Magisterarbeit, 2007
74 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Die Inszenierung des psychisch Anderen
2.1. Der Loco de Sevilla (DQ II 1)
3. Die Inszenierung des ethnisch-religiös Anderen
3.1. Die Ricote-Episode (DQ II 54; 63; 65)
4. Die limpieza de sangre als Abgrenzung und Verbindung zum Anderen
4.1. Das Problem des exemplarischen Altchristen am Beispiel von don Gregorio
4.2. Das Problem des exemplarischen Altchristen am Beispiel von Sancho Panza
5. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die Inszenierung des „Anderen“ in Miguel de Cervantes’ Don Quijote und analysiert, wie soziale Machtstrukturen und Machtdiskurse zur Abgrenzung und Definition von Fremdheit beitragen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern literarische Strategien und polyphonische Dialoge dazu dienen, marginalisierten Stimmen Gehör zu verschaffen und historische sowie gesellschaftliche Machtmechanismen der Ausgrenzung zu hinterfragen.
Die Inszenierung des psychisch Anderen
Um den Umgang der heutigen Psychiatrie mit dem „Irren“, die sozialen Mechanismen, die zur Psychiatrisierung und Internierung beitragen, verständlich zu machen, ist es notwendig, die Entwicklung und den Wandel im Verständnis des Wahnsinns zu veranschaulichen. Die Internierung, wie sie heute unter dem Mantel des medizinischen Bewusstseins ihre Verkettung zu ihrer Geschichte der Gewalt über den „Irren“ zu verdecken vermeint, lässt zugleich eine lange Tradition in der Praxis, einem undifferenzierten Anderen durch Ausschluss aus der Gesellschaft Herr zu werden, im Dunkeln.
Dass das Thema des Umgangs mit dem Wahnsinn von höchster gesellschaftlicher Relevanz ist, veranschaulicht das gegenwärtige Schweigen einer Minderheit als Folge dieser Geschichte. Michel Foucault beschreibt in seiner Histoire de la folie diesen Ausschluss des Anderen in der Praxis des Exils und der Internierung. Das Narrenschiff Brandts als Symbol der Exilierung ist alles andere als fiktional „car ils ont existé, ces bateaux qui d’une ville á l’autre menaient leur cargaison insensée“.
Für die andere Form der Internierung, der des inneren Exils, wurden im Frankreich des 18. Jahrhundert Leprahäuser zu Internierungshäusern umfunktioniert, in deren Wandel der Irre auf den Stationen seines Missverstandenseins immer neue Formen annimmt: er wird zum Monstrum und zum Zirkustier, als eine Art Arbeitstier steht er im Nutzen der Prosperität der Gesellschaft. Auf den Stationen seiner Entwicklung bis hin zu seiner medizinischen Behandlung erkennt man in ihm jedoch auch das positive Element eines göttlichen Wahns an.
1. Einleitung: Diese Einleitung kontextualisiert Cervantes’ Werk als ein Werk der Gleichheit und Hinwendung zum Anderen, das soziale Grenzen durchbricht und marginalisierte Stimmen in den Fokus rückt.
2. Die Inszenierung des psychisch Anderen: Das Kapitel analysiert die historische und gesellschaftliche Konstruktion des Wahnsinns und wie der Ausschluss des „Irren“ als Machtmittel zur Aufrechterhaltung einer sozialen Ordnung fungiert.
2.1. Der Loco de Sevilla (DQ II 1): Hier wird exemplarisch am Falle des Loco de Sevilla der Prozess der Internierung und die Problematisierung des individuellen „Wahnsinns“ gegenüber einer willkürlichen gesellschaftlichen Norm untersucht.
3. Die Inszenierung des ethnisch-religiös Anderen: Es wird erörtert, wie gesellschaftliche Majoritäten Konstrukte von Fremdheit etablieren, um ihre eigene Machtposition durch die Traditionalisierung diskursiver Konzeptionen zu festigen.
3.1. Die Ricote-Episode (DQ II 54; 63; 65): Dieses Kapitel beleuchtet die Vertreibung der Morisken und zeigt, wie Cervantes durch die Stimme Ricotes eine vielschichtige Kritik an der spanischen Ausgrenzungspolitik übt.
4. Die limpieza de sangre als Abgrenzung und Verbindung zum Anderen: Eine Untersuchung darüber, wie das Konzept der Blutsreinheit als politisches Instrument eingesetzt wurde, um gesellschaftliche Machtverhältnisse und soziale Gruppen voneinander zu trennen.
4.1. Das Problem des exemplarischen Altchristen am Beispiel von don Gregorio: Dieses Unterkapitel analysiert die Figur des don Gregorio und wie der Status des Altchristen in ein problematisches Verhältnis zur gesellschaftlichen Ideologie und zum Machtinstrument der Blutsreinheit gesetzt wird.
4.2. Das Problem des exemplarischen Altchristen am Beispiel von Sancho Panza: Hier wird Sanchos Identitätswandel und sein Streben nach sozialem Aufstieg im Spiegel der rassistischen Ideologie der Zeit kritisch hinterfragt.
5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Analyse von Cervantes’ Werk als ein polyphones, dehierarchisierendes Gewebe, das den Leser dazu einlädt, Machtstrukturen und Alteritätskonzepte zu hinterfragen.
Don Quijote, Cervantes, Fremdheit, Alterität, Wahnsinn, Morisken, limpieza de sangre, Machtdiskurs, Foucault, Bachtin, soziale Marginalisierung, Identität, Exil, Internierung, Polyphonie
Die Arbeit analysiert die Darstellung von „Fremdheit“ und „Anderem“ in Miguel de Cervantes’ Roman El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha und untersucht, wie diese als Instrumente gesellschaftlicher Macht und Kontrolle eingesetzt werden.
Zu den zentralen Feldern gehören die psychiatrische Internierung des Wahnsinnigen, die ethnisch-religiöse Ausgrenzung der Morisken, das Machtkonzept der Blutsreinheit sowie das diskursive Verhältnis von Macht und Wissen.
Das Hauptziel besteht darin herauszuarbeiten, wie Cervantes gesellschaftliche Machtstrukturen im Text offenlegt, verhandelt und dekonstruiert, um marginalisierten Stimmen eine eigene Ausdrucksmöglichkeit jenseits des herrschaftlichen Monologs zu gewähren.
Die Untersuchung arbeitet literaturwissenschaftlich mit diskursanalytischen Ansätzen (u.a. in Anlehnung an Michel Foucault, Michail Bachtin und Edward W. Said), um Machtdiskurse und die soziale Kontextualisierung von Fremdheitsbildern im literarischen Text zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der psychischen Alterität am Beispiel des „Irren“, die ethnische Alterität anhand der Morisken-Episode (Ricote) sowie die Analyse der limpieza de sangre als Machtinstrument, insbesondere an den Figuren don Gregorio und Sancho Panza.
Zu den prägenden Schlüsselbegriffen zählen: Cervantes, Fremdheit, Alterität, Wahnsinn, Morisken, limpieza de sangre, Machtdiskurs und Polyphonie.
Während Avellaneda don Gregorio als Musterbeispiel für christliche Verblendung und einen wenig komplexen Charakter nutzt, spiegele Cervantes ihn kritisch im historischen Horizont der Morisken-Vertreibung und verdeutlicht damit die Austauschbarkeit von Leid und Machtmissbrauch.
Es fungiert als machtdiskursives Instrument, das es einer Elite ermöglichte, Identität als beliebig formbare Wahrheit zu definieren, um „unreines Blut“ von Machtpositionen auszuschließen und soziale Hierarchien zu zementieren.
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