Examensarbeit, 2008
149 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Bedeutung der Regierungserklärung in der Bundesrepublik Deutschland
2.1 Was ist eine „Große Regierungserklärung“?
2.2 Die politische Aufgabe einer Großen Regierungserklärung
2.3 Die Textsorte „Regierungserklärung“
3. Die Analyse der Redefunktionen einer Großen Regierungserklärung
3.1 Die Redefunktion des Informierens
3.1.1 Die Bedeutung in der Großen Regierungserklärung
3.1.2 Die sprachliche Ausgestaltung
3.1.2.1 Berichtstil
3.1.2.2 Angabe von Statistiken, Zahlen und Prozenten
3.1.2.3 Bewertungen des gegenwärtigen Zustands
3.1.2.4 Phrasen zu vordringlichen Problemen
3.1.2.5 Argumentationsweise
3.1.2.6 Aufzählungen
3.1.2.7 Ansprechen einzelner Ressorts
3.1.2.8 Programmatische Vorhaben im Futur und mittels Sprechaktverben
3.1.2.9 Zusammenfassung
3.1.3 Der Umfang in den Großen Regierungserklärungen
3.2 Die Redefunktion des Solidarisierens und Integrierens
3.2.1 Die Bedeutung in der Großen Regierungserklärung
3.2.2 Die sprachliche Ausgestaltung
3.2.2.1 Solidarisieren und Integrieren durch die 1. Person Plural
3.2.2.2 Inkludierendes Vokabular
3.2.2.3 Berufung auf Elemente der Verfassungsordnung
3.2.2.4 Beschwören gemeinsamer Werte, Tugenden und Eigenschaften
3.2.2.5 Phrasen zur deutschen Einheit
3.2.2.6 Zusammenfassung
3.2.3 Der Umfang in den Großen Regierungserklärungen
3.3 Die Redefunktion der Selbstdarstellung und Imagepflege
3.3.1 Die Bedeutung in der Großen Regierungserklärung
3.3.2 Die sprachliche Ausgestaltung
3.3.2.1 Formulierungen zur positiven Selbstdarstellung
3.3.2.2 Phrasen zur negativen Darstellung des politischen Gegners
3.3.2.3 Zitate
3.3.2.4 Rhetorische Figuren
3.3.2.5 Schlagwörter
3.3.2.6 Zusammenfassung
3.3.3 Der Umfang in den Großen Regierungserklärungen
4. Abschließende Bemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachwissenschaftlichen Merkmale von "Großen Regierungserklärungen" deutscher Bundeskanzler von 1949 bis 2005, um einen möglichen funktionalen Wandel dieser Textsorte im historischen Verlauf aufzuzeigen. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob eine quantitative Abnahme der Informationsfunktion bei gleichzeitiger Zunahme von Solidarisierungs- und Selbstdarstellungsfunktionen festzustellen ist.
3.1.2.1 Berichtstil
Wenn der Bundeskanzler über die vorliegende Sachlage in der Bundesrepublik, über aktuelle Probleme und deren eventuelle Lösungsmöglichkeiten oder über die Regierungsarbeit der vergangenen Legislaturperiode spricht, sind seine Ausführungen vorwiegend von den Darstellungsformen des Beschreibens, Erklärens, Erläuterns, Analysierens und Begründens geprägt. Ein sachliches Informieren ähnlich einer Berichterstattung, das meist zu Beginn einer Regierungserklärung präzise und in nüchterner Sprache mit zahlreichen Fachtermini erfolgt, wird in dieser Arbeit unter dem Oberbegriff des „Berichtstils“ zusammengefasst. Indem die ökonomische, soziale, innen- und außenpolitische Lage in den Vordergrund gestellt wird, tritt der Berichtende als Person zurück. Der zu vermittelnde Inhalt wird rational berichtet und der Schwerpunkt des Referenten liegt auf Lagebeschreibungen und dem Schildern programmatischer Vorhaben, wobei der Sachverhalt im Fokus des Vortrags steht.
