Bachelorarbeit, 2023
36 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Das deutsche Schulsystem und seine Struktur
2.1. Überblick über das Bildungssystem in Deutschland
3. Theoretischer Rahmen
3.1. Chancengleichheit im bildungspolitischen Diskurs
3.2. Die Theorien Pierre Bourdieus zu sozialen Ungleichheiten
3.2.1. Der Habitus
3.2.2. Die Kapitalformen
3.2.3. Das Feld und der soziale Raum
4. Die PISA-Studie
4.1. PISA 2000
4.2. PISA 2018
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit analysiert das Fortbestehen von Bildungs- und Chancenungleichheiten im deutschen Schulsystem, wobei sie den historischen Werdegang des Systems mit den theoretischen Ansätzen von Pierre Bourdieu sowie empirischen Befunden aus den PISA-Studien verknüpft.
3.2.1. Der Habitus
Der Habitus bei Bourdieu findet seine Anfänge in seinen ersten Arbeiten in Algerien, zu Beginn seines Schaffens als Soziologe. Dabei stellt dieser einen bewussten Bruch mit bis dahin anerkannten und etablierten Theorien zum Handeln und Denken des Menschen in sozialen Kontexten dar (vgl. Fuchs-Heinritz, König 2014, S. 89). In Abgrenzung zu Denkweisen wie dem Existentialismus, dem rational-choice-Ansatz und dem Strukturalismus, die alle dem Handeln sozialer Wesen eine gewisse Determiniertheit, bestehend aus einem Wechselspiel von äußeren und inneren Faktoren, zu Grunde legen (vgl. Fuchs-Heinritz, König 2014, S. 89), geht Bourdieu noch einen Schritt weiter und behauptet, dass sich das soziale Handeln ausschließlich aus unbewussten und verinnerlichten „Denk- und Handlungspositionen“ (Fuchs-Heinritz, König 2014, S. 90) konstituiert.
Diese Denk- und Handlungsmuster lassen sich verstehen als „eine inkorporierte Geschichte, […] eingeschrieben in das Gehirn, […] die Gesten, die Sprechweisen, den Akzent, in die Aussprache, die Ticks, in alles, was wir [Menschen] sind“ (Bourdieu 2001, S. 165). Dieser Zusammenschluss aus diversen Anlagen erlaubt dem Individuum sowohl die Teilnahme an sozialer Praxis als auch diese selbst zu erzeugen. Um dies gewährleisten zu können, umfasst der Habitus gewisse Schemata, die es ermöglichen die individuellen Wahrnehmungen zu interpretieren und zu bewerten. Dies bezieht sich sowohl auf „ethische Ordnungs- und Bewertungsmuster, [sowie] ästhetische Maßstäbe zur Bewertung kultureller Produkte und Praktiken [als auch] Schemata, die die Hervorbringung von Handlungen anleiten“ (Fuchs-Heinritz, König 2014, S. 89). Somit wird der Habitus selbst zur Grundlage eines jeden Individuums an sich und nimmt eine zentrale, wenn auch unbewusste und unbemerkte Position, im alltäglichen Handeln ein. Dabei ist wichtig anzumerken, dass sich der Habitus nicht von selbst ausbildet, sondern das Produkt einer langen Sozialisation innerhalb einer bestimmten sozialen Gruppe ist und daher nicht eigenständig agiert, sondern immer in Anlehnung an die von der Großgruppe vorgegeben Dispositionen (vgl. Fuchs-Heinritz, König 2014, S. 90).
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die entscheidende Rolle der Bildung für den individuellen Werdegang und identifiziert das fortbestehende Problem der Bildungsungleichheit in Deutschland seit dem PISA-Schock 2000.
2. Das deutsche Schulsystem und seine Struktur: Dieses Kapitel skizziert die historische Genese der Institution Schule in Deutschland und die damit verbundenen staatlichen Interessen von der preußischen Monarchie bis zur modernen Ära.
3. Theoretischer Rahmen: Hier werden zentrale Konzepte wie Chancengleichheit diskutiert sowie Pierre Bourdieus soziologische Theorien zum Habitus und zu den verschiedenen Kapitalformen zur Erklärung sozialer Ungleichheiten dargelegt.
4. Die PISA-Studie: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Konzepte Bourdieus mit der methodischen Umsetzung in den PISA-Studien und analysiert die empirischen Befunde der Jahre 2000 und 2018.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und konstatiert, dass trotz einzelner bildungspolitischer Erfolge der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg in Deutschland weiterhin hochgradig signifikant ist.
Bildungsungleichheit, Chancengleichheit, PISA-Studie, Pierre Bourdieu, Habitus, soziales Kapital, kulturelles Kapital, ökonomisches Kapital, soziale Schichtung, Bildungsexpansion, Schulerfolg, soziale Herkunft, Bildungssoziologie, meritokratisches Prinzip, Leistungsdisparitäten.
Die Arbeit untersucht das anhaltende Problem der Bildungs- und Chancenungleichheit im deutschen Schulsystem unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen und aktueller PISA-Daten.
Die zentralen Themen sind die historische Schule als Institution, Bourdieus soziologische Theorietradition zur Reproduktion sozialer Ungleichheit und die empirische Messung dieser durch internationale Bildungsstudien.
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufzuzeigen und zu analysieren, wie Schule Ungleichheiten durch soziologische Mechanismen reproduziert.
Es handelt sich um eine analytische und theoretisch fundierte Betrachtung, die soziologische Konzepte (Bourdieu) auf quantitative Ergebnisse der PISA-Studien anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der historischen Systembildung, die Erläuterung soziologischer Analysemodelle und die detaillierte Auswertung der PISA-Studien von 2000 und 2018.
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie "Habitus", "Kapitalformen", "Chancengerechtigkeit" und "soziale Segregation" geprägt.
Die Arbeit differenziert zwischen dem Fokus auf den Zugang zu Bildungseinrichtungen (Startchancen) und der aktiven staatlichen Kompensation zur Angleichung der Lernergebnisse (Zielchancen).
Der Habitus wird als inkorporierte Geschichte verstanden, die durch das Elternhaus geprägt ist und Schülern je nach sozialer Herkunft unbewusste Vorteile oder Nachteile im Bildungssystem verschafft.
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