Bachelorarbeit, 2022
42 Seiten, Note: 1,7
1.EINLEITUNG
2. QUELLENLAGE
3. GATTUNGSKRITIK
3.1. INQUISITIONSHANDBÜCHER
3.2. INQUISITIONSPROTOKOLLE
4. HISTORISCHER KONTEXT
4.1. KATHARER
4.2. ABWEICHUNGEN ZUM GLAUBEN DER KATHOLISCHEN KIRCHE
4.3. INQUISITION
4.3.1. ENTSTEHUNG UND RECHTLICHE GRUNDLAGEN
4.3.2. DER INQUISITOR BERNARD GUI UND DIE PRACTICA OFFICII INQUISITIONIS HERETICE PRAVITATIS
5. VERGLEICH DER DARSTELLUNG DER KATHARER IN INQUISITIONSPROTOKOLLEN AUS MONTAILLOU UND IM INQUISITIONSHANDBUCH VON BERNARD GUI
5.1. LEHRE DER KATHARER
5.1.1. SCHÖPFUNG
5.1.2. VERHÄLTNIS ZU LEBEWESEN UND NAHRUNG
5.1.3. SAKRAMENTE
5.2. SELBSTVERSTÄNDNIS DER KATHARER
5.2.1. BEZEICHNUNGEN
5.2.2. LEBENSWEISE
5.2.3. VERHÄLTNIS ZUM KATHOLISCHEN GLAUBEN
5.3. RITUALE DER KATHARER
5.3.1. BROTBRECHEN
5.3.2. CONSOLAMENTUM
5.3.3. MELIORAMENTUM
5.3.4. COVENENSA
5.3.5. ENDURA
6. FAZIT
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Darstellung der Katharer im Inquisitionshandbuch Practica officii inquisitionis heretice pravitatis von Bernard Gui mit der Selbstdarstellung der Katharer übereinstimmt, wie sie in den Inquisitionsprotokollen aus dem Dorf Montaillou überliefert ist.
5.1.1. Schöpfung
Laut Gui glaubten die Katharer daran, dass es zwei Götter gäbe, einen guten und einen bösen Gott. Dabei habe der böse Gott alles Sichtbare und Körperliche geschaffen, wohingegen der gute Gott alles Unsichtbare und Körperlose schuf. Dementsprechend glaubten die Katharer außerdem an eine gute und eine böse Kirche. Ihre sei die gute Kirche, die Kirche Jesu Christi. Die römische Kirche in ihrer Gesamtheit verachteten sie. Sie sahen alle, die nicht dem katharischen Glauben angehörten, als Ketzer und Irrgläubige an, denen keine Möglichkeit offenstand, innerhalb der römischen Kirche gerettet zu werden.
Bezüglich der Schöpfung des katharischen Glaubens gab Beatrice de Planissoles eine ausführliche und detaillierte Beschreibung, die sie von verschiedenen Männern aus Montaillou, mit denen sie zu verschiedenen Zeiten in einem körperlichen Verhältnis stand, geschildert wurde. So berichtete sie von der katharischen Mythologie, nach der einst alle von Gott geschaffenen Seelen im Himmelreich sündigten, indem sie durch übersteigerten Stolz meinten, dass sie mehr wert wären als Gott und daraufhin auf die Erde fielen. Durch den Fall wurden die Seelen fleischlich und die Welt sollte erst vollendet sein, wenn alle Seelen in die Körper von Männern und Frauen auf der Erde übergegangen seien. Außerdem hatten die Seelen, die gegenüber Gott gesündigt hatten, sich geteilt. Einige verschworen sich gegen Gott und rebellierten gegen ihn, weshalb sie zuerst den Himmel verlassen mussten. Ihre Sünde war vergleichbar mit der Hölle, was sie zu Dämonen mache. Anderen Seelen planten keinen Aufstand gegen Gott und rebellierten nicht. Sie folgten nur denjenigen, die den Aufstand veranlassten. Diese seien ebenso auf die Erde gefallen und wandelten von dem Zeitpunkt an in Menschen und Tieren, taten Buße und hofften, durch den Körper eines guten Christen ins Himmelreich zurück zu gelangen.
