Wissenschaftliche Studie, 2010
246 Seiten
1. Vorwort
2. Der Parzivalprolog
2.1 Rückblick
2.2 Eine „Neue Lektüre des Parzivalprologs“?
2.3 Ein neues Forschungsprofil?
2.4 „zwîvel“-Metapher versus „bast“-Konzept - Erinnerung an einen alten Streit um literarische Konzepte
2.5 Warum entzieht sich der Parzivalprolog dem „Zugriff“ der traditionellen Forschung?
2.6 Unreflektierte Prämissen in der heutigen Literaturwissenschaft des Mittelalters
2.7 Gründe des Scheiterns
2.8 Der „Hasenvergleich“ im Verhältnis zum „vliegenden bîspel“
2.9 Die „Kunst des Jagens“ und Dichtens
2.10 Die Pointe des Hasenvergleichs
2.11 Folgerungen
2.12 Vom Eingang zum Höhepunkt des Romangeschehens
2.13 Die Probe auf´s Exempel und Deutung einiger Hauptmotive des Textes auf diesem Hintergrund
2.14 Interpretation des vliegenden bîspels aus lebensweltlicher Sicht
2.15 Deutung des „zwîvel“ aus vorreformatorischer Perspektive
3. Das Menschenbild des Parzivalromans
3.1 Das dichterische Bild einer schweren Schuld
3.2 Parzival und seine Brüder
3.3 Das fiktive Konzept einer „dreifältigen“ Existenz in seiner naturgeschichtlichen, geschichtlichen und heilsgeschichtlichen Dimension durch die Gestalten Feirefiz - Gawan - Parzival
3.4 Dreiteiligkeit und Dreieinigkeit
4. Das Bild der Frau im „Parzival“
4.1 Orgeluse als Romangestalt - Eleonore von Aquitanien - historisches Vorbild für eine literarische Figur?
4.2 Die Frau im Romankonzept nach biblischem Muster
5. Das Bild des Mannes. Die drei Namen Parzivals
5.1 Feirefiz
5.1.1 Die Gestalt des Feirefiz in der bisherigen Forschungsgeschichte
5.1.2 Feirefiz, der Bruder Parzivals; Heide - Anschevin - Mahdi
5.1.3 Feirefiz, der „Messias“
5.2 Gawan
5.2.1 Gawan als Komplementärfigur - das „alter ego“ Parzivals
5.2.2 Der Epilog von Buch VI - eine Szene vor dem Spiegel
5.2.3 Die Kämpfe Gawans
5.2.4 Gawan und das Schicksal der Menschen auf Schastel marveille oder die gesellschaftliche Perspektive der Schuld Parzivals
5.2.5 Gawan und Orgeluse, die Frau seines Lebens
5.2.6 Gawan und Parzival, Wiedervereinigung beider Figuren und Abgesang für Gawan
5.3 Parzival
5.3.1 Das dichterische Bild des Gralsgeschlechtes vor seinem konzeptionellen Hintergrund
5.3.2 Das Gralsgeschlecht und die Lehre der Väter
5.3.3 Deutungsversuch der Gralsfrage auf dem Hintergrund der Väterlehre: Die Erneuerung des Urstandes durch die Taufe
5.3.4 Die „Positivierung des Sündenfalles“
5.3.5 Die Erneuerung des Urstandes durch die Taufe und die Teilhabe am Corpus Christi Mysticum
5.3.6 Natur und Übernatur bei Feirefiz und Parzival
6. Dichterische Bilder - literarische Metamorphosen
6.1 Die Entstehung des Geschlechternamens der „Anschevin“ mit den literarischen Mitteln der Satire, Parodie und Travestie
6.2 Parzival - Feirefiz - Amfortas - und die Erlösungsfrage
6.3 Eine alternative Deutung der zweiten Gralsszene
6.4 Der Gral – ein sonderbares „dinc“!
6.5 „gemach“ - ein Schlüsselwort der zweiten Gralsszene
6.6 Das „dinc“ und andere orientalischer Motive
6.7 Der Fischerkönig im Komplex der Gralsmotive
6.8 Gralsmotive im „Durchgang durch ein orientalisches Medium“: Der Gestaltwandel biblischer und koranischer Motive auf der fiktiven „heilsgeschichtlichen“ Ebene des Romans
7. Die Lüge Trevricents als Wendepunkt des Romans und als Problem der Wolframforschung
8. Poetologische Aussagen, die das Bild des Grals bei seinem ersten Erscheinen umrahmen
8.1 Die Kehrseite dichterischer Bilder
8.2 Die mögliche Herkunft und Deutung wichtiger Motive und ihr Gestaltwandel im Hinblick auf den ganzheitlichen Bildhintergrund des Parzivalromans
8.3 Das Abendmahlsmotiv im Koran und im „Parzival“ Glaubensmotiv - Märchenmotiv - Gralsmotiv
8.4 Das Messiasmotiv in seiner Doppeldeutigkeit im „Parzival“
8.5 Das „zwîvel-Motiv“ in den programmatischen Anfängen des „Parzival“, des Koran und des Johannesevangeliums
8.6 Die Herkunft wichtiger Bildmotive der Gralsszene
9. Vom „Parzival“ zum „Willehalm“
10. Der Prolog des „Willehalm“
Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, einen alternativen Zugang zum Parzivalroman von Wolfram von Eschenbach zu eröffnen, indem sie das Werk als ein „Schicksalsrätsel“ begreift. Der Autor hinterfragt die traditionelle Literaturwissenschaft und argumentiert, dass der Roman und insbesondere sein Prolog nur durch das Verständnis von „Bickelwörtern“ (Äquivokationen) und den lebensweltlichen, insbesondere mittelalterlich-religiösen Hintergrund, erschlossen werden können. Ziel ist es, die konzeptionelle Einheit des Werkes im Kontext von Christentum und der Auseinandersetzung mit dem Islam aufzuzeigen.
2.4 „zwîvel“-Metapher versus „bast“-Konzept - Erinnerung an einen alten Streit um literarische Konzepte
Die beiden ersten Verse des Parzivalprologs werden nicht ohne Grund als „Eingang“ bezeichnet. In dieser Funktion sind sie das „Burgtor“ zum Roman, das mit seiner janusköpfigen „zwîvel“-Metapher den Romankomplex vor ungebetenen Gästen und Geistern schützt. Wer glaubt, sich gewaltsam Zutritt verschaffen zu können, holt sich eine blutige Nase, wie der Hasenvergleich zeigt. Der „zwîvel“ hat ein mythisch anmutendes Doppelgesicht: Mit strengem Blick nach außen ist seine Kehrseite mit einladender Geste nach innen gerichtet. - Bevor ich mich dem „zwîvel“ in seiner positiven Bedeutung für das Romankonzept zuwende, soll kurz die abwehrende Haltung und Richtung der „zwîvel“-Metapher gegenüber zeitgenössischen literarischen Konzepten erörtert werden.
Janus ist der „altrömische Gott des Torbogens und besonders der öffentlichen Durchgänge... Der Gott des Eingangs wurde später der Gott des Anfangs... Als Gott der Tür wurde Janus nach außen und innen schauend mit einem Doppelantlitz und den Attributen Schlüssel und Pförtnerstab dargestellt.“ (dtv-Lexikon) In dieser Funktion dient die „zwîvel“-Metapher des Eingangs auf zweierlei Weise. Nach außen wendet sie sich polemisch gegen die literarischen Konzepte der Dichterkollegen Hartmann von Aue und Gottfried von Straßburg. Wenn man die wörtliche, etwas „biestig“ klingende Bedeutung von „zweierlei Fellen“ zulässt, wie ich sie in meiner ersten Studie identifiziert hatte, kann es sich damit sowohl um eine ironische Anspielung auf die hypertrophierte Darstellung der „Verzweiflung“ in Hartmanns von Aue „Gregorius“ handeln, als auch um eine Satire in Kurzform auf das „Fellabziehen“ im „Tristan“ Gottfrieds von Straßburg.
1. Vorwort: Einleitung in die Thematik der Rätselhaftigkeit des Parzivalprologs und Erläuterung der persönlichen Forschungsansätze des Autors.
2. Der Parzivalprolog: Detaillierte Analyse des Prologs, der als „Schicksalsrätsel“ verstanden wird, inklusive der Auseinandersetzung mit der bisherigen Forschung.
3. Das Menschenbild des Parzivalromans: Untersuchung der trinitarischen Struktur des Helden Parzival, Gawan und Feirefiz im Kontext mittelalterlicher Weltsicht.
4. Das Bild der Frau im „Parzival“: Analyse der weiblichen Figuren, insbesondere Orgeluse, in Bezug auf historische Vorbilder und biblische Konzepte.
5. Das Bild des Mannes. Die drei Namen Parzivals: Vertiefung der Charakterisierung von Feirefiz, Gawan und Parzival als Repräsentanten verschiedener Seinsaspekte.
6. Dichterische Bilder - literarische Metamorphosen: Untersuchung literarischer Bilder und deren Umwandlungsprozesse, insbesondere im Kontext von Orient und Okzident.
7. Die Lüge Trevricents als Wendepunkt des Romans und als Problem der Wolframforschung: Diskussion der zentralen „Lüge“ des Trevricent und deren Funktion für die Gesamtdeutung des Romans.
8. Poetologische Aussagen, die das Bild des Grals bei seinem ersten Erscheinen umrahmen: Analyse der poetologischen Rahmenbedingungen der Gralsdarstellung.
9. Vom „Parzival“ zum „Willehalm“: Vergleich der beiden Hauptwerke Wolframs von Eschenbach in Bezug auf ihre religiösen und politischen Zielsetzungen.
10. Der Prolog des „Willehalm“: Wiedergabe und erste Kommentierung des Prologs als Glaubensbekenntnis.
11. Literaturangaben: Verzeichnis der genutzten Quellen.
12. Index: Register der wichtigsten Begriffe und Namen.
Parzival, Wolfram von Eschenbach, Gral, zwîvel, Feirefiz, Gawan, mittelalterliche Dichtung, Exegese, Schicksalsrätsel, Literaturwissenschaft, Äquivokation, Orient, Christentum, Islam, Literaturgeschichte.
Die Arbeit untersucht den Parzivalroman von Wolfram von Eschenbach und argumentiert, dass er als „Schicksalsrätsel“ konzipiert ist, welches durch die Entschlüsselung spezifischer „Bickelwörter“ und den Einbezug mittelalterlich-religiöser Hintergründe neu interpretiert werden muss.
Zu den zentralen Themen gehören die konzeptionelle Struktur des Grals, das Verhältnis von Christentum und Islam im Mittelalter, die Bedeutung von literarischen Metaphern und die Rolle der „Frauenlehre“ im Roman.
Das primäre Ziel ist es, einen alternativen Zugang zum Parzivalroman zu finden, der sich von der traditionellen germanistischen Forschung distanziert und die Rätselhaftigkeit des Textes durch eine vorreformatorisch-katholische Perspektive erklärt.
Der Autor nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der philologische Textanalyse, Etymologie, historische Kontextualisierung (insbesondere die Kreuzzugsgeschichte und Koranrezeption) und phänomenologische Aspekte kombiniert.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Parzivalprolog, der trinitarischen Struktur der Hauptfiguren, der Rolle der Frau und der symbolischen Bedeutung des Grals in Auseinandersetzung mit orientalischen Motiven.
Wichtige Schlüsselwörter sind Parzival, Wolfram von Eschenbach, Gral, zwîvel, Feirefiz, Gawan