Bachelorarbeit, 2018
62 Seiten, Note: 1,3
1. Der Blick als Grenzüberschreitung in zwischenmenschlichen Beziehungen
2. Kulturgeschichtliche und philosophische Überlegungen zum Blick
2.1 Kulturgeschichtliche Überlegungen
2.2 Philosophische Überlegungen
3. Der emanzipierende Blick in Valie Exports Performance Tapp- und Tastkino
3.1 Performancekunst als Aufmerksamkeits- und Emanzipationsmöglichkeit für Künstlerinnen der 60er-Jahre
3.2 Tapp- und Tastkino
3.2.1 Analyse der Performance
3.2.2 Aufbruch von Machtverhältnissen durch den Gegenblick von Valie Export
4. Der Blick als verbindendes Element in Dries Verhoevens Performance dein reich komme
4.1 Psychologische Auseinandersetzungen mit dem Nähe erzeugenden Blick in Diskursen um die Jahrtausendwende
4.2 dein reich komme
4.2.1 Analyse der Performance
4.2.2 Bildung von Beziehungen zwischen den Teilnehmerinnen durch den wechselseitigen Blick
5. Der Blick zur Aufhebung von zwischenmenschlicher Distanz in Marina Abramovićs Performance The Artist Is Present
5.1 Infragestellung von Differenzen zwischen Menschen und Kulturen in der heutigen globalisierten Welt
5.2. The Artist Is Present
5.2.1 Analyse der Performance
5.2.2 Gleichstellung aller Menschen durch den bedingungslosen Blick von Marina Abramović
6. Vergleich der Performances und Ausblick auf die Rolle des Blickkontakts in der heutigen Gesellschaft
Die Arbeit untersucht den Augenkontakt zwischen Performern und Zuschauern als Mittel zur Grenzüberschreitung und Beziehungsbildung. Dabei wird analysiert, wie der Blick in ausgewählten Performances dazu eingesetzt wird, Machtverhältnisse zu transformieren, Intimität zu erzeugen und zwischenmenschliche Distanz in einer globalisierten Welt zu überwinden.
3.2 Tapp- und Tastkino
Indem ich es – um in der Sprache des Films zu sprechen – gestattete, meine Körperleinwand, meine Brust von jedermann berühren zu lassen, durchbrach ich die Grenzen gesellschaftlich anerkannter Kommunikation. Meine Brust wurde der ‚Gesellschaft des Spektakels‘ entzogen, die die Frau damit in die ‚Objektivation‘ getrieben hatte. Überdies ist die Brust nicht mehr das Eigentum eines einzelnen Mannes, vielmehr versucht die Frau dadurch, dass sie frei über ihren Körper verfügt, ihre Identität unabhängig zu bestimmen; der erste Schritt vom Objekt zum Subjekt.64
In ihrer Performance Tapp- und Tastkino, die 1968 in Wien uraufgeführt wird, setzt Valie Export ein Zeichen für weibliche Selbstbestimmung, das kontrovers aufgenommen worden ist. Dafür bedeckt sie ihren nackten Oberkörper nur mit einer Box aus Styropor oder Metall sowie einem Textil- oder Schaumgummivorhang vor der Öffnung der Box.65 In dieser Montur läuft sie anlässlich eines Filmpreises in Wien durch einen Kinosaal und in Wiederaufführungen auch durch die Stadtkerne von München, Zürich, Amsterdam und weiteren Städten, und lässt die Zuschauerinnen durch den Vorhang ihre Brüste berühren. Zusätzlich geben sie oder ihr Begleiter Peter Weibel ein feministisches Statement ab, teilweise auch in Textform.66 Valie Export stoppt die Zeit des Betastens und begrenzt sie auf jeweils 33 Sekunden.67 Während der Berührung von Exports Brüsten kommt ihr Gegenüber nicht umhin, ihr trotz ihrer Maske aus Make-up und lockiger Perücke in die nackten Augen zu sehen.68
1. Der Blick als Grenzüberschreitung in zwischenmenschlichen Beziehungen: Dieses Kapitel führt in die vielschichtige Bedeutung des Blickwechsels ein und beleuchtet dessen Potenzial als grenzüberschreitendes Kommunikationsmedium im Alltag.
