Magisterarbeit, 1999
128 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
1.1. Hinführung zum Thema: Marieluise Fleißers Kurzprosa im Kontext von Metropole und Provinz
1.2. Fragestellung und Intention
1.3. Methodische Anmerkungen
1.4. Untersuchter Textkorpus
1.5. Forschungsbericht
2. Analyse I
2.1. Ein Pfund Orangen (1926)
2.1.1. Charakterisierung der Protagonistin
Exkurs: Natur
2.1.2. Charakterisierung der Anderen
2.1.3. Der Konflikt der Erzählung
Exkurs: Gemeinschaft versus Gesellschaft und Entfremdung
2.1.4. Die Lösungswege der Protagonistin
2.1.5. Großstadt- und Provinzelemente in der Erzählung Ein Pfund Orangen
2.2. Avantgarde (1962)
2.2.1. Die große Stadt und der Dichter
Exkurs: Mythos Metropole
2.2.2. Die kleine Stadt und Nickl
Exkurs: Heimat
2.2.3. Cilly und ihr Pendeln zwischen den Existenzformen
2.2.4. Bilder der Städte
2.3. Zusammenfassende Analyse der beiden Erzählungen
3. Analyse II
3.1. Form und Struktur der Erzählungen
3.2. Inhaltliche Analyse
3.2.1. Entfremdung und Einsamkeit: „Am meisten beschäftigte sich jeder mit sich allein.“
3.2.2. Liebe: „[Da] war keine Liebe dabei, da hat auch keine Liebe dabei sein sollen.“
3.2.3. Kommunikation und Interaktion: „Da, wo man in Wahrheit reden sollte, redet man doch zu spät.“
3.2.4. Natur und Kultur: „Die Natur war in ihm wohl zu stark, man hat sie verbogen in lauter Pein, jetzt macht sie in ihm was Verkehrtes.“
3.2.5. Metropole: „Sie war in diesem Durcheinanderwimmeln von Lebewesen nur eine Wärme und keine Person, sie hatte nur recht, solange sie wohl tat.“
Exkurs: Ein Porträt Buster Keatons (1927) und Sportgeist und Zeitkunst (1928)
3.2.6. Heimat und Provinz: „Und doch bückt man sich unter Zwang, das kommt von den falschen Plätzen.“
Exkurs: Briefe Fleißers
4. Zusammenfassende Analyse: Kontinuitäten und Brüche
5. Schlußbemerkung
Die Arbeit untersucht Marieluise Fleißers Kurzprosa unter dem Aspekt der Metropolen- und Provinzerfahrung. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie diese beiden gegensätzlichen Lebensformen nicht nur das Leben der Autorin prägten, sondern als identitätsstiftende Symbole und Strukturmerkmale in ihr literarisches Werk einfließen.
Ein Pfund Orangen
Ein Mädchen lebte allzu ernsthaft in sich hinein, und jeden Tag tat sie sich was anderes an, ganz was Schlechtes, und wenn nur was Schweres an sie herantrat, gleich nahm sie sich darum an und hielt das Schwere aufmerksam in der Hand, wie wenn sie gar nicht mehr davon lassen könnte.
Man fragte sie, warum sie das tat. Seht ihr nicht, daf da was nicht hinausgegangen ist? sagte sie. Was war ihr denn nicht hinausgegangen? Da hatte sich das gute Kind sein Leben auch ganz anders vorgestellt. Einstweilen wußte sie es ja von sich, daß sie an den Läden, wo es die schönen Sachen gab, immer bloß vorbeigehen mußte.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Kurzprosa Fleißers im Spannungsfeld von Metropole und Provinz sowie Darlegung der methodischen Vorgehensweise.
2. Analyse I: Detaillierte Untersuchung der Erzählungen „Ein Pfund Orangen“ und „Avantgarde“ als Schlüsseltexte zur Etablierung eines Analyse-Rasters.
3. Analyse II: Anwendung des erarbeiteten Rasters auf das restliche Werk unter Berücksichtigung von Entfremdung, Liebe, Kommunikation und Natur.
4. Zusammenfassende Analyse: Kontinuitäten und Brüche: Synthese der Ergebnisse zur Einordnung der Entwicklung im Erzählwerk der Autorin.
5. Schlußbemerkung: Resümee der Forschungsergebnisse und Ausblick auf Fleißers literarische Verarbeitung ihrer Lebenserfahrungen.
Marieluise Fleißer, Metropole, Provinz, Kurzprosa, Entfremdung, Einsamkeit, Weimarer Republik, Autorschaft, Geschlechterverhältnis, Natur, Heimat, Interaktion, Kommunikation, Avantgarde, Autobiographismus.
Die Magisterarbeit untersucht die Kurzprosa von Marieluise Fleißer im Kontext der gegensätzlichen Erfahrungen von Metropole und Provinz.
Die Themenfelder umfassen Einsamkeit, Entfremdung, das Verhältnis der Geschlechter, die Bedeutung der Heimat sowie die Rolle der Natur in einer zunehmend industrialisierten Gesellschaft.
Ziel ist eine vergleichende Analyse, die aufzeigt, wie die Metropolen- und Provinzerfahrung die formale Gestaltung und die inhaltliche Tiefe von Fleißers Erzählungen bestimmt.
Es wird eine textimmanente Analyse angewandt, die durch sozialgeschichtliche und biographische Daten ergänzt wird, um die Topoi in den Gesamtzusammenhang einzuordnen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse zweier Schlüsseltexte und eine anschließende Untersuchung des gesamten autorisierten Prosawerks nach inhaltlichen und formalen Kriterien.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie "Ambivalenz", "Kältemetaphorik", "gesellschaftliche Entfremdung" und "weibliche Autorschaft" aus.
Das Verhältnis ist ambivalent: Ingolstadt wird einerseits als emotional verankerte Heimat begriffen, andererseits als Ort künstlerischer Einengung und existentieller Begrenzung kritisch hinterfragt.
Sie dient als exemplarisches Beispiel für die Ambivalenz der Großstadterfahrung, die sowohl künstlerische Freiheit als auch entmenschlichte Kälte und Anonymität verkörpert.
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