Im Gegensatz zu den im Perfekt gehaltenen Rechenschaftsberichten, welche die Erfolge der wiedergewählten Regierung hervorheben sollen, sind Lagebeschreibungen meist im Präsens konstruiert, da sich die thematisierten Sachlagen auf Gegenwärtiges beziehen. Zu veranschaulichen ist dies an den Beispielen des im Perfekt stehenden Rechenschaftsberichts von BRANDT 1973: „Unsere Friedenspolitik in Europa hat sich als ein Faktor weltweiter Entspannung bewährt“ und der im Präsens gehaltenen Lagebeschreibung von SCHMIDT 1974: „Unser Land ist – gemeinsam mit den Vereinigten Staaten von Amerika – ein führender, der führende Handelspartner in der Weltwirtschaft“.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Regierungserklärungen ein und umreißt die methodische Herangehensweise sowie die Hypothese zum funktionalen Wandel der Reden.
2. Die Bedeutung der Regierungserklärung in der Bundesrepublik Deutschland: Dieses Kapitel definiert den Begriff der "Großen Regierungserklärung", erläutert deren politische Aufgabe und beschreibt die Einbettung der Regierungserklärung als Textsorte in den politischen Kontext.
3. Die Analyse der Redefunktionen einer Großen Regierungserklärung: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die drei zentralen Redefunktionen des Informierens, des Solidarisierens und Integrierens sowie der Selbstdarstellung und Imagepflege hinsichtlich ihrer sprachlichen Ausgestaltung und quantitativen Entwicklung.
4. Abschließende Bemerkungen: Hier werden die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst und die Hypothese des funktionalen Wandels, gestützt auf die Analysen der vorangegangenen Kapitel, verifiziert.
Regierungserklärung, Bundeskanzler, Redefunktionen, politische Sprache, Informieren, Solidarisieren, Integrieren, Selbstdarstellung, Imagepflege, Berichtstil, Rhetorik, symbolische Politik, Bundestagsreden, politischer Wandel, Textsortenanalyse.
Die Hausarbeit untersucht die sprachlichen Funktionen der Großen Regierungserklärungen deutscher Bundeskanzler von 1949 bis 2005.
Die Schwerpunkte liegen auf den Funktionen des Informierens, des Solidarisierens und Integrierens sowie der Selbstdarstellung und Imagepflege.
Die Arbeit fragt, ob sich die Funktionen der Regierungserklärungen im historischen Verlauf qualitativ und quantitativ verändert haben.
Es wird eine linguistische Textanalyse durchgeführt, die sowohl qualitative sprachliche Merkmale als auch quantitative Häufigkeitsanalysen der verschiedenen Redefunktionen kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die drei Hauptfunktionen und untersucht jeweils die Bedeutung, die sprachliche Ausgestaltung (z.B. Berichtstil, Metaphern) und den Umfang in den jeweiligen Regierungserklärungen.
Wichtige Begriffe sind Regierungserklärung, politische Sprache, Redefunktion, symbolische Politik und der historische Vergleich der Bundeskanzler.
Die Arbeit stellt fest, dass Regierungserklärungen zunehmend weniger komplexe Sätze und detaillierte Fakten enthalten und stattdessen allgemeinere, emotionalere Sprache in den Vordergrund rückt.
Rhetorische Figuren wie Anaphern oder Metaphern werden zunehmend gezielter eingesetzt, um die politische Führung kompetent darzustellen und die Aufmerksamkeit der Rezipienten emotional zu steuern.
Es wird aufgezeigt, dass die Verwendung der 1. Person Plural von einer engen Identifikation mit der Regierung hin zu einem breiteren, nationalen oder gar anthropologischen Bezugsrahmen ausgeweitet wurde.
Die Arbeit analysiert, dass die zunehmende Vorab-Veröffentlichung von Koalitionsverträgen dazu führt, dass Regierungserklärungen weniger informativ und dafür stärker symbolisch bzw. selbstdarstellend ausgerichtet sind.
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