Masterarbeit, 2010
162 Seiten, Note: 1
1 Theoretische Annäherung
1.1 Feminismus
1.1.1 Theoretische Annäherung – Feminismus
1.1.2 Feminismus – Wurzeln und Entwicklung
1.1.3 Das generische Maskulin
1.1.4 Geschlechterdifferenz
1.1.5 Identität, Sex, Gender und Queer
1.2 Mediation
1.2.1 Geschichte der Mediation
1.2.2 Weltbild der Mediation
1.2.3 Allparteilichkeit
1.2.4 Gerechtigkeit
2 Empirischer Teil
2.1 Erkenntnisinteresse
2.2 Die Gruppendiskussion als Methode
2.3 Vorarbeiten und Aufbau der Gruppendiskussionen
2.4 Beschreibungen und Einzelauswertungen
2.4.1 Die Gruppe der Nicht-Feministinnen – Auswertung
2.4.2 Die Gruppe der Nicht-Feministinnen – zusammenfassende Beschreibung
2.4.3 Die Gruppe der Feministinnen – Auswertung
2.4.4 Die Gruppe der Feministinnen – zusammenfassende Beschreibung
2.5 Beantwortung der Forschungsfragen – beide Gruppen
3 Zusammenfassung und Ausblick
3.1 Zusammenfassung
3.2 Ausblick
Diese Arbeit untersucht die grundlegende Frage, ob und wie Feminismus und Mediation in Einklang gebracht werden können, wobei ein besonderer Fokus auf der weiblichen Praxis und Sichtweise innerhalb des Mediationsfeldes liegt. Ziel ist es, durch eine theoretische Analyse und empirische Gruppendiskussionen zu erforschen, inwiefern gängige Mediationskonzepte durch eine feministische Perspektive kritisch hinterfragt und rekonfiguriert werden müssen.
1.1.2 Feminismus – Wurzeln und Entwicklung
Was alles unter Feminismus verstanden wird ist so vielfältig, dass sich die Frage stellt, ob es überhaupt so etwas wie eine Definition dafür gibt. Der Begriff Feminismus ist – laut Gerhard (2009) – in den 1880er Jahren von Hubertine Auclert geprägt worden, zur Kennzeichnung einer politischen Leitidee, die sich gegen die Männergesellschaft ihrer Zeit in Frankreich richtet.
Für diese Arbeit wird es genügen müssen darunter sowohl eine Theorienansammlung zu verstehen, die auf einen gesellschaftlichen Wandel besonders der Geschlechterhierarchien und der daraus resultierenden Benachteiligung abzielt, als auch das gemeinsame soziale Handeln (Bewegung) in diesem Sinne. French schreibt 1990 sinngemäß, dass der erste Schritt die Ablehnung aller patriarchalen Vorgaben ist, auf die Gefahr hinauf in einer Welt zu leben die aus „[...] einer Aneinanderreihung von „Du sollst-nicht“-Geboten [...]“ (French, 1990, S. 712) besteht. Erst danach werde es möglich sein Alternativen zu entwickeln.
Diese Vorgaben zu erkennen, zu benennen und die Forderung der Frauenrechte als Menschenrechte zu stellen ist Olympe de Gouges in Frankreich angetreten. Sie spricht eine deutliche Sprache, wirft Männern Selbstherrlichkeit, Machtmissbrauch und tyrannische Herrschaft vor und beginnt die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin mit den Worten: „Mann bist du fähig gerecht zu sein?“ (de Gouges, 1791). De Gouges fordert die Anerkennung der Frauen als gleichberechtigte Menschen und erklärt eine jede Verfassung für „[...] null und nichtig, wenn die Mehrheit der Individuen, die die Nation darstellen, an ihrem Zustandekommen nicht mitgewirkt hat.“ (ebd.; vgl. auch Gerhard, 2009a, S. 17).
1 Theoretische Annäherung: Dieses Kapitel liefert die wissenschaftliche Basis, indem es feministische Theorien, Geschlechterkonstruktionen und das traditionelle Weltbild der Mediation kritisch einander gegenüberstellt.
2 Empirischer Teil: Hier wird die Methodik der Gruppendiskussion mit zwei unterschiedlichen Frauengruppen erläutert und die detaillierte Auswertung der geführten Gespräche präsentiert.
3 Zusammenfassung und Ausblick: Der abschließende Teil fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und identifiziert weiteren Forschungsbedarf im Hinblick auf Geschlechterfragen in der Mediation.
Feminismus, Mediation, Geschlechterdifferenz, Neutralität, Allparteilichkeit, Freiwilligkeit, Eigenverantwortlichkeit, Gruppendiskussion, Systemtheorie, Empowerment, Machtgefälle, feministische Friedenspolitik, Konfliktaustragung, Sozialromantik, Identität
Die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen der traditionellen Mediation und feministischen Ansätzen, um zu klären, ob und wie Mediation als „weibliche“ bzw. feministische Praxis gestaltet werden kann.
Im Zentrum stehen die Konzepte Neutralität, Allparteilichkeit und Freiwilligkeit sowie die Frage, wie Machtverhältnisse und Geschlechterhierarchien in Mediationsprozessen wirksam werden.
Die Arbeit geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob Mediation aus weiblicher Sicht „anders“ sein muss und inwiefern sich dies in der praktischen Anwendung manifestiert.
Die empirische Untersuchung basiert auf dem Verfahren der qualitativen Gruppendiskussion, unterteilt in zwei Gruppen von Mediatorinnen mit unterschiedlicher feministischer Selbstverortung.
Der theoretische Teil setzt sich mit der Geschichte der Mediation, den verschiedenen Weltbildern der Mediation und den philosophischen Grundlagen des Feminismus sowie der Bedeutung der Geschlechterdifferenz auseinander.
Neben den Grundbegriffen der Mediation sind es Begriffe wie Systemkritik, Eigenverantwortung, Machtgefälle und die Dekonstruktion von Sprachgewohnheiten wie dem generischen Maskulinum.
Sie zeigen, dass trotz unterschiedlicher theoretischer Selbstbezeichnung (feministisch vs. nicht-feministisch) in der Praxis beider Gruppen eine kritische Distanz zur starren, „neutralen“ Mediation besteht und ähnliche Strategien der Ermächtigung angewandt werden.
Diese wird überwiegend kritisch gesehen, da sie als „systemkonform“ und als späte, wenig effektive Formsache eingestuft wird, die zudem oft eher alibimäßigen Charakter besitzt.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass absolute Neutralität in der Praxis unmöglich ist und die Haltung der Allparteilichkeit eher durch Empathie, Klarheit und eine bewusste Parteinahme für Unterlegene ersetzt werden sollte.
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