2. Kulturgeschichtliche und philosophische Überlegungen zum Blick: Hier wird der Blick in einen historischen und theoretischen Kontext gesetzt, wobei phänomenologische und psychoanalytische Ansätze (u.a. Merleau-Ponty, Lacan) zur Klärung der Machtstrukturen des Sehens herangezogen werden.
3. Der emanzipierende Blick in Valie Exports Performance Tapp- und Tastkino: Das Kapitel analysiert, wie Valie Export durch ihren direkten Körperkontakt den männlichen voyeuristischen Blick aufbricht und Machtverhältnisse durch den Gegenblick umkehrt.
4. Der Blick als verbindendes Element in Dries Verhoevens Performance dein reich komme: Diese Sektion untersucht, wie durch mediale Manipulation und fokussierten Blickkontakt in einem geschlossenen Raum kurzzeitig tiefe zwischenmenschliche Verbundenheit erzeugt wird.
5. Der Blick zur Aufhebung von zwischenmenschlicher Distanz in Marina Abramovićs Performance The Artist Is Present: Hier wird die radikale Reduktion der Mittel und der Einsatz des bedingungslosen Blickkontakts als Weg zur Aufhebung gesellschaftlicher Differenzen und Distanzen analysiert.
6. Vergleich der Performances und Ausblick auf die Rolle des Blickkontakts in der heutigen Gesellschaft: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse der vorangegangenen Analysen und reflektiert die Bedeutung des realen Augenkontakts in einer zunehmend digitalisierten und von Mobilgeräten geprägten Gesellschaft.
Blickkontakt, Performancekunst, Grenzüberschreitung, Voyeurismus, Valie Export, Dries Verhoeven, Marina Abramović, Machtverhältnisse, Interaktion, Phänomenologie, Nähebildung, Körperlichkeit, Emanzipation, soziale Identität, Augen.
Die Arbeit untersucht die Macht und Wirkung des Augenkontakts innerhalb der Performancekunst und analysiert, wie dieser genutzt wird, um zwischenmenschliche Distanzen zu überbrücken und festgefahrene gesellschaftliche Machtstrukturen aufzubrechen.
Die zentralen Themen umfassen die kulturgeschichtliche Bedeutung des Blicks, das Spannungsfeld zwischen Voyeurismus und Emanzipation sowie die philosophische Reflexion der Körperwahrnehmung und intersubjektiven Kommunikation.
Das primäre Ziel ist es, in einer theaterwissenschaftlichen Perspektive aufzuzeigen, wie Augenkontakt in ausgewählten Performances als hochgradig interaktives Mittel agiert, um Nähe zu erzeugen, Verhältnisse kritisch zu hinterfragen und echte menschliche Verbindungen zu stiften.
Es wird eine kultur- und theaterwissenschaftliche Analyse angewandt, die primär auf phänomenologische Ansätze (unter anderem von Merleau-Ponty) sowie auf psychoanalytische Konzepte zum Blick (u.a. Lacan) und soziologische Theorien (z.B. Goffman, Simmel) gestützt ist.
Im Hauptteil werden drei spezifische Fallbeispiele (Valie Export, Dries Verhoeven, Marina Abramović) detailliert analysiert, um die unterschiedlichen Funktionsweisen des Blickkontakts in der Performancekunst zu demonstrieren.
Wichtige Schlagworte sind Augenkontakt, Performancekunst, Macht, Grenzüberschreitung, Intimität und Emanzipation.
Im Gegensatz zu den anderen Beispielen verzichtet Abramović in "The Artist Is Present" vollkommen auf fiktive Narrative oder theatrale Inszenierungen und fokussiert ausschließlich auf die reine, ungefilterte Präsenz und den bedingungslosen Blickkontakt.
Das Körperkino fungiert als Gegenmodell zum passiven voyeuristischen Filmkonsum, indem es Export vom vermeintlichen Objekt zu einer selbstbestimmten Akteurin macht und Zuschauer zur aktiven, reflektierten Interaktion zwingt.
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