1.EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die Katharer als mittelalterliche Häresiebewegung vor, thematisiert die Herausforderung für die katholische Kirche und begründet die methodische Herangehensweise eines Vergleichs zwischen Inquisitionsquellen und Protokollen.
2. QUELLENLAGE: Dieses Kapitel diskutiert die Relevanz der "Doat Collection" sowie der Inquisitionsprotokolle von Jacques Fournier und bewertet deren historische Zuverlässigkeit.
3. GATTUNGSKRITIK: Hier werden Inquisitionsbücher und Inquisitionsprotokolle definiert, um deren jeweiligen Stellenwert und die Grenzen ihrer Objektivität kritisch zu hinterfragen.
4. HISTORISCHER KONTEXT: Das Kapitel bietet einen Abriss über die Ursprünge des Katharismus, die dualistische Theologie sowie die Entstehung und rechtliche Systematisierung der Inquisition.
5. VERGLEICH DER DARSTELLUNG DER KATHARER IN INQUISITIONSPROTOKOLLEN AUS MONTAILLOU UND IM INQUISITIONSHANDBUCH VON BERNARD GUI: Den Hauptteil bildet der detaillierte Vergleich von Lehrauffassungen, Selbstverständnis und Riten, wobei sowohl Übereinstimmungen als auch Unterschiede zwischen den Quellen aufgezeigt werden.
6. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, zeigt die Stärken und Schwächen der jeweiligen Quellengattungen auf und betont die Bedeutung der Untersuchung für das Verständnis der katharischen Praxis.
Katharer, Inquisition, Bernard Gui, Montaillou, Practica officii, Dualismus, Consolamentum, Häresie, Inquisitionsprotokolle, Beatrice de Planissoles, Endura, Melioramentum, Mittelalter, Südfrankreich, Seelenwanderung
Die Arbeit untersucht das Bild der Katharer im 14. Jahrhundert, indem sie die kirchliche Perspektive (repräsentiert durch das Handbuch von Bernard Gui) mit der Lebensrealität der Betroffenen (aus den Inquisitionsprotokollen von Montaillou) vergleicht.
Zentral sind die katharische Lehre, Riten wie das Consolamentum, der Umgang mit der Inquisition sowie die alltägliche Glaubenspraxis innerhalb der Gemeinschaft in Montaillou.
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, inwiefern die (oft einseitige) kirchliche Darstellung der Katharer mit deren tatsächlichem Selbstverständnis, wie es in den Verhörprotokollen zum Ausdruck kommt, übereinstimmt.
Die Autorin verwendet eine komparative historisch-kritische Quellenanalyse, bei der Inquisitionshandbücher und -protokolle in ihren historischen Kontext eingebettet und miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte: Die Lehre der Katharer, ihr Selbstverständnis und die Analyse spezifischer Rituale wie das Brotbrechen, das Melioramentum und die Endura.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "Katharismus", "Inquisition", "Montaillou", "Fremdwahrnehmung" und "Selbstdarstellung" klar innerhalb der geschichtswissenschaftlichen Forschung verorten.
Montaillou liefert durch die detaillierten, von Jacques Fournier angefertigten Inquisitionsprotokolle ein einzigartiges Zeugnis der sozialen und religiösen Alltagswelt des 14. Jahrhunderts, das weit über offizielle Lehrmeinungen hinausgeht.
Während Gui den Ritus als festen Handgriff an den Armen beschreibt, legen die Protokolle aus Montaillou den Fokus stärker auf rituelle Kniebeugen und eine demütige Handauflegung auf die Erde.
Es fungiert als zentrale "Geistestaufe", die Sünden vergibt und als einziger Weg zur Erlösung der Seele aus der materiellen Welt angesehen wurde, was den Kern der katharischen Identität markiert.
Nein, das ist eine der zentralen Erkenntnisse der Arbeit: Die Kleidung der Katharer, die in den Protokollen als Erkennungsmerkmal auftaucht, wird in Guis Handbuch kaum oder gar nicht thematisiert.
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