Bachelorarbeit, 2007
38 Seiten, Note: 1,8
1 Einleitung
2 Der Untersuchungsgegenstand: Die Gruppe der Nichtraucher
2.1 Spezifikation des Begriffes „Gruppe der Nichtraucher“
2.2 Entstehung von lokalen Nichtrauchervereinen ab Mitte der siebziger Jahre
3 Theorien
3.1 Mancur Olsons Theorie „Die Logik des kollektiven Handelns“
3.1.1 Kernaussagen der Theorie Olsons
3.1.2 Die Erklärungskraft der Theorie Olsons für die Entstehung der Nichtrauchervereine
3.2 Anreize nach Clark/Wilson
3.3 Die Theorie des politischen Unternehmers
3.4 Weitere Faktoren
4 Datenerhebung und Methode
4.1 Fallauswahl und Leitfadeninterview
4.2 Operationalisierung der Anreize nach Olson
4.3 Operationalisierung der Anreize nach Clark/Wilson
4.4 Operationalisierung der Motive nach der Theorie des politischen Unternehmers
4.5 Operationalisierung weiterer Faktoren
5 Ergebnisse
5.1 Überprüfung der selektiven Anreize nach Olson
5.2 Überprüfung der Anreize nach Clark/Wilson
5.3 Überprüfung der Theorie des politischen Unternehmers
5.4 Überprüfung weiterer Faktoren
6 Zusammenfassung
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Motive und Auslöser für die Gründung von Nichtrauchervereinen in Deutschland ab Mitte der siebziger Jahre. Dabei wird geprüft, inwiefern die Entstehung dieser Organisationen durch die Theorie des kollektiven Handelns von Mancur Olson erklärt werden kann oder ob ergänzende theoretische Ansätze, wie das Konzept der selektiven Anreize nach Clark/Wilson oder die Theorie des politischen Unternehmers, zur Erklärung herangezogen werden müssen.
3.1.1 Kernaussagen der Theorie Olsons
Die wichtigste Aussage der Theorie kollektiven Handelns von Olsons ist, dass es in großen Gruppen – im Gegensatz zu kleinen Gruppen – aufgrund der Kosten-Nutzen Anreizstruktur der rational handelnden Individuen nur schwer zu kollektivem Handeln und damit zur Bereitstellung eines Kollektivgutes kommt. Das Kollektivgut einer jeden Gruppe ergibt sich aus dem gemeinsamen Interesse, das diese Gruppe kennzeichnet: „durch die Erreichung eines gemeinsamen Zieles oder die Befriedigung eines gemeinsamen Bedürfnisses [wird] ein Kollektivgut für die fragliche Gruppe bereitgestellt“ (Olson 1968: 14). Im Falle der Nichtraucher ist dies eine rauchfreie Gesellschaft. Um diese Kollektivgüter zu verfolgen, muss sich jedoch eine Organisation der Gruppe bilden, die sich für die Verfolgung der Interessen der Gruppe und die Erlangung des Kollektivgutes einsetzt und von den Individuen selbst getragen wird. Dieser Vorgang kommt bei großen Gruppen jedoch nicht ohne weiteres zustande. Denn da sich Kollektivgüter dadurch auszeichnen, dass sie sich auch bei einer sehr großen Zahl an Nutzern nicht erschöpfen und sie jedem Mitglied einer Gruppe zugänglich sind, sobald sie einem Mitglied zugänglich sind (Olson 1968: 13), stehen sie auch den Mitgliedern der Gruppe zur Verfügung, die sich in der Organisation nicht für die Bereitstellung des Kollektivgutes engagieren.
Das rational handelnde Individuum in einer großen Gruppe nutzt daher die Möglichkeit, sich nicht an der Bereitstellung des Kollektivgutes zu beteiligen: „Seine eigenen Anstrengungen werden keinen merklichen Einfluß auf die Situation seiner Organisation haben; er selbst jedoch kann sich jeder Verbesserung erfreuen, die von den anderen herbei geführt wurde, gleichgültig ob er zur Unterstützung seiner Organisation beigetragen hat oder nicht.“ (Olson 1968: 15) Dieses Phänomen des Trittbrett-Fahrens, also des Nicht Engagements, wird damit in großen Gruppen zum zentralen Problem kollektiven Handelns. Unterbunden werden kann solches Trittbrett-Fahren nur durch folgende Bedingungen: Zum einen können die Mitglieder einer Gruppe durch Zwang genötigt werden, sich an der Bereitstellung des Kollektivgutes zu beteiligen, oder sie können durch positive selektive Anreize dazu bewogen werden, sich an der Erstellung und den Kosten des Kollektivgutes zu beteiligen (Olson 1968: 2).
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der Lobbyarbeit und Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Entstehung von Nichtrauchervereinen basierend auf der Theorie von Mancur Olson.
2 Der Untersuchungsgegenstand: Die Gruppe der Nichtraucher: Definition der Zielgruppe und historische Einordnung der Entstehung von Nichtrauchervereinen seit den siebziger Jahren in Deutschland.
3 Theorien: Theoretische Fundierung durch die Logik des kollektiven Handelns, Anreiztheorien nach Clark/Wilson sowie die Theorie des politischen Unternehmers.
4 Datenerhebung und Methode: Erläuterung des gewählten Forschungsdesigns mittels Leitfadeninterviews und Operationalisierung der theoretischen Konzepte für die empirische Untersuchung.
5 Ergebnisse: Darstellung und kritische Diskussion der erhobenen Daten aus den Experteninterviews im Hinblick auf die untersuchten theoretischen Ansätze.
6 Zusammenfassung: Resümee der Untersuchungsergebnisse und Einordnung der Bedeutung von zweckmäßigen Anreizen für die Gründung der Nichtrauchervereine.
Nichtraucher, Kollektives Handeln, Mancur Olson, Selektive Anreize, Clark/Wilson, Politischer Unternehmer, Nichtraucherschutz, Bürgerinitiativen, Vereinsgründung, Interessengruppen, Rauchfreie Gesellschaft, Interessenvertretung, Rationales Handeln, Gruppeninteresse, Trittbrettfahrer.
Die Arbeit untersucht die Entstehungsbedingungen von Nichtrauchervereinen in Deutschland ab Mitte der siebziger Jahre und prüft, ob sich deren Gründung mit etablierten politikwissenschaftlichen Theorien zur kollektiven Interessenvertretung erklären lässt.
Zu den zentralen Themen gehören die Theorie des kollektiven Handelns nach Mancur Olson, die Anreizsysteme nach Clark/Wilson, die Rolle politischer Unternehmer sowie Faktoren wie persönliche Betroffenheit und soziale Netzwerke bei der Vereinsgründung.
Die zentrale Frage lautet, welche Motive und Anreize für die Gründung der Nichtrauchervereine ausschlaggebend waren und inwiefern diese mit der Theorie von Mancur Olson oder anderen Erklärungsansätzen vereinbar sind.
Es wurde eine qualitative Methode gewählt: Anhand von leitfadengestützten Experteninterviews mit Gründungsmitgliedern verschiedener deutscher Nichtrauchervereine wurden die Ursachen und individuellen Motive für die Vereinsgründungen erhoben.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Olson, Clark/Wilson, politischer Unternehmer) dargelegt, anschließend die Methode der Datenerhebung operationalisiert und schließlich die erhobenen Daten ausgewertet und auf ihre Übereinstimmung mit den Theorien überprüft.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Nichtraucherschutz, kollektives Handeln, selektive Anreize, Interessenvertretung, politische Partizipation und Bürgerinitiativen.
Olson wird kritisiert, da seine Theorie die Entstehung von Organisationen großer Gruppen primär über selektive Anreize erklärt, was in der Praxis der untersuchten Nichtrauchervereine jedoch durch die empirischen Befunde hinterfragt wird, da hier zweckmäßige Ziele im Vordergrund standen.
Der ÄARG und insbesondere dessen Vorsitzender Prof. Dr. Ferdinand Schmidt spielten eine herausragende Rolle als Katalysator und Informationsquelle, indem sie viele der lokalen Gründungsinitiativen in Deutschland maßgeblich anregten und unterstützten.
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