Magisterarbeit, 2002
112 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Tourismus als ethnologisches Forschungsfeld
2.1 Definitionen von Tourismus
2.1.1 Die verschiedenen Reiseformen
2.2 Anforderungen an eine ethnologische Tourismusforschung
3 Tourismus und seine kulturellen Auswirkungen
3.1 Kontaktebenen des Tourismus
3.2 Reaktionen der Gastgeber auf die Touristen
3.2.1.1 Demonstrationseffekt
3.2.1.2 Imitationseffekt
3.2.1.3 Akkulturation
3.2.2 Veränderungen in der Sozialstruktur
3.3 Kommerzialisierung von Kultur
3.3.1 Tourist Art
3.4 Die Rolle von Stereotypen im Tourismusgeschäft
3.5 Das Problem der Authentizität im Tourismus
3.5.1 Das Konzept der „staged authenticity“
4 Tourismus in Peru und Cusco
4.1 Das touristische Angebot Perus
4.1.1 Exkurs: Tourismus in Südamerika
4.2 Cusco als Touristenziel
4.2.1 Die Geschichte des Tourismus in Cusco
4.2.2 Die verschiedenen Angebote
4.2.3 Das touristische Publikum Cuscos
4.3 Tourismusinduzierte Probleme im sozial-ökonomischen Bereich
5 Incanismo und Re-Indianisierung in Cusco
5.1 Der Incanismo
5.2 Die Re-Indianisierung
5.3 Lo inca versus lo indio
5.4 Die Inszenierung von Indianität
5.4.1 Die indigene Bevölkerung in der Rolle der tourees
5.4.2 Die Mestizen als Vermittler zwischen tourees und Touristen
5.4.3 Die Vertreter des Staates als Protagonisten der Re-Indianisierung
5.4.4 Das Stadtbild Cuscos als Kulisse für den Tourismus
6 Veränderungen andiner Traditionen und Konzepte für den Tourismus
6.1 Das historische Bild der Inka im Spiegel des Tourismus
6.2 Neuerfundene raymis als Beispiele für eine „emergent authenticity“?
6.2.1 Das Inti Raymi in Cusco
6.2.2 Das K’intu Raymi in Wasao
6.3 Der turismo místico
6.3.1 Traditionelle paqos im Tourismusgeschäft
6.3.1.1 Aufgaben eines paqo
6.3.1.2 Ein despacho-Ritual mit einer Touristengruppe
6.3.2 Neoschamanen
6.3.2.1 Eine „shamanistic session“ in Cusco
6.4 Die Frage nach der Authentizität
7 Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht den Einfluss des Tourismus auf die kulturelle Identität in Cusco, Peru. Das primäre Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen dem boomenden Tourismusgeschäft und den Prozessen einer „Re-Indianisierung“ sowie der Rückbesinnung auf andine Traditionen (Incanismo) zu analysieren. Dabei wird hinterfragt, wie lokale Kultur manipuliert, konstruiert oder revitalisiert wird, um den Erwartungen internationaler Touristen zu entsprechen.
3.5.1 Das Konzept der „staged authenticity“
Die Echtheit von Erfahrungen und Erlebnissen im Kontext des Tourismus (z. B. Orte, Szenerien oder Kunstgegenstände) wird seit den 1970er Jahren in der sozial-psychologischen Tourismusforschung diskutiert (Vester 1993: 122). Dabei bildete MacCannell 1989 mit dem Begriff „staged authenticity“ ein Konzept, das die bühnenhafte Authentizität im Tourismus beschreibt. Er stellt fest: „[...] for moderns, reality and authenticity are thought to be elsewhere: in other historical periods and other cultures, in purer, simpler lifestyles.“ (1989: 3).
Demnach suchen die Touristen auf ihren Reisen eine durch die Modernisierung verlorengegangene Authentizität, die sich aber in den Reisezielen in Wirklichkeit nur auf einer Art Bühne abspielt, welche wiederum – metaphorisch gesprochen – in eine Hinter- und Vorderbühne aufgeteilt ist. Lediglich auf letzterer findet dann die touristische Interaktion statt. Doch gerade im Tourismus, und besonders im Ethnotourismus, wird die Suche nach einem Blick hinter die Kulissen fast als erstrebenswertestes Ziel einer Reise gesehen, um eine wirkliche, authentische Erfahrung zu machen. Aber selbst dieses anscheinend authentische Erlebnis wird mancherorts für die Touristen inszeniert, was MacCannell eine „staged back region“ nennt (1989: 89ff). In Bezug darauf argumentiert Urry 1991, dass solche künstliche Touristenwelten, die gleichzeitig eine gute Einkommensquelle bieten, den Gastgebern als eine Art Schutz vor den Touristen dienen, um ein gewisses Maß an Privatsphäre aufrechtzuerhalten (1991: 9).
1 Einleitung: Einführung in die Problematik des Tourismus als Motor für Kulturwandel und die zentrale Forschungsfrage nach der touristischen Anpassung in Cusco.
2 Tourismus als ethnologisches Forschungsfeld: Überblick über theoretische Definitionen und den Wandel ethnologischer Perspektiven auf den Tourismus von einer kritischen Abwehrhaltung hin zu systemischen Analysen.
3 Tourismus und seine kulturellen Auswirkungen: Erörterung der Interaktionsformen zwischen Gastgebern und Touristen sowie der Folgen wie Kommerzialisierung, Stereotypenbildung und dem Streben nach Authentizität.
4 Tourismus in Peru und Cusco: Analyse der Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor für Peru und Untersuchung der touristischen Infrastruktur und Probleme in Cusco.
5 Incanismo und Re-Indianisierung in Cusco: Untersuchung der historischen und politischen Hintergründe der Rückbesinnung auf Inka-Traditionen als Ausdruck von Lokalstolz und Identitätskonstruktion.
6 Veränderungen andiner Traditionen und Konzepte für den Tourismus: Detaillierte Fallbeispiele wie das Inti Raymi und der „turismo místico“, die den Prozess der „emergent authenticity“ und die Neuerfindung von Traditionen verdeutlichen.
7 Schlussbetrachtung: Synthese der Erkenntnisse über den Einfluss des Tourismus auf die lokale Kultur und die zweckgerichtete Re-Indianisierung als gesellschaftliches Phänomen.
Tourismus, Ethnotourismus, Cusco, Incanismo, Re-Indianisierung, Authentizität, staged authenticity, Kulturwandel, Indigene Bevölkerung, Paqos, Turismo místico, Stereotype, Identitätskonstruktion, Souvenirkunst, Andine Traditionen.
Die Arbeit untersucht, wie der Tourismus die Kultur in Cusco beeinflusst und welche Anpassungsprozesse bei der einheimischen Bevölkerung in Bezug auf ihr kulturelles Erbe und ihre Identität stattfinden.
Zu den zentralen Themen gehören die kulturellen Auswirkungen des Tourismus, das Phänomen der Re-Indianisierung, der Umgang mit Authentizität und die Instrumentalisierung indigener und inkaischer Traditionen für den Reisemarkt.
Das Ziel ist es, darzustellen, wie sich Wechselwirkungen zwischen dem Tourismus und einer Wiederbelebung andiner Traditionen zeigen und ob diese Prozesse zu einer echten Rückbesinnung oder nur zu einer künstlichen Inszenierung führen.
Die Autorin stützt sich auf teilnehmende Beobachtung, freie Interviews mit Touristen und im Tourismus tätigen Personen sowie eine fundierte Analyse ethnologischer Fachliteratur.
Der Hauptteil analysiert theoretische Konzepte der Tourismusforschung, die spezifische Situation in Peru und Cusco sowie Fallbeispiele für touristisch induzierte Traditionen und religiöse Zeremonien.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ethnotourismus, Authentizität, Incanismo, Re-Indianisierung und kulturelle Kommerzialisierung charakterisiert.
Das Inka-Erbe dient als Identitätsmerkmal und „Markenzeichen“, das für Touristen attraktiv ist und von der lokalen Elite genutzt wird, um sich von einer als negativ empfundenen aktuellen Indianität abzugrenzen.
Andine Priester (paqos) werden zunehmend als Teil touristischer Inszenierungen (z. B. despacho-Rituale) vermarktet, wobei ihre traditionellen Rollen oft für ein internationales Publikum vereinfacht oder verändert werden.
Es beschreibt den Prozess, in dem authentische oder vermeintlich authentische Traditionen (wie Rituale) bühnenhaft aufbereitet werden, um den Erwartungen der Touristen nach dem „Exotischen“ und „Echten“ zu entsprechen.
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