Magisterarbeit, 2009
110 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Theorien zu Migration
2.1.1 Fremdheit und Marginalität
2.1.2 Die Wechselbeziehungen von Aufnahmegesellschaft und Migranten in verschiedenen theoretischen Modellen
2.1.2.1 Die Modelle von Alan Richardson und Ronald Taft
2.1.2.2 Milton M. Gordons Assimilationsmodell und die „ethclass“
2.1.2.3 Hoffmann-Nowotnys Thesen zur Beziehung von gesellschaftlicher und kultureller Dimension
2.1.2.4 Das Assimilationsmodell von Hartmut Esser
2.1.2.5 Ergänzende Bemerkungen zu Migration als sozialem Prozess
2.2 Zur historischen Sozialforschung und zur Migration als deren Forschungsgegenstand
2.3 Zu sozialen Konflikten in der Einwanderungsgesellschaft und der Rolle der staatlichen Politik
3. Zur Migrationsgeschichte Deutschlands im ausklingenden 19. Jahrhundert bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs
3.1 Deutsche Überseeauswanderung und Landflucht als Ursachen von „Leute-“ und „Arbeiternot“
3.2 Strukturwandel, kontinentale Zuwanderung und staatliche Migrationspolitik im Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg
4. Zur Zwangsarbeit im Ersten Weltkrieg
5. Migrationsgeschichte zur Zeit der Weimarer Republik
5.1 Emigration, Flucht, Vertreibung nach dem Ersten Weltkrieg
5.2 „Inländervorrang“ und staatliche Regulierung des Arbeitsmarktes
6. Das Schicksal der „Displaced Persons“ nach dem Zweiten Weltkrieg
7. Arbeitsmigranten im Spannungsfeld zwischen Zu- und Einwanderung in der Bundesrepublik Deutschland
7.1 Neuer Arbeitskräftebedarf - Migranten, Arbeitsmarkt, Politik und Gesellschaft in der BRD bis 1973
7.2 Die Entwicklung seit den 1970er-Jahren hin zum Einwanderungsland und die Nicht-Anerkennung der Einwanderungssituation durch die Politik
8. Strukturveränderungen von Migration und politische Paradigmenwechsel seit den 1980er-Jahren
8.1 Asylbewerber und (Spät-)Aussiedler als neue Herausforderungen für Politik und Gesellschaft in Deutschland
8.2 „Ein unumkehrbarer Zuwanderungsprozess“ - der Regierungswechsel 1998 als Bewusstseinswandel in der Migrationspolitik?
8.3 Migranten und staatliche Integrationsförderung im neuen Jahrtausend
9. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht aus der Perspektive der historischen Sozialforschung die deutsche Migrationsgeschichte seit den 1880er-Jahren. Ziel ist es, die Strukturen und den Wandel von Wanderungsbewegungen sowie die staatliche Migrationssteuerung zu analysieren, um Erkenntnisse über die Entwicklung Deutschlands zum Einwanderungsland und die damit verbundenen politischen sowie gesellschaftlichen Herausforderungen zu gewinnen.
3.1 Deutsche Überseeauswanderung und Landflucht als Ursachen von „Leute-“ und „Arbeiternot“
Um die Zuwanderung und die Binnenmigration von Arbeitskräften im deutschen Kaiserreich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zu verstehen, ist es nötig, sich zuerst mit den Auswanderungsbewegungen aus Deutschland vor allem in Richtung Nordamerika zu beschäftigen. Denn diese eignen sich als Ausgangspunkt für die Darstellung des Strukturwandels und des Migrationsgeschehens, und trugen auch selbst zu diesem Strukturwandel weiter bei, wobei nicht vergessen werden darf, dass sie selbst als Folge im Kontext des Wandels verschiedener Strukturen in Verkehrs- und Informationswesen, Wirtschaft und Gesellschaft zu verstehen sind.
Die Auswanderung des 19. Jahrhunderts nach Nordamerika ist als Massenauswanderung zu begreifen, die nicht nur Deutschland, sondern den ganzen europäischen Kontinent umfasste. Eine der Ursachen der Überseeauswanderung war der Wachstumsprozess der europäischen Bevölkerung um rund 115 Millionen im Zeitraum eines Jahrhunderts von 1750 bis 1850 auf insgesamt 255 Millionen. Das entspricht einer Zuwachsrate von zirka 130 % (Hansen 1976: 9).
Die Bevölkerungsdichte stieg während dieses Vorgangs stark an, und damit ebenfalls die Konkurrenz um Ressourcen. Immer mehr Menschen strömten auf den Arbeitsmarkt auf der Suche nach Erwerbsmöglichkeiten. Aber Landwirtschaft, Handwerk und die relativ junge und noch nicht besonders breit entfaltete und regional unterschiedlich entwickelte Industrie waren nicht aufnahmefähig genug, um der wachsenden Zahl an Erwerbssuchenden Arbeit und Lohn zu bieten. Die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten war die Folge, auch weil die Preise für Grundnahrungsmittel und Kleidung stiegen. Nur eine grundsätzliche Strukturverbesserung hätte diesem Zustand langfristig Abhilfe schaffen können. Die Staatsfürsorge konnte aber nur Symptome lindern, keine Strukturveränderungen herbeiführen, um dem entstehenden sozialen Druck entgegenzutreten (Hansen 1976: 9-12).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der deutschen Migrationsgeschichte ein und begründet die methodische Herangehensweise der historischen Sozialforschung, um die langfristigen Strukturen und politischen Versäumnisse im Umgang mit Migration zu verstehen.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erarbeitet zentrale soziologische Theorien zu Migration, Assimilation und sozialer Marginalität, die als analytisches Werkzeug für das Verständnis der späteren historischen Befunde dienen.
3. Zur Migrationsgeschichte Deutschlands im ausklingenden 19. Jahrhundert bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs: Hier wird der Grundstein für die Analyse der deutschen Arbeitswanderung gelegt, indem die Auswirkungen der Überseeauswanderung und der Binnenmigration auf den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft im Kaiserreich beleuchtet werden.
4. Zur Zwangsarbeit im Ersten Weltkrieg: Das Kapitel behandelt die Instrumentalisierung ausländischer Arbeitskräfte während des Ersten Weltkriegs, die fast vollständig militärischen und kriegswirtschaftlichen Zielen untergeordnet war.
5. Migrationsgeschichte zur Zeit der Weimarer Republik: Es wird analysiert, wie die Krisenjahre nach dem Ersten Weltkrieg durch Flucht, Vertreibung und eine restriktive, auf den Inländervorrang fokussierte Migrationspolitik geprägt waren.
6. Das Schicksal der „Displaced Persons“ nach dem Zweiten Weltkrieg: Dieses Kapitel beleuchtet die schwierige Lage von ehemaligen Zwangsarbeitern nach dem Krieg und die Strategien der Siegermächte hinsichtlich Repatriierung und Neuansiedlung.
7. Arbeitsmigranten im Spannungsfeld zwischen Zu- und Einwanderung in der Bundesrepublik Deutschland: Es wird die Anwerbung von Gastarbeitern untersucht und aufgezeigt, wie die Nicht-Anerkennung der Realität als Einwanderungsland zu politischen Versäumnissen in der Integration führte.
8. Strukturveränderungen von Migration und politische Paradigmenwechsel seit den 1980er-Jahren: Dieses Kapitel diskutiert den Wandel der Migrationsformen hin zu Flucht- und Asylmigration sowie die späte und politisch umstrittene Anerkennung Deutschlands als Einwanderungsland.
9. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der historischen Entwicklungen, die Migration als dauerhafte Konstante der deutschen Geschichte ausweist und die langfristigen Folgen einer vernachlässigten Integrationspolitik unterstreicht.
Migrationsgeschichte, Einwanderungsland, historische Sozialforschung, Gastarbeiter, Arbeitsmarktpolitik, Assimilation, Zwangsarbeit, Displaced Persons, Inländervorrang, Integration, Strukturwandel, Ausländerpolitik, Polen, Asylrecht, Aussiedler
Die Magisterarbeit befasst sich mit der Geschichte der Migration in Deutschland seit den 1880er-Jahren bis in die Gegenwart und analysiert, wie sich Wanderungsbewegungen, Arbeitsmarktstrukturen und die staatliche Politik gegenseitig beeinflusst haben.
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der deutschen Arbeitsmigration, der Wandel von der temporären Zuwanderung zur dauerhaften Einwanderung, die Auswirkungen staatlicher Kontrollmechanismen auf Migranten sowie die soziologische Theoriebildung zu Assimilation und Integration.
Die Forschungsfrage untersucht, ob und ab wann man in Deutschland von einer Einwanderung sprechen kann, wie die Politik mit dem sozialen Prozess der Migration umging und inwieweit Zuwanderung für die deutsche Entwicklung notwendig war.
Die Arbeit nutzt die Perspektive der historischen Sozialforschung, die soziologische Theorien und Methoden mit geschichtswissenschaftlichen Verfahren verbindet, um komplexe Migrationsprozesse objektiv zu analysieren.
Der Hauptteil erstreckt sich chronologisch vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur modernen Bundesrepublik. Dabei werden spezifische Phasen wie die Anwerbung von Gastarbeitern, die Zwangsarbeit in Kriegen und der Umgang mit Asylbewerbern und Aussiedlern detailliert untersucht.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Migrationsgeschichte, Arbeitsmarktpolitik, Gastarbeiter, Einwanderungsland, soziale Integration und politische Steuerung geprägt.
Dieses System diente dazu, den Zustrom polnischer Saisonarbeiter zu kontrollieren und zu begrenzen, indem Arbeitsverträge an spezielle Dokumente gebunden wurden, die eine Kontrolle durch Behörden ermöglichten und sicherstellen sollten, dass Migranten nicht im Reich sesshaft wurden.
Die These, dass arbeitslose Deutsche einfach die Plätze von ausländischen Gastarbeitern einnehmen könnten, wird als unrealistisch zurückgewiesen, da oft ein Qualifikationsgefälle bestand, die Arbeitsbedingungen für Einheimische unattraktiv waren und die Betriebe spezialisierte Strukturen aufgebaut hatten.
Sie stellten die Siegermächte vor die Herausforderung, Millionen Menschen, die während des Krieges ins Reich verschleppt worden waren, zu versorgen und zu repatriieren, wobei ihr Status in Deutschland zwischen Fürsorge und sicherheitspolitischer Kontrolle schwankte.
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