Magisterarbeit, 2005
83 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1. Philosophische Untersuchungen
1.1. Emotionale Dinge – Die aristotelische Theorie
1.2. Leidenschaften und Lebensgeister – Die Theorie Descartes‘
1.3. Spinozas Theorie der Affekte
1.4. Eindrücke und Vorstellungen – Die Hume‘sche Emotionstheorie
1.5. Zusammenfassung
2. Linguistische Untersuchungen
2.1. Emotionen als intentionale Zustände
2.2. Emotionen als kulturelle Artefakte – die „Wierzbicka-Hypothese“
2.3. Kövecses, Harré und Bamberg – Die „Wierzbicka-Hypothese“ in Kritik
2.4. Zusammenfassung
3. Emotionen und Bewertungen
3.1. Einführung
3.2. Exkurs: Auslösung und Entstehung von Emotionen
3.3. Bedeutung des Exkurses für eine linguistische Analyse
3.4. Probleme der Inhaltsdefinition
3.5. Die Definitionen der Emotionswörter „Stolz“, „Selbstzufriedenheit“, „Scham“ und „Reue“
Schluss
Diese Arbeit untersucht die semantische Struktur spezifischer Emotionswörter, um deren inhaltliche Bestimmung auf Basis philosophischer Theorien und linguistischer Ansätze zu präzisieren. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie sich Emotionen durch kognitive Bewertungen und intentionale Zustände definieren lassen und ob hierbei eine universelle Beschreibung möglich ist.
c) Die Definitionen von „Scham“ (αἰσχύνη)
Aristoteles zählt in seinem zweiten Buch der Rhetorik etwa 15 Emotionen auf und beschreibt sie bzw. ihre Verwendungsweisen. Von den uns in dieser Arbeit betreffenden vier Emotionen analysiert er lediglich die „Scham“.
Bevor Aristoteles zur eigentlichen Definition kommt, setzt er in seinen Bemerkungen zur Liebe die Scham zu jener in Kontrast, und sagt, dass „der Schämende nicht liebt“ (Rh 81) bzw. „der, der sich nicht schämt, einem Liebenden“ (Rh 81) gleiche, denn man schämt sich nicht vor seinen Freunden und wegen seiner Freunde, da man sie liebt. Die Scham selbst sei „eine Art von Schmerz und Beunruhigung über diejenigen Übel, die einem schlechtes Ansehen einzubringen scheinen, seien sie gegenwärtig, vergangen oder zukünftig.“ (Rh 85)
Aus diesem Zitat lassen sich bereits wichtige definitorische Merkmale herauslesen: Scham ist eine mit Schmerz verbundene Emotion. Doch der Schmerz alleine macht die Scham nicht aus. Die Konjunktion aus Schmerz und der Beunruhigung über soziale Missachtung (auch zukünftige) legt den Grundstein für diese Empfindung.
Aus der schon gegebenen Grunddefinition Aristoteles‘ können wir ablesen, dass der Gegenstand, über den wir uns schämen, ein „Übel“, eine „Schande“, die jedoch nicht zwangsweise vom Empfindenden selbst begangen worden muss, sondern dies kann durchaus ebenso durch einen Angehörigen oder einen Freund geschehen sein, also durch Personen, „um die man sich kümmert“ (Rh 86). Was zur von Aristoteles beschriebenen Schande gehört, sind vor allem Taten, die in der Antike der Ehrlosigkeit zugerechnet wurden, so z.B. „Feigheit“, „Zügellosigkeit“, „Geiz“, „Verweichlichung“, „Angeberei“ und „Kleingesinntheit“ (vgl. Rh 86f.).
1. Philosophische Untersuchungen: Überblick über die Emotionstheorien von Aristoteles, Descartes, Spinoza und Hume, um deren grundlegende Konzepte und Differenzierungen zu verstehen.
2. Linguistische Untersuchungen: Untersuchung der Sprachwissenschaft und Intentionalität, insbesondere durch die Auseinandersetzung mit Searles Analysen und der Wierzbicka-Hypothese.
3. Emotionen und Bewertungen: Zusammenführung der Ergebnisse zur Definition der vier spezifischen Emotionen unter Berücksichtigung von Körperreaktionen und situativen Bewertungsprozessen.
Emotionen, Stolz, Scham, Reue, Selbstzufriedenheit, Philosophie, Semantik, Intentionalität, Kognitive Bewertung, Aristoteles, Descartes, Spinoza, Hume, Wierzbicka, Definition
Die Arbeit befasst sich mit der semantischen Analyse der vier Emotionswörter Stolz, Selbstzufriedenheit, Scham und Reue.
Im Zentrum stehen die philosophische Herleitung von Emotionstheorien und die linguistische Untersuchung der Bedeutungskonstruktion.
Das Ziel ist die Erarbeitung präziser, auf kognitiven und intentionalen Parametern basierender Definitionen für die vier genannten Emotionen.
Es wird eine kombinierte Methode aus historischer Theorieanalyse und linguistischer Konstruktionsanalyse verwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Historie, eine sprachwissenschaftliche Kritik aktueller Ansätze sowie eine abschließende systematische Definition.
Zentrale Begriffe sind Intentionalität, Kognitive Bewertung, Semantik, Affekttheorie und sprachliche Definitionskonstitution.
Stolz und Scham werden als gegensätzliche Emotionen interpretiert, wobei der Stolz auf positiver Leistungsbewertung und die Scham auf drohendem sozialem Ansehensverlust beruht.
Obwohl diese bei einigen Philosophen vernachlässigt werden, integriert die Arbeit sie als notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bestandsaufnahme einer gefühlten Emotion.
Selbstzufriedenheit ist eine schwächere, auf die eigene Person bezogene Form des Stolzes, die weniger auf öffentliche Anerkennung durch andere angewiesen ist.
Die Kritik fokussiert darauf, dass das rein universelle Inventar atomarer Prädikate nicht ausreicht, um die volle Komplexität kulturell geprägter Emotionsbegriffe zu erfassen.
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