Diplomarbeit, 2007
131 Seiten, Note: 1
0. Einleitung
1. Der Tu-Effekt
1.1 Das traditionelle Paradigma des Tu-Effektes
1.2 Besonderheiten des enactment effect und daraus abgeleitete frühe Erklärungsversuche
1.2.1 Handlungsausführung als strategiefreies Encodieren
1.2.2 Handlungsausführung als multimodales, reiches Encodieren
1.2.3 Handlungsausführung als motorisches Encodieren
1.2.4 Handlungsausführung als itemspezifisches Encodieren
2. Die multimodale Gedächtnistheorie
3. Organisationseffekte beim Memorieren ausführbarer Handlungen
3.1 Koriat und Pearlman-Avnion (2003)
3.2 Engelkamp und Seiler (2003)
3.3 Synthese und Zielstellung der eigenen Untersuchung
3.4 Methode
3.4.1 Versuchsplan
3.4.2 Versuchsteilnehmer
3.4.3 Material
3.4.4 Ausrüstung und Durchführung
3.4.5 Ergebnisse
3.4.5.1 Erinnerungsleistung
3.4.5.2 Kategorialer ARC-Score
3.4.5.3 Enaktiver ARC-Score
3.4.5.4 Relativer Zugewinn
3.4.5.5 Relativer Verlust
3.4.5.6 Absolute Zugewinne und Verluste
3.4.6 Weitere Ergebnisse
4. Abschließende Diskussion
Die Arbeit untersucht, wie die Ausführung von Handlungen (Tu-Effekt) das Gedächtnis beeinflusst, und prüft insbesondere, ob sich hierbei eine enaktive Gedächtnisorganisation manifestiert. Das zentrale Ziel ist die empirische Replikation und Erweiterung theoretischer Annahmen zur Gedächtnisorganisation im Vergleich zwischen verbaler Aufnahme und handlungsorientierter Encodierung.
1.2.1 Handlungsausführung als strategiefreies Encodieren
Cohen (1981) instruierte seine Probanden, eine Serie von Miniaturhandlungen für einen anschließenden Gedächtnistest auszuführen, die entweder ein oder zwei vom Versuchsleiter eingebrachte Objekte oder kein Objekt enthielten. Mit dieser Aufgabe beobachteten Cohen (1981, 1983), Cohen und Bean (1983) und Cohen und Stewart (1982) einige Abweichungen von etablierten "Gedächtnisgesetzen", die für verbales Material gelten. Zuerst demonstrierte Cohen (1981), dass der gewöhnlich auftretende Effekt der Manipulation der Verarbeitungstiefe (Craik und Tulving konnten den Effekt für verbales Lernen 1975 beobachten) auf den recall von SPTs nicht applizierbar war (Bäckman, Nilsson und Chalom, 1986).
Der Effekt der Verarbeitungstiefe (levels of processing) geht auf den Ansatz von Craik und Lockhart (1972) zurück. Er besteht darin, dass Items, die aufgrund einer entsprechenden Instruktion „tief“, das heißt semantisch verarbeitet werden, besser erinnert werden, als solche, die nur „flach“, also nicht semantisch verarbeitet werden. Ein zweiter Unterschied zwischen verbalem recall und dem von SPTs ist, dass der reliable primacy-Effekt, der mit dem free recall von verbalem Material verbunden wird, im SPT-recall nicht auftrat (Cohen, 1981, 1983; Cohen und Bean, 1983; und Cohen und Stewart, 1982).
Der primacy-Effekt, also die Beobachtung, dass zuerst dargebotene Elemente im free recall häufiger genannt werden, wird darauf zurückgeführt, dass die zuerst dargebotenen Elemente häufiger wiederholt und deshalb besser encodiert werden können als die später dargebotenen.
0. Einleitung: Einführung in das Phänomen des Tu-Effekts und die Notwendigkeit, diesen über das klassische verbale Gedächtnismodell hinaus zu erklären.
1. Der Tu-Effekt: Darstellung des Forschungsstands, der historischen Entwicklung und der grundlegenden Definitionen des "enactment effect".
2. Die multimodale Gedächtnistheorie: Erläuterung eines integrativen Modells, das modalitätsspezifische Eingangssysteme und motorische Encodierprozesse kombiniert.
3. Organisationseffekte beim Memorieren ausführbarer Handlungen: Kritische Diskussion der Gedächtnisorganisation und Herleitung der eigenen Forschungsfragen basierend auf Koriat/Pearlman-Avnion und Engelkamp/Seiler.
4. Abschließende Diskussion: Zusammenfassung der experimentellen Ergebnisse, Bewertung der aufgestellten Hypothesen und Ausblick auf zukünftige Forschung zur enaktiven Organisation.
Tu-Effekt, Enactment Effect, Gedächtnisorganisation, enaktive Organisation, konzeptuelle Organisation, Clustering, multiple free recall, itemspezifische Encodierung, relationale Encodierung, multimodale Gedächtnistheorie, Hypermnesie, Handlungsgedächtnis, kognitive Psychologie.
Die Arbeit befasst sich mit dem sogenannten Tu-Effekt (enactment effect), bei dem selbst ausgeführte Handlungen deutlich besser erinnert werden als nur verbal gelernte Informationen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie solche Handlungen im Gedächtnis organisiert sind – insbesondere im Vergleich zwischen enaktiven (auf Handlung basierenden) und konzeptuellen (semantischen) Organisationsformen.
Das Ziel war es, die Ergebnisse von Koriat und Pearlman-Avnion (2003) zum enaktiven Clustering zu replizieren und die Rolle relationaler Encodierung bei selbst ausgeführten Handlungen experimentell zu überprüfen.
Es wurde ein Experiment mit drei Bedingungen (Hören, Vorführen, Selber-Ausführen) durchgeführt, bei dem der freie Abruf (multiple free recall) über mehrere Durchgänge gemessen wurde.
Der Hauptteil beleuchtet theoretische Erklärungsmodelle (wie die multimodale Gedächtnistheorie) und analysiert detailliert die empirischen Ergebnisse zu Erinnerungsleistung, Clustering-Scores sowie Item-Gewinnen und -Verlusten.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Tu-Effekt, enaktive Organisation, Clustering, Handlungsgedächtnis und episodisches Gedächtnis beschreiben.
Das liberale Kriterium diente dazu, Handlungsphrasen bereits als korrekt erinnert zu werten, wenn das Objekt benannt wurde und die Tätigkeit sinngemäß erfasst war, um kleinere Variationen in der Ausdrucksweise nicht als Fehler zu bewerten.
Die EPT-Bedingung (experimenter performed task) dient als Kontrollgruppe, um zu prüfen, ob die reine Beobachtung von Handlungen ähnliche Effekte erzielt wie die aktive Ausführung.
Hypermnesie – die Verbesserung der Erinnerungsleistung über wiederholte Abrufdurchgänge hinweg – wird hier durch die Differenz zwischen Item-Zugewinnen und Item-Verlusten erklärt, welche Aufschluss über die Qualität der Encodierung gibt.
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