Bachelorarbeit, 2010
45 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Aldo Moro
2.1. Die „Öffnung nach links“ und der „Historische Kompromiss“
3. Brigate rosse
4. Die Entführung
4.1. Der Hinterhalt
4.2. Das tödliche Kommando
5. Die Gefangenschaft und die Ermittlungen
5.1. Aldo Moro als „politischer Gefangener“ der Brigate rosse
5.2. Die ersten Briefe aus dem Volksgefängnis
5.3. Via Gradoli 96, der Duchessa-See und das gefälschte Kommuniqué
5.4. In Italien wird die Todesstrafe wieder eingeführt
5.5. Moro wird aufgegeben
6. Der Mord
7. Ermittlungen und neue Erkenntnisse nach dem Tod Moros
7.1. Verhaftungen
7.2. Warum Moro?
7.3. Vorzeichen
7.4. Ermittlungspannen oder gewollte Irreführungen?
7.4.1. Die Geheimdienste
7.4.2. Das organisierte Verbrechen
7.4.3. Das UCIGOS und das Volksgefängnis, das nicht gefunden werden sollte
7.4.4. Das rote Renault 4
7.4.5. Mailand, Via Monte Nevoso und das Memoriale von Moro
7.4.6. Propaganda 2 und Gladio
8. Epilog
Die Arbeit analysiert den Entführungs- und Mordfall des italienischen Politikers Aldo Moro im Jahr 1978 und untersucht kritisch, inwieweit die damalige staatliche Haltung und das Versagen bei den Ermittlungen auf gezielte Manipulationen durch Geheimdienste, politische Intrigen oder das organisierte Verbrechen zurückzuführen sind.
4.1. Der Hinterhalt
Am Morgen des 16. März 1978 ging Aldo Moro kurz vor 9 aus seinem Haus in Via Forte Trionfale, wo die Männer seiner Leibwache, die Carabinieri Oreste Leonardi und Domenico Ricci sowie die Polizisten Raffaele Jozzino, Giulio Rivera und Francesco Zizzi auf ihn warteten. Der Politker stieg in seinem Dienstfahrzeug, einen Fiat 130, hinten ein, begleitet vom Chef des Personenschutzes, Leonardi, der seit 15 Jahren Moros Leibwächter war. Das Auto wurde von Domenico Ricci gefahren, auch er ein erfahrener Mann, bereits seit 20 Jahren Moros Fahrer. Der Fiat wurde von einem Alfa Romeo Alfetta gefolgt, in dem die anderen drei Mitglieder der Leibwache Platz nahmen. Auf dem Fahrplan stand als erstes Ziel die Kirche Santa Chiara, danach hätte es weitergehen müssen Richtung Palazzo Montecitorio, Sitz der Abgeordnetenkammer und des italienischen Parlaments. Die Autos bogen planmäßig in die Via Fani ab. Eine Frau hob einen Blumenstrauß in die Luft. Die Autos näherten sich der Kreuzung mit der Via Stresa. Domenico Ricci reduzierte die Geschwindigkeit, weil ein davor auf der rechten Straßenseite geparkter weißer Fiat 128 mit Diplomatenkennzeichen, sich vor Moros Autos eingeordnet, und in Bewegung gesetzt hatte. Kurz vor der Kreuzung bremste dann das Diplomatenfahrzeug plötzlich. Domenico Ricci, der vom eigenartigen Manöver anscheinend überrascht war, musste mit voller Wucht bremsen und versuchte dem Fiat auszuweichen, erwischte das Auto aber trotzdem leicht am rechten hinteren Kotflügel. Giulio Rivera kam hinter ihm auch nicht mehr rechtzeitig zum stehen, was ein Aufprallunfall zwischen den zwei Dienstautos verursachte.
1. Einleitung: Stellt den historischen Kontext des „Falls Moro“ dar und wirft grundlegende Fragen nach der politischen Dimension und der Aufarbeitung des Verbrechens auf.
2. Aldo Moro: Porträtiert die Biografie Moros, seine politische Laufbahn und seine Bestrebungen zur politischen Stabilität durch den „Historischen Kompromiss“.
3. Brigate rosse: Beschreibt die Entstehung der Roten Brigaden, ihre Ideologie, den bewaffneten Kampf und den Übergang zu einer stärkeren, hierarchischen Struktur unter Mario Moretti.
4. Die Entführung: Dokumentiert detailliert den Ablauf des Anschlags in der Via Fani und die Identifizierung der beteiligten Kommandomitglieder.
5. Die Gefangenschaft und die Ermittlungen: Analysiert den Umgang der Regierung mit der Entführung, die „harte Linie“ (linea di fermezza) und die zahlreichen, teils mysteriösen Zwischenfälle bei der Suche nach Moro.
6. Der Mord: Schildert die letzten Stunden des Falles, den finalen Anruf der Brigaden und die Entdeckung von Moros Leiche.
7. Ermittlungen und neue Erkenntnisse nach dem Tod Moros: Untersucht die Rolle der Geheimdienste, der Mafia und das Auffinden des „Memoriale“ sowie die Strukturen von P2 und Gladio.
8. Epilog: Resümiert die politische Verantwortung und die Erkenntnisse aus den Aussagen von Steve Pieczenik bezüglich der Manipulation der öffentlichen Meinung und der Entscheidungsträger.
Aldo Moro, Brigate rosse, Entführung, Via Fani, Politische Strategie, Geheimdienste, Strategia della tensione, Propaganda 2, Gladio, Staatskomplott, Ermittlungspannen, Democrazia Cristiana, Giulio Andreotti, Francesco Cossiga, Memoriale
Die Arbeit befasst sich mit der Entführung und Ermordung von Aldo Moro durch die Brigate rosse im Jahr 1978 und untersucht, ob es sich dabei lediglich um einen terroristischen Akt handelte oder ob staatliche Akteure und Geheimorganisationen den Verlauf beeinflussten.
Die zentralen Themen sind der italienische Linksterrorismus, die Rolle der Sicherheitsdienste während der „bleiernen Jahre“, politische Strategien in Zeiten des Kalten Krieges und die Aufdeckung verdeckter Machtstrukturen wie P2 und Gladio.
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der offiziellen Darstellung der Ereignisse und den Erkenntnissen aus späteren Ermittlungen aufzuzeigen, um die offenen Fragen zur Rolle von Politik und Geheimdiensten im Fall Moro zu beleuchten.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden historischen Quellenanalyse, bei der Ermittlungsakten, Zeugenaussagen, veröffentlichte Dokumente (wie das „Memoriale“) und zeitgenössische Berichte kritisch gegeneinander abgewogen wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in die chronologische Schilderung der Ereignisse vom 16. März bis zum 9. Mai 1978 sowie eine anschließende detaillierte Analyse der Erkenntnisse über geheime Netzwerke und deren mutmaßliche Einmischung.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Strategia della tensione“, „Geheimdienste“, „Gladio“, „P2“ und „Staatsräson“ maßgeblich geprägt.
Laut der Untersuchung gab es Hinweise, dass Ausrüstungsgegenstände und Vorgehensweisen, die den Roten Brigaden untypisch waren, Verbindungen zu Gladio-Strukturen nahelegen, was eine Manipulation des Falles durch Geheimdienstakteure plausibel erscheinen lässt.
Das Memoriale enthielt geheime Aufzeichnungen Moros über brisante Machtspiele, Finanzierungsstrukturen der Politik durch die CIA und die Existenz der Geheimorganisation Gladio, was ihn für einflussreiche Kreise gefährlich machte.
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