Diplomarbeit, 2008
85 Seiten, Note: 1,3
I Einleitung
II Theaterästhetische Traditionslinien
1 Aufführungsgeschichte des Stücks „Das bucklige Pferdchen“
1.1 Tjus, St. Petersburg (Brjanzew)
1.2 Theater der Freundschaft, Berlin (Hawemann)
2 Ästhetische Vorbilder
2.1 Commedia dell’arte (Balagan)
2.2 Wsevolod Meyerhold
2.3 Bertolt Brecht
2.4 Erzähltheater
III Methode und Arbeitsweise bei der Entwicklung der Inszenierung
1 Ensemblespiel
2 Kollektive Kreativität – Improvisationstechniken nach Horst Hawemann
3 Spielprinzip – Haltungsänderung und Wechsel der Spielebenen
4 Kommunikationsebenen nach Manfred Pfister
IV Entwicklung und Vermittlung von Spielvereinbarungen in der Inszenierung
1 Der Raum als Bedingung für die Spielvereinbarung
1.1 Arrangement von Zuschauerraum und Bühne
1.2 Das Bühnenbild
2 Der Beginn des Stückes – Aufbau der Spielvereinbarung
3 Bühneninterne Kommunikation
3.1 Das Verhältnis des Schauspielers zu seiner Rolle
3.1.1. Die Beziehung des Spielers zur Figur
3.1.2. Besonderheiten des Puppentheaters
3.1.3. Erzählerhaltung
3.1.4. Spielerhaltung
3.2 Ebenenübergreifendes Ensemblespiel
4 Externe Kommunikation mit dem Publikum
4.1 Direkte Kontaktaufnahme mit dem Publikum
4.2 Spiegelung der Zuschauerposition durch die Spieler
5 Brechung der Spielvereinbarung
6 Der Schluss – Auflösung der Spielvereinbarung
V Fazit
Diese Diplomarbeit untersucht die Entwicklung und Vermittlung von "Spielvereinbarungen" im Kindertheater am Beispiel der Inszenierung „Das bucklige Pferdchen“ am Theaterhaus Frankfurt. Das Hauptziel besteht darin zu analysieren, wie durch die bewusste Gestaltung der Kommunikationsebene zwischen Schauspielern und jungen Zuschauern eine sichere Rezeptionssituation geschaffen werden kann, die sowohl den Spieltrieb der Kinder einbindet als auch die ästhetische Distanz des Theaters wahrt.
3.1.2. Besonderheiten des Puppentheaters
Betrachtet man das Verhältnis des Spielers zu seiner Rolle, dürfen die Besonderheit des Puppentheaters in der Inszenierung nicht außer Acht gelassen werden. Wie bereits erwähnt wird die Figur des BUCKLIGEN PFERDCHENS von einer Puppenspielerin dargestellt. Die Puppe besteht aus einem rosafarbenen Pferdekopf, der am rechten Ärmel einer Jacke befestigt ist. Wenn die Spielerin diese Jacke anzieht, kann sie durch den Ärmel in den Kopf der Puppe greifen um das Maul zu bewegen. Über ihrem Arm hängen lange Fransen herab, die die Mähne des PFERDCHENS darstellen. Kopf und Körper der Figurenspielerin sind darüber hinaus sichtbar.
Es war von Anfang an vorgesehen, dass die Spielerin die Puppe nicht versteckt hinter einer Spielleiste animieren, sondern als Puppenführerin sichtbar bleiben sollte. Das Verhältnis der Spielerin zur Figur wurde daher im Probenprozess immer wieder zum Thema.
Die ersten Versuche gingen in die Richtung den Körper der Spielerin zusammen mit der Puppe in eine Einheit zu bringen, so dass der Zuschauer das ‚Ensemble’ als eine einzige Figur wahrnehmen konnte. Dies war nur möglich, indem die Spielerin ihren eigenen Kopf hinter der Puppe verbarg und so ihr Körper als der des PFERDCHENS erschien. Dadurch wurden die Spielmöglichkeiten jedoch stark eingeschränkt, weswegen dieses Prinzip wieder verworfen wurde.
I Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Spielvereinbarung im Kindertheater ein und stellt die zentrale Forschungsfrage sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.
II Theaterästhetische Traditionslinien: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Stücks „Das bucklige Pferdchen“ nach und beleuchtet ästhetische Vorbilder wie die Commedia dell’arte, Meyerhold, Brecht und das Erzähltheater.
III Methode und Arbeitsweise bei der Entwicklung der Inszenierung: Hier werden die prozessorientierten Arbeitsweisen, insbesondere das Ensemblespiel, Improvisationstechniken nach Hawemann und die Nutzung von Kommunikationsmodellen, beschrieben.
IV Entwicklung und Vermittlung von Spielvereinbarungen in der Inszenierung: Der Hauptteil analysiert detailliert die Gestaltung des Raumes, die Anfangssituation, die bühneninterne sowie externe Kommunikation und die bewusste Brechung der Spielregeln.
V Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, Spielvereinbarungen transparent zu gestalten, um trotz der besonderen Nähe im Kindertheater den ästhetischen Rahmen zu wahren.
Spielvereinbarung, Kindertheater, Erzähltheater, Ensemblespiel, Rollendistanz, Bühnenraum, Publikumsinteraktion, Theaterästhetik, Inszenierung, Figurentheater, Kommunikationsmodell, Theaterhaus Frankfurt, Das bucklige Pferdchen, Spielprinzip, Theaterkonvention.
Die Arbeit untersucht, wie Schauspieler im Kindertheater "Spielvereinbarungen" – also die expliziten oder impliziten Regeln der Kommunikation zwischen Bühne und Publikum – entwickeln, vermitteln und anwenden, damit Kinder das Theatergeschehen verstehen und genießen können.
Die zentralen Felder sind die Theaterästhetik im historischen Kontext, die produktionsorientierte Methodik der Stückentwicklung sowie die Untersuchung der verschiedenen Ebenen der Zuschauer-Schauspieler-Interaktion.
Das Ziel ist es zu zeigen, dass die Folgerichtigkeit der Spielvereinbarung entscheidend dafür ist, jungen Zuschauern Sicherheit bei der Rezeption zu geben, damit sie sich aktiv auf das Wechselspiel mit der Bühne einlassen können.
Es wird eine produktionsästhetische und geisteswissenschaftliche Herangehensweise gewählt. Die Basis bilden eigene Probenprotokolle, Videoanalysen von Aufführungen sowie theaterwissenschaftliche Theorien, etwa von Volker Klotz oder Erika Fischer-Lichte.
Der Hauptteil analysiert den gesamten Prozess: von der räumlichen Gestaltung und der Eingangssituation bis hin zu konkreten Techniken wie der Spiegelung der Zuschauerposition durch die Spieler und der gezielten Brechung der Spielvereinbarung an "Zauberstellen".
Schlüsselwörter wie Spielvereinbarung, Erzähltheater, Ensemblespiel, Rollendistanz und Transparenz bilden den Kern des wissenschaftlichen Diskurses der Arbeit.
Die Streichung erfolgte, um die Anfangssituation zu verändern: Statt einer rituellen Begrüßung durch Erzähler sollen alle Schauspieler als Ensemble auf gleicher Ebene mit dem Publikum interagieren, um die Theatersituation von Beginn an als "Spiel unter Gleichen" zu markieren.
Der intime Raum reduziert das Statusgefälle zwischen erwachsenen Darstellern und kindlichen Zuschauern. Er schafft eine Nähe, die eine direkte Kommunikation ermöglicht, ohne die notwendige ästhetische Distanz des Theaters komplett aufzuheben.
Durch das Agieren der Schauspieler im hinteren Bühnenbereich als "zuschauende Spieler" entsteht ein "Spiel im Spiel". Dies hilft den realen Zuschauern, ihre Rolle als Beobachter besser zu verstehen und verstärkt gleichzeitig die Theatralität des Ereignisses.
Brechungen, etwa durch den Einsatz von Beamern für Spezialeffekte, werden bewusst in Kauf genommen, um "magische" Momente zu erzeugen. Die Arbeit argumentiert, dass solche Brüche nur funktionieren, wenn sie kalkuliert sind und die Kinder die Abweichung vom Regelwerk als solche wahrnehmen können.
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