Diplomarbeit, 2010
140 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Offene Kinder- und Jugendarbeit
2.1 Definition
2.1.1 Finanzierung, Infrastruktur und Qualifikation der Fachkräfte
2.1.2 Strukturprinzipien und ihre Bedeutung für Bildung
2.2 Anforderungen, Problemlagen und Kritik - eine Gegenwartsanalyse
2.2.1 AdressatInnen und Angebote
2.2.2 Inhaltlich konzeptionelle Orientierung und Identität
2.2.3 Finanzen und Politik
2.2.4 Forschung, Legitimation und Profession
3. Kompensationsansätze
3.1 Die Pädagogik der Kinder- und Jugendarbeit - Alter Wein in neuen Schläuchen ?
3.2 QQS und WANJA - Hilfen zur konzeptionellen Gestaltung von Offener Kinder- und Jugendarbeit
3.3 Qualität durch Wirksamkeitsdialoge?
4. Offen geführte Jugendhäuser - ein Auslaufmodell oder Baukasten für die Zukunft ?
4.1 Jugendsozialarbeit, Jugendberufshilfe und die OGS als neue Domizile der Offenen Kinder- und Jugendarbeit?
4.2 Zwischen Utopie und Wirklichkeit: die eigenständige Offene Kinder- und Jugendarbeit
4.2.1 „Mein Versuch 1“
5. Fazit
Die Diplomarbeit untersucht die aktuelle Situation der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Kontext gesellschaftlicher Wandlungsprozesse, wie dem PISA-Schock und der Einführung der Offenen Ganztagsschule, und hinterfragt deren Bildungsfunktion sowie Legitimationsgrundlagen. Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten für eine inhaltliche und strukturelle Neupositionierung aufzuzeigen, um das Arbeitsfeld als eigenständiges pädagogisches Profil in der kommunalen Landschaft zu stärken.
2.1 Definition
Um zu einer Definition von Offener Kinder- und Jugendarbeit zu gelangen, muss zunächst an den Ursprung ihrer ersten theoretischen Bestimmungsversuche gegangen werden. Mit dem Werk „Was ist Jugendarbeit - Vier Versuche zu einer Theorie“ enstand 1964 erstmalig die theoretische Konstruktion einer Alternative zur Jugendarbeit der Jugendverbände. Wolfgang C. Müller, Helmut Kentler, Klaus Mollenhauer und Hermann Giesecke entwickelten ein auf Erfahrung basierendes Konzept einer Offenen Jugendarbeit, das ohne Verbindlichkeiten und Mitgliedschaft (wie es bei den Jugendverbänden üblich war) auskam. Dieses Konzept sollte die junge Generation in ihrer ganzen Breite ansprechen und nicht nur einzelne Gruppen, wie es die Jugendverbände durch ihre speziellen Angebotsformen und Ideologien taten. Die Offene Jugendarbeit sollte den Jugendlichen die Möglichkeit geben, eigene Bedürfnisse und Interessen zu äußern, damit ein Angebot ganz auf ihren Bedarf zugeschnitten werden konnte. Diese neue offene Form sollte die verbandliche Jugendarbeit jedoch nicht ersetzen, sondern ergänzen.
Ein entscheidendes Merkmal dieser Offenen Jugendarbeit waren ihre besonderen Strukturprinzipien der „Freiwilligkeit der Teilnahme“, der „Offenheit“, der „Diskursivität“ und der „Beziehungsabhängigkeit“ (ausführlich in 2.1.2), die eine besondere Form der inhaltlichen Arbeit ermöglichten. Besonders die „Freiwilligkeit der Teilnahme“ ist bis heute maßgebend für die Offene Kinder- und Jugendarbeit, denn sie impliziert, dass junge Menschen, die an Offener Kinder- und Jugendarbeit teilnehmen, dies ohne Drängen von Dritten tun - also freiwillig („Ein Angebot, das sie ablehnen können“ Sturzenhecker,2006,S.179). Das Angebot musste sich dementsprechend an den Bedürfnissen der Jugendlichen orientieren, denn da sie freiwillig kamen, konnten sie auch freiwillig wieder gehen.
1 Einleitung: Diese Einleitung thematisiert den wachsenden Veränderungsdruck auf die Kinder- und Jugendarbeit durch gesellschaftlichen Wandel und schulische Reformen und skizziert die Notwendigkeit einer konzeptionellen Neupositionierung.
2 Offene Kinder- und Jugendarbeit: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, beleuchtet ihre historische Entwicklung, Strukturprinzipien und die aktuelle Problemlage im Hinblick auf Finanzierung, Bildungsauftrag und gesellschaftliche Anforderungen.
3 Kompensationsansätze: Hier werden verschiedene Forschungsprojekte und Instrumentarien wie QQS, WANJA und Wirksamkeitsdialoge vorgestellt, die als Hilfen für die konzeptionelle Gestaltung und Qualitätssicherung in der pädagogischen Praxis dienen sollen.
4 Offen geführte Jugendhäuser - ein Auslaufmodell oder Baukasten für die Zukunft ?: Dieses Kapitel analysiert Zukunftsoptionen und notwendige Anpassungen für Jugendhäuser, einschließlich Vorschlägen zur Imagearbeit, virtuellen Räumen und strukturellen Veränderungen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und warnt vor der schleichenden Assimilation der Kinder- und Jugendarbeit durch andere Institutionen, falls keine aktive Profilschärfung und Positionierung erfolgt.
Offene Kinder- und Jugendarbeit, Bildungsauftrag, Strukturprinzipien, Freiwilligkeit, Offenheit, Jugendhäuser, Subjektorientierung, Wirksamkeitsdialog, Sozialraum, Konzeptionsentwicklung, Bildungsdebatte, Kompensationsansätze, Jugendarbeitsforschung, Jugendsozialarbeit, Partizipation.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Situation und der Zukunft der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland, die unter hohem inhaltlichen und strukturellen Veränderungsdruck steht.
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Verortung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, die Bedeutung von Strukturprinzipien, die Herausforderungen durch den demografischen Wandel und das Bildungsdiktat der Schule sowie Ansätze zur Qualitätsentwicklung.
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Offene Kinder- und Jugendarbeit ihre Eigenständigkeit bewahren und ihr Profil als pädagogischer Bildungsort im gesellschaftlichen Wandel schärfen kann.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung bestehender Fachliteratur, Konzepte und Forschungsprojekte, kombiniert mit eigenen Erfahrungen und einer kritischen Reflexion der aktuellen bildungspolitischen Debatten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Definitionsanalyse, eine Darstellung von Kompensationsansätzen zur Professionalisierung (QQS, WANJA) und eine kritische Auseinandersetzung mit der Zukunft der Jugendhäuser.
Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Offene Kinder- und Jugendarbeit, Subjektorientierung, Bildungsauftrag, Wirksamkeitsdialog und Strukturwandel.
Die Autorin lehnt die pauschale Abwertung von Jugendhäusern als "Gewaltbrutstätten" ab und betont, dass Gewalt ein gesellschaftliches Phänomen ist, das im Jugendhaus lediglich sichtbar wird und dort professionell bearbeitet werden muss, statt das Haus zu schließen.
Neben einer internen organisatorischen Transparenz schlägt sie die Etablierung virtueller Jugendhaus-Portale vor, um Jugendliche in ihrer digitalen Lebenswelt abzuholen und Schwellenängste abzubauen.
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