Doktorarbeit / Dissertation, 2010
318 Seiten, Note: sehr gut
Einleitung
Aufbau der Arbeit
Teil 1: Theoretischer Rahmen
1. Transformationen im Erwerbssystem
1.1. Prekarisierung
1.2. Subjektive Verarbeitungsmechanismen prekärer Beschäftigung
1.3. Exklusion und soziale Unsicherheit
1.4. WissensarbeiterInnen
2. Von der universitären Sozialisation zur professionellen Identität
2.1. Bildung als multidimensionaler Faktor des Wissenserwerbs
2.2. Die Studienwahlmotivation als rationale und subjektive Entscheidung
2.3. Das universitäre System zwischen Ökonomisierung und Reproduktion
2.4. Die universitäre Sozialisation: Vom Fachhabitus zum Homo Academicus
2.5. Akademischer Wissenserwerb und Kompetenzentwicklung
2.6. Der Bildungsabschluss im Zusammenhang mit Employability
2.7. Die Relevanz von Sozialkapital und sozialen Netzwerken
2.8. Die berufsbiographische Sozialisation und der berufliche Habitus
2.9. Vom biographischen (Erfahrungs-)Wissen zur professionellen Identität
3. Biographiegestaltung im Kontext der Erwerbstätigkeit
3.1. Exkurs: Biographie und narrative Kompetenz
3.2. Individualisierung im Zusammenhang mit vielfältigen biographischen Gestaltungsmodi
3.3. Selbstsozialisation und Selbstreflexion: Das Individuum als biographischer Akteur
3.4. Die Subjektivierung von Arbeit und ihre Auswirkungen auf die geschlechtsspezifische Lebensführung
3.5. Weibliche Lebensplanung in Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie
3.6. Pluralisierte Familienformen und biographische Ambivalenzen
3.7. Das Konzept der Work-Life-Balance als Faktor der Lebensqualität
4. Der Berufseinstieg von SozialwissenschaftlerInnen
4.1. Befunde zum Berufseinstieg von SozialwissenschaftlerInnen allgemein
4.2. Soziologie als Studium und im Beruf – empirische und theoretische Implikationen
4.2.1. Allgemeine Situation vor dem Studium
4.2.2. Motivlagen, Eigenschaften der Studierenden und Relevanz der Studieninhalte
4.2.3. Nützliche erworbene fachliche und soziale Kompetenzen
4.2.4. Quellen der Arbeitssuche, Beschäftigungsverhältnisse und berufliche Situation
4.2.5. Arbeitsbereiche und Fach-Adäquanz
4.2.6. Aspekte der Professionalisierunng
4.3. Professionalisierungschancen der Soziologie
Fazit: Biographiegestaltung von SozialwissenschaftlerInnen als selbstreflexive Herausforderung im Kontext von Statuspassagen
Teil 2: Forschungsdesign und Methodologie
5. Theoretisches Sampling
5.1. Eigenschaften und Auswahl des Samples
5.2. Sampling-Strategien
6. Exkurs: Forschung im eigenen Feld
7. Erhebungs- und Auswertungsverfahren
7.1. Das narrative Interview
7.2. Transkription und Einsatz qualitativer Analysesoftware
7.3. Abgrenzung der formalen Netzwerke von den analytischen Netzwerken
8. Analysemethoden
8.1. Grounded Theory
8.2. Narrationsanalyse
8.3. Die qualitative Netzwerkanalyse
Diskussion: Limitationen und Qualitätskriterien der Methode
Teil 3: Empirische Ergebnisse
9. Beruflicher Sozialisationsprozess
9.1. Biographische Entscheidungen und Ressourcen
9.1.1. Studienwahlprozess und Motive
9.1.2. Ressourcen für die Ausbildung
9.2. Arbeitsrelevante Aspekte
9.2.1. Arbeitsbedingungen
9.2.2. Work-Life Balance
9.3. Beruflicher Sozialisationsprozess: Beschreibung des Kategoriensystems
10. Individuelle Identitätskonstruktion
10.1. Subjektive Identität
10.1.1. Selbstbild
10.1.2. Einstellung zu alternativen Bildungsoptionen
10.1.3. Familienbild und subjektive Relevanz
10.2. Gesellschaftliche Konstruktionen
10.2.1. Fremdbild und Rezeption
10.3. Individuelle Identitätskonstruktion: Beschreibung des Kategoriensystems
11. Biographische Exklusionsrisiken
11.1. Individuelle Unsicherheitsrisiken und Systemische Restriktionen
11.1.1. Strukturelle Restriktionen im Beschäftigungssystem
11.1.2. Strukturelle Restriktionen im Studium
11.1.3. Zukünftige Aspirationen
11.2. Biographische Exklusionsrisiken: Beschreibung des Kategoriensystems
12. Professioneller Habitus
12.1. Akademischer Habitus
12.1.1. Akademischer Status und Qualifikationen
12.1.2. Soziologische Denkweise und Qualifikationen
12.2. Berufliche Erfolgsstrategien
12.2.1. Berufsstrategische Kompetenzkonstruktion
12.2.2. Soziales Netzwerk
12.3. Professioneller Habitus: Beschreibung des Kategoriensystems
12.4. Ergebnisse der Qualitativen Netzwerkanalyse
Teil 4: Diskussion
13. Der Berufseinstieg und die Lebenswelt von SozialwissenschaftlerInnen im Kontext der Transformationen des Erwerbssystems
13.1. Entscheidung für das Studium
13.2. Universitäre Bildung
13.3. Akademischer Fachhabitus
13.4. Akademischer Status
13.5. Berufliche Qualifizierung und entscheidende Kompetenzen
13.6. Die Relevanz von sozialen Netzwerken
13.7. Professionalisierung der Soziologie
13.8. Beruflicher Erfolg von SozialwissenschaftlerInnen
13.9. Beruf, Freizeit und Familie
13.10. Konzeptionen und Eigenschaften von Familie
13.11. Auswirkungen der Transformationen des Erwerbssystems
Exkurs: Methodische Reflexion
Qualitative Forschung und das Kontextwissen
Theorie versus Empirie
Qualitative Methodik – Individuum und System
Der realisierte Forschungsprozess und abschließende Bemerkungen
Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht den Berufseinstieg von SozialwissenschaftlerInnen, insbesondere SoziologInnen, im Kontext der Transformationen des modernen Erwerbssystems. Dabei wird der Übergang von der universitären Bildung in das Erwerbsleben sowie die individuelle Biographiegestaltung und Identitätskonstruktion in einer durch Individualisierung und prekäre Beschäftigungsformen geprägten Gesellschaft analysiert.
Die Subjektivierung von Arbeit und ihre Auswirkungen auf die geschlechtsspezifische Lebensführung
Betrachtet man nun den Übergang vom Studium in den Beruf, dann stößt man auf das Konzept der Subjektivierung von Arbeit. Aufgrund der gesellschaftlichen Veränderung durch Modernisierung und Globalisierung sowie Individualisierung, ist es zu einer Widersprüchlichkeit zwischen System und Individuum gekommen. (Honneth 2000). Diese Ambivalenzen sind „prinzipiell unauflösbare, identitätsrelevante Erfahrungen von Akteuren im Handlungsfeld von nicht miteinander zu vereinbarenden Strukturen.“ (Lüscher 2005 zit. in Lange et al. 2005: 115) Auch die Lebensbereiche, wie etwa Familie, unterliegen einem Wandeln, nicht zuletzt auch aufgrund der Flexibilisierungs- und Entgrenzungstendenzen der heutigen Erwerbsarbeit. Dabei werden zwei Positionen vertreten. Einerseits können neue Formen von Arbeitsverhältnissen eine Chance zur Persönlichkeitsentfaltung und Selbstverwirklichung bieten, aber andererseits können dadurch die ArbeitnehmerInnen eine gewisse Ausnutzung ihrer Arbeitskraft erfahren. In der aktuellen arbeitsmarktsoziologischen Literatur wird vor allem von der Subjektivierung der Arbeit gesprochen. (Lohr, Nickel 2005, Moldaschl und Voß 2003) Gerade die Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien und die Globalisierung haben neue Optionen gebracht. „Alle gesellschaftlichen Ebenen, von den Denkweisen über die Institutionen bis hin zu den sozialen Beziehungen und den Identitätskonstruktionen der Individuen, werden von diesem Wirkungsgeflecht erfasst.“ (Lange et al. 2005: 119)
Im Zuge der Subjektivierung von Arbeit nimmt vor allem die Arbeit in Projekten zu und diese neuen Anforderungen verlangen von den Individuen, dass sie sich selbst ständig verbessern müssen, in unterschiedlichen Teams Identitätsarbeit zu leisten haben und auch die Fähigkeit zur ständigen Reflexion mitbringen müssen. „Der Mensch muss „ständig von Gruppenorientierung zu Gruppenorientierungen in neue soziale Rollen schlüpfen [und kann] in jeder dieser Rollen nur einen Teil seiner persönlichen Identität [aktualisieren und thematisieren].“ (Hitzler und Honer 1994: 310) Dabei wird er zum „Sinnbastler“ und seine „Bastelexistenz“ ist „sozusagen [eine] reflexive Form des individualisierten Lebensvollzugs. (ebd.: 311)
1. Transformationen im Erwerbssystem: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Wandel von Arbeitsformen und dem Phänomen der Prekarisierung.
2. Von der universitären Sozialisation zur professionellen Identität: Untersuchung der Bildung als Faktor des Wissenserwerbs und die Rolle der Universität als Sozialisationsinstanz.
3. Biographiegestaltung im Kontext der Erwerbstätigkeit: Analyse, wie Individuen ihren Lebenslauf unter den Bedingungen von Individualisierung und Flexibilisierung gestalten.
4. Der Berufseinstieg von SozialwissenschaftlerInnen: Empirische Befunde zu Studienwahl, beruflicher Situation und den Professionalisierungschancen der Soziologie.
5. Theoretisches Sampling: Methodologische Beschreibung der Fallauswahl für die empirische Untersuchung.
7. Erhebungs- und Auswertungsverfahren: Darstellung der Verwendung narrativer Interviews und qualitativer Analysewerkzeuge.
8. Analysemethoden: Erläuterung der Anwendung von Grounded Theory und Narrationsanalyse.
9. Beruflicher Sozialisationsprozess: Empirische Ergebnisse zu Studienwahlmotiven und Arbeitsbedingungen.
10. Individuelle Identitätskonstruktion: Untersuchung von Selbstbildern und gesellschaftlichen Einflüssen auf die Identität.
11. Biographische Exklusionsrisiken: Analyse von Unsicherheitsrisiken und strukturellen Restriktionen im Berufsleben.
12. Professioneller Habitus: Erörterung der Entwicklung eines beruflichen Selbstverständnisses und Erfolgsstrategien.
13. Der Berufseinstieg und die Lebenswelt von SozialwissenschaftlerInnen im Kontext der Transformationen des Erwerbssystems: Diskussion der Ergebnisse im theoretischen Kontext.
Berufseinstieg, Sozialwissenschaften, Soziologie, Prekarisierung, Arbeitsmarkt, Biographiegestaltung, Lebenslauf, universitäre Sozialisation, Identitätskonstruktion, Netzwerke, Employability, Work-Life-Balance, Professioneller Habitus, qualitative Sozialforschung, Transformationen im Erwerbssystem.
Die Arbeit untersucht den Übergang von SozialwissenschaftlerInnen, insbesondere SoziologInnen, von der universitären Ausbildung in den Beruf im Kontext der Transformationen des modernen Erwerbssystems.
Zentrale Themen sind Prekarisierung, universitäre Sozialisation, Biographiegestaltung, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (Work-Life-Balance) sowie der professionelle Habitus und die Rolle sozialer Netzwerke beim Berufseinstieg.
Das Ziel ist es zu erforschen, wie sich die Lebenswelt von AkademikerInnen durch den Eintritt in ein sich wandelndes Berufsfeld darstellt und welche Strategien sie bei der Biographiegestaltung anwenden.
Die Arbeit nutzt eine qualitative empirische Herangehensweise, basierend auf narrativen Interviews, einer qualitativen Netzwerkanalyse und der Methode der Grounded Theory.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Rahmen zu Erwerbssystem und Sozialisation sowie einen empirischen Teil, der den beruflichen Sozialisationsprozess, Identitätskonstruktion und Exklusionsrisiken der Befragten detailliert darstellt.
Schlüsselworte sind Berufseinstieg, Prekarisierung, Biographiegestaltung, Sozialwissenschaften, Soziologie und Identität.
Soziale Netzwerke sind laut der Untersuchung eine der entscheidenden Ressourcen, um im Berufsleben Fuß zu fassen, sei es durch Empfehlungen oder den Austausch mit KollegInnen.
Die Untersuchung zeigt, dass sie ihre Strategien individuell anpassen, etwa durch Zusatzausbildungen, Engagement oder die bewusste Suche nach Tätigkeiten in Bereichen, die trotz Unsicherheit persönliche Erfüllung bieten.
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