Examensarbeit, 2009
71 Seiten, Note: 1,7
Einleitung: Der Hund als Objekt der historischen Forschung
I. Die Realgeschichte des Hundes
a. Von den Anfängen bis in das römische Kaiserreich und die außerrömische Welt
1. Vor- und Frühgeschichte
2. Die frühen Hochkulturen
3. Griechische Antike
4. Römische Antike
5. Die außerrömische Welt der Antike
b. Frühmittelalter
c. Hoch- und Spätmittelalter
1. Jagdhunde
3. Schoßhunde
4. Halterlose Hunde
II. Die Symbolik des Hundes in Kultur des Mittelalters
a. Hunde in der Literatur
1. Literatur der Antike
2. Der höfische Roman
α. Gottfrieds von Straßburg „Tristan“
β. Wirnts von Grafenberg „Wigalois“
γ. Hademars von Laber „Die Jagd“
3. Kurzprosa, Fabeln und Märchen
b. Hunde in der Religion
1. Polytheistische Religionen
2. Monotheistische Religion
α. Die jüdisch-christliche Tradition
β. Islamische Tradition
γ. Christliche Heiligenviten und theologische Texte
c. Hunde im mittelalterlichen Rechtssystem
1. Das Hundetragen
2. Vergeltung für Vergehen am Hund
3. Das Mithängen von Hunden
III. Die Symbolische Bedeutung des Hundes im Mittelalter – Versuch einer Auswertung
a. Die allgemeine symbolische Bedeutung der Hunde – Ein Überblick
1. Der Jagdhund
b. Der Wachhund
c. Der Schoßhund
d. Der herrenlose Hund
IV. Fazit und Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das vielschichtige Verhältnis des mittelalterlichen Menschen zum Hund zu beleuchten und dabei die widersprüchliche Symbolik des Tieres in der damaligen Gesellschaft zu analysieren, indem die reale Lebenswelt des Hundes mit seiner symbolischen Bedeutung in Literatur, Religion und Recht verknüpft wird.
3. Griechische Antike
Wesentlich präziser werden die Erkenntnisse sobald die Quellen aus der griechischen Antike in Betracht gezogen werden. Aristoteles etwa beschäftigte sich in seiner „Tierkunde“ im sechsten Buch mit dem Hund. Seinem Text kann man wesentliche Einzelheiten über die Natur des Hundes entnehmen. So schreibt er von unterschiedlichen Tragezeiten, beginnender Geschlechtsreife und wie lange eine Hündin in der Lage säugen zu lassen. Während der Teil über Fortpflanzung den größten Teil einnimmt, geht Aristoteles in einem wesentlich kürzeren Absatz auf das Alter von Hunden ein, die bis zwanzig Jahre alt werden können, und erwähnt auch den Zahnwechsel, dem ein Hund als Welpe anheim fällt. Zwei Bücher weiter erwähnt er Tollwut, Staupe und Fußgicht, die Hunde befallen können. Die Tollwut sei dabei das gefährlichste, weil der Hund sie verbreiten könnte, die beiden anderen verliefen in der Regel tödlich, wobei einige die Fußgicht auch überleben könnten.
Er unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Hunden, die sich bei ihm nicht durch Funktionen unterschieden, sondern durch unterschiedliche Biologie. So kann er von den von ihm wohl ausgiebig beobachteten Lakonischen Hunden feststellen, dass Hündinnen dieser Art länger tragen als Hunde anderer Art. Eine Artenvielfalt der Hunde ist daher auch für das antike Griechenland anzunehmen.
Xenophon geht in seiner Schrift „Kynegetikos“ (wörtlich: „Hundeführer“) auf Hunde ein. Allein in dieser Bezeichnung ist bereits einiges über das Verhältnis der Griechen zum Hund gesagt. Wer auf die Jagd ging, der brauchte einen Hund, der ihm bei dieser Aufgabe half. Xenophons Ausführungen betreffen dann auch vor allem die Haltung des Hundes. Er gibt Anleitung für den richtigen Erwerb von Leinen und macht darauf aufmerksam, wie man erkennt, wann der Hund erkrankt. Auch Befehle, die der Jäger dem Hund zu geben hat, erwähnt er. Xenophon geht wie auch Aristoteles auf die Fortpflanzung und Aufzucht der Tiere ein.
I. Die Realgeschichte des Hundes: Dieses Kapitel rekonstruiert die historische Entwicklung der Hundehaltung von der Urgeschichte bis in das Spätmittelalter basierend auf archäologischen Funden und frühen Schriftquellen.
II. Die Symbolik des Hundes in Kultur des Mittelalters: Der Abschnitt untersucht die abstraktere Ebene der Tiersymbolik durch die Analyse literarischer Werke, religiöser Texte und mittelalterlicher Rechtspraktiken.
III. Die Symbolische Bedeutung des Hundes im Mittelalter – Versuch einer Auswertung: Hier werden die Ergebnisse synthetisiert, um eine differenzierte Auswertung der Hundesymbolik in Abhängigkeit von der jeweiligen Hunderolle zu ermöglichen.
IV. Fazit und Zusammenfassung: Das letzte Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und bestätigt die zentrale These, dass die Ambivalenz des Hundes im Mittelalter primär durch die unterschiedliche Funktion des Tieres bedingt war.
Hund, Mittelalter, Hundehaltung, Jagdhund, Wachhund, Schoßhund, Symbolik, Literaturgeschichte, Religion, Rechtssystem, Domestikation, Tiere in der Geschichte, Kulturgeschichte, Treue, Mensch-Tier-Beziehung
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Mensch und Hund im Mittelalter, wobei sie sowohl reale Aspekte der Hundehaltung als auch die symbolische Wahrnehmung des Hundes in verschiedenen kulturellen Bereichen erforscht.
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung, die Einteilung in Funktionsklassen (Jagd-, Wach-, Schoß- und herrenlose Hunde), die literarische Darstellung sowie die religiöse und rechtliche Bedeutung des Hundes.
Ziel ist es, die in der Forschung oft beschriebene Ambivalenz der Hundesymbolik aufzuklären, indem nachgewiesen wird, dass sich diese nicht auf den Hund als solchen bezieht, sondern stark von der jeweiligen Art des Hundes und seiner Funktion abhängt.
Die Untersuchung nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, die historische Quellenanalyse, die Auswertung archäologischer Befunde, kunsthistorische Lexika und eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten kombiniert.
Der Hauptteil ist in drei große Abschnitte gegliedert: die Realgeschichte (Vorgeschichte bis Mittelalter), die Symbolik in Kultur und Religion (Literatur, Theologie, Recht) sowie eine abschließende Auswertung nach Hundearten.
Wesentliche Begriffe sind Mensch-Tier-Beziehung, Hundesymbolik, mittelalterliche Rechtsgeschichte, Jagd, sowie die Differenzierung der Hunderollen in der vormodernen Gesellschaft.
Diese Differenzierung ist entscheidend, da sie aufzeigt, dass der "edle" Jagdhund des Adels eine völlig andere symbolische Aufladung – nämlich positive Tugenden wie Treue und Tatkraft – besaß als der als Plage wahrgenommene "unreine" Straßenhund.
Die Arbeit argumentiert, dass der Wachhund zwar real existierte, aber in der damaligen Literatur kaum vorkam, da diese fast ausschließlich auf die Ideale des Adels ausgerichtet war und ein "wartender" Hund nicht dem aktiven Heldenideal der damaligen Zeit entsprach.
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