Bachelorarbeit, 2010
70 Seiten, Note: 2,2
1. Einleitung
2. Black Metal
2.1 Geschichte
2.2 Stilistische Charakteristika
3. Identität und Kultur
3.1 Identität – Begriffsdefinition
3.2 Kulturbegriff
3.2.1 Definition (Pop-)kultur
3.2.2 Distinktion – Begriffsdefinition
3.3 Identitätsinszenierung im Black Metal I
3.4 Die zwei Körper des Königs
3.5 Totenmasken, effigies und Identitäten
3.6 Identitätsinszenierung im Black Metal II
4. Ritualität
4.1 Ritual – Begriffsdefinition
4.2 Rituelle Mimesis
4.3 Konzerte als rituelle Handlungen
5. Satanismus
5.1 Der Satanismus der Church of Satan
5.2 Satanische Positionen im Black Metal
5.3 Das Ritual der schwarzen Messe
5.4 Fremdbeschreibungen als Mittel der Stärkung der kollektiven Identität
5.5 Symbole in Rock und Metal
6. Gorgoroth – Black Mass Krakow 2004
6.1 Band und Vorgeschichte
6.2 Elemente der Symbolsprache bei Gorgoroth
6.3 Analyse
7. Schlussfolgerung
8. Schlusswort
Diese Arbeit untersucht, wie Identität innerhalb der Black Metal-Szene durch die Inszenierung von Ritualen bei Konzerten reproduziert und bestätigt wird. Dabei werden Diskrepanzen zwischen den Idealen der Szene und ihrem tatsächlichen Auftreten aufgezeigt und analysiert.
3.6 Identitätsinszenierung im Black Metal II
Mit diesem ausführlichen Exkurs über Totenmasken und Zweitidentitäten soll nun noch einmal die Identität im Black Metal betrachtet werden. Ich möchte hier jedoch bloß einen speziellen Punkt der schwarzmetallischen Inszenierung heraus greifen, der für die Konstituierung einer Zweitidentität besonders wichtig ist: das Corpse Paint.
Es ist festzuhalten, dass die Musiker mit dem Auftragen des Corpse Paints und dem Anlegen der Bühnenkleidung in ihre selbst gewählte Bühnenidentität eintreten. Diese ist zwar Teil der Persönlichkeit des Musikers, aber nicht unbedingt deckungsgleich mit der gesamten persönlichen Identität. Dies drückt sich auch dadurch aus, dass das Corpse Paint, im Gegensatz zur königlichen Dignität, die in der Person des Königs sichtbar ist, als Maske über dem Gesicht liegt und bloßes Abbild ist, Abbild von etwas Abwesenden, Abbild des Toten. Damit wiederum stehen sie in einer Linie mit den Totenmasken, auch diese zeigen etwas Abwesendes. Belting nennt dies den stillgelegten Ausdruck, bzw. den letzten Ausdruck des Gesichts, die letzten menschlichen Züge. Die Person hinter der Maske hat ihre persönliche Identität mit dem Tod verloren, das Abwesende im Anwesenden ist das Leben in der Maske. Das Corpse Paint kehrt diese Logik um. Die Darstellung soll die einer bereits verfallenen Leiche oder eines Schädels sein. Hier ist das Abwesende der Tote, die Maskierung des lebenden Menschen das Anwesende. Damit vollzieht sich eine Entindividualisierung, der Tod tritt hinter der Maske des Gesichts hervor, um jedoch selbst nur wieder Maske zu sein. Es lässt sich also durchaus sagen, dass das Corpse Paint ein mimetisches Bild der Totenmaske ist.
1. Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation des Autors und Einordnung der Forschungsfragen bezüglich Identität und Ritual im Black Metal.
2. Black Metal: Historischer Abriss der Entwicklung des Black Metal von den Anfängen bis zur modernen Szene sowie Beschreibung der stilistischen Charakteristika.
3. Identität und Kultur: Theoretische Auseinandersetzung mit Identitäts- und Kulturbegriffen, der Rolle der Inszenierung und der Anwendung der "Zwei-Körper-Theorie" auf Black Metal Musiker.
4. Ritualität: Definition des Ritualbegriffs und Analyse, inwiefern Konzerte als rituelle Handlungen und mimetische Prozesse verstanden werden können.
5. Satanismus: Untersuchung der verschiedenen Positionen zum Satanismus innerhalb der Szene, von LaVeys Philosophie bis hin zu radikalen Ansätzen, sowie die Rolle von Fremdbeschreibungen.
6. Gorgoroth – Black Mass Krakow 2004: Praktische Analyse des umstrittenen Konzertmitschnitts der Band Gorgoroth unter Einbeziehung der erarbeiteten Theorien zu Ritual und Symbolik.
7. Schlussfolgerung: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfragen und Erkenntnisgewinn über das Spannungsfeld zwischen Popkultur und Ideologie im Black Metal.
8. Schlusswort: Resümee über den Status des Black Metal als heute etablierte, popkulturelle Kunstform und Reflexion über die schwindende Radikalität der Szene.
Black Metal, Identität, Ritual, Satanismus, Corpse Paint, Inszenierung, Subkultur, Distinktion, Popkultur, Gorgoroth, Mimesis, Zweitidentität, Bühnenidentität, Symbolik, Kulturanalyse.
Die Arbeit untersucht das Phänomen Black Metal aus einer kultur- und medientheoretischen Perspektive, wobei der Fokus auf der Identitätsinszenierung und Ritualität bei Konzerten liegt.
Zentrale Themen sind die Identitätskonstruktion, die soziologische Bedeutung des Satanismus, der rituelle Charakter von Metalkonzerten sowie die Abgrenzung zum gesellschaftlichen Mainstream.
Die Hauptfrage ist, wie Identität im Black Metal auf Konzerten inszeniert, reproduziert und bestätigt wird und welche Diskrepanzen zwischen dem Anspruch der Szene und ihrem tatsächlichen Auftreten bestehen.
Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Grundlagen (u.a. von Bourdieu und Kantorowicz) auf eine Fallstudie (Gorgoroth) anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Abschnitte zu Identität, Ritualistik und Satanismus, gefolgt von einer detaillierten Analyse eines Konzertmitschnitts der norwegischen Band Gorgoroth.
Wichtige Begriffe sind unter anderem die "Zweitidentität", das "Corpse Paint" als Maske, die rituelle Mimesis und die "Distinktion" als soziologischer Mechanismus der Szenenabgrenzung.
Gorgoroth gilt als eine der bösesten und orthodoxesten Bands, deren Auftritte – wie in Krakau 2004 – die theoretischen Diskrepanzen zwischen künstlerischem Anspruch und popkultureller Realität besonders deutlich machen.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Black Metal seine einstige gesellschaftsbedrohende Radikalität weitgehend eingebüßt hat und heute eine etablierte, meist tolerierte popkulturelle Kunstform darstellt.
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