Konzentrationsstörungen bei Kindern und Vorstellung des Ziels der Arbeit, ein theoretisch fundiertes Trainingsprogramm zu entwickeln.
2. Aufmerksamkeit und Konzentration: Detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen psychologischen Theorien, Struktur- und Prozeßmodellen der Aufmerksamkeitsforschung.
3. Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen: Darstellung des Erscheinungsbildes, der ätiologischen Faktoren sowie therapeutischer Ansätze wie Medikamenteneinsatz und Verhaltenstherapie.
4. Das Aufmerksamkeits-Komponenten-Training: Beschreibung der theoretischen Grundannahmen, des Aufmerksamkeitsmodells und der methodischen Konstruktion des selbstentwickelten Trainingsprogramms.
5. Die Durchführung des Aufmerksamkeits-Komponenten-Trainings mit einem Kind im höheren Grundschulalter: Dokumentation der praktischen Erprobung des Trainings, inklusive Zielsetzung, Versuchsperson, Durchführung und Diskussion der Ergebnisse.
6. Abschlußdiskussion: Zusammenfassende Reflexion über die Ergebnisse der Arbeit und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Aufmerksamkeitsdefizit, Konzentrationstraining, Handlungsregulation, metakognitive Strategien, Selbstinstruktion, Grundschulalter, ADHS, Verhaltenssteuerung, kognitive Basisfertigkeiten, Lernmotivation, Aufmerksamkeitskomponenten, diagnostische Klassifikationssysteme.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Entwicklung und Erprobung eines speziellen Konzentrationstrainingsprogramms, das auf eine bessere theoretische Fundierung abzielt und für Kinder im höheren Grundschulalter konzipiert wurde.
Die Arbeit behandelt die psychologischen Grundlagen von Aufmerksamkeit und Konzentration, die Ätiologie von Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern sowie verschiedene therapeutische Interventionsmöglichkeiten.
Ziel ist die Konstruktion eines Trainingsprogramms, das nicht nur Übungen bietet, sondern Kindern durch metakognitive Strategien (wie das laute Denken) hilft, ihr Handeln selbst zu steuern, zu planen und zu kontrollieren.
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse zur Fundierung des Trainingsmodells und wendet eine qualitative Einzelfallstudie zur Erprobung und Evaluation des entwickelten Trainingsprogramms an.
Der Hauptteil beschreibt detailliert die theoretischen Grundannahmen, das entwickelte Komponentenmodell der Aufmerksamkeit und die konkrete Umsetzung des Trainings in Einzelsitzungen.
Wichtige Begriffe sind Aufmerksamkeits-Komponenten-Training, Handlungsregulation, kognitive Strategien, Selbstinstruktion und Konzentrationsstörungen.
Der Trainer nimmt eine zentrale Rolle als Modell ein, das dem Kind durch lautes Denken und Vormachen der Leitschritte (Verstehen, Planen, Aufpassen, Kontrollieren) das systematische Arbeiten näherbringt.
Die Leitkärtchen dienen als externe Orientierungshilfen, die dem Kind helfen, die vier Phasen des Problemlösens (Verstehen, Planen, Aufpassen, Kontrollieren) visuell präsent zu halten und sukzessive zu verinnerlichen.
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