Bachelorarbeit, 2022
45 Seiten, Note: 1,6
1. Einleitung
2. Geschlechterkonflikte in Mären, Minnesang und im Höfischen Roman
3. Die Geschlechterkonflikte im Nibelungenlied
3.1 Kriemhild im Konflikt mit dem anderen Geschlecht
3.1.1 Kriemhild und Hagen
3.1.2 Kriemhild und Gunther
3.2 Brünhild im Konflikt mit dem anderen Geschlecht
3.2.1 Brünhild und Siegfried
3.2.2 Brünhild und Gunther
4. Liebesdiskurs als treibende Kraft im Geschlechterkonflikt
4.1 Kriemhild und Siegfried
4.2 Kriemhild und Etzel
5. Machtdiskurs als treibende Kraft im Geschlechterkonflikt
5.1 Weibliches Machtstreben
5.1.1 Gleichgeschlechtlicher Konflikt: Der Königinnenstreit
5.2 Männliches Machtstreben
5.2.1 Gleichgeschlechtlicher Konflikt: Siegfried und Hagen
6. Perspektive Klage: Liebes- oder Machtdiskurs?
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis und Primärtexte
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Geschlechterkonflikten und der in der Katastrophe mündenden Handlungsprogression im Nibelungenlied. Ziel ist es, das Werk unter geschlechtsspezifischen Kategorien zu analysieren und zu klären, inwieweit Liebes- oder Machtdiskurse als treibende Faktoren für den Untergang der Nibelungen fungieren.
3.1.1 Kriemhild und Hagen
Die Feindschaft zwischen Kriemhild und Hagen kann wohl als Hauptgrund für den Untergang gesehen werden. Doch worin liegt ihr Ursprung? Und ist diese Fehde gender-motiviert?
Zunächst betrachtet Kriemhild Hagen als Verbündeten bzw. als Verwandten. Er dient bereits lange an ihrem Hof. Doch nach dem Streit der Königinnen und vor allem nachdem Siegfried in Worms aufgetaucht ist und Hagen seinen Platz als Vertrauter Gunthers streitig macht, löst sich Hagen von Kriemhild. Brünhild, die ihre Ehre retten will, bietet Hagen den optimalen Vorwand, um sich Siegfried zu entledigen. Als er Kriemhild aushorcht, um Siegfrieds Geheimnis seiner Unverwundbarkeit zu lüften, nennt sie ihn noch vriunt (890, 1) und er sie liebiu vrouwe (892, 2). In Kriemhilds Fall kann wohl davon ausgegangen werden, dass sie ihn durch die Betitelung als Freund an ihre Verwandtschaft und damit an ihre triuwe zueinander erinnern will. Hagen andererseits dürfte dabei mitspielen, um Kriemhild in Sicherheit zu wiegen. Kriemhild vertraut Hagen das Leben ihres Mannes an, Hagen missbraucht ihr Vertrauen.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Gattungs- und Schuldfrage des Nibelungenlieds in den Kontext geschlechtsspezifischer Kategorien und definiert den Fokus auf Konflikte im Handlungsverlauf.
2. Geschlechterkonflikte in Mären, Minnesang und im Höfischen Roman: Dieses Kapitel gibt einen vergleichenden Überblick über die Darstellung von Geschlechterkonflikten in anderen mittelalterlichen Gattungen, um Parallelen zum Nibelungenlied herauszuarbeiten.
3. Die Geschlechterkonflikte im Nibelungenlied: Hier erfolgt eine detaillierte Untersuchung der Hauptfiguren (Kriemhild, Brünhild, Hagen, Gunther, Siegfried) hinsichtlich ihrer spezifischen Konfliktpotenziale innerhalb ihrer Geschlechterrollen.
4. Liebesdiskurs als treibende Kraft im Geschlechterkonflikt: Dieses Kapitel prüft, ob die Liebesbeziehungen, insbesondere zwischen Kriemhild und Siegfried, tatsächlich auf tieferen Emotionen basieren oder lediglich Machtinteressen dienen.
5. Machtdiskurs als treibende Kraft im Geschlechterkonflikt: Der Fokus liegt hier auf dem Machtstreben (sowohl männlich als auch weiblich) als zentrale, oft gewaltsame Handlungsmotivation der Figuren.
6. Perspektive Klage: Liebes- oder Machtdiskurs?: Die Untersuchung analysiert, wie die Klage die Kriemhild-Figur darstellt und inwieweit sie versucht, die Handlungen der Akteure nachträglich zu (re)interpretieren.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Rolle von Geschlechterkonflikten als Störung gesellschaftlicher Ordnung zusammen und bewertet die Handlungsspielräume der Protagonisten.
8. Literaturverzeichnis und Primärtexte: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Primärtexte.
Nibelungenlied, Geschlechterkonflikt, Kriemhild, Brünhild, Hagen, Machtdiskurs, Minnediskurs, Untergang, Mittelalterliche Literatur, Gewalt, Genderperspektive, Patriachat, Triuwe, Heldin, Heldenepos.
Die Arbeit analysiert das Nibelungenlied unter Berücksichtigung von Geschlechter- und Machtfragen, um zu klären, welche Faktoren zum Untergang der Nibelungen führen.
Die zentralen Themen sind das Machtstreben der Figuren, der Liebesdiskurs (Minne) im Vergleich zu machtpolitischen Interessen sowie die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau im mittelalterlichen Kontext.
Die zentrale Frage ist, ob Geschlechterkonflikte – innerhalb oder zwischen den Geschlechtern – als entscheidende oder gar verantwortliche Faktoren für den Untergang im Nibelungenlied angesehen werden können.
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die moderne genderorientierte Kategorien auf mittelalterliche Texte anwendet, um die Motivationen und Handlungslogiken der Figuren zu entschlüsseln.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Konfliktpaare (Kriemhild/Hagen, Brünhild/Siegfried etc.), die Differenzierung zwischen Liebes- und Machtdiskursen sowie eine Untersuchung der Klage als interpretativem Rahmen.
Die Analyse wird maßgeblich durch Begriffe wie Geschlechterkonflikt, Machtdiskurs, Kriemhild, Brünhild und die Rolle der Gewalt innerhalb der epischen Handlung charakterisiert.
Hagen wird als eine Figur analysiert, die durch sein konsequentes Machtstreben und seine strategische Listigkeit die Konflikte gezielt eskaliert, um seine eigene Position und die von ihm vertretene patriarchale Ordnung zu wahren.
Kriemhild wird als Figur betrachtet, die sich von einer höfischen Witwe zur machtbewussten Rächerin entwickelt, während Brünhilds Figur grundlegend durch das Aufbrechen geschlechtsspezifischer Normen und ihre körperliche Stärke definiert ist, die sie durch den Betrug verliert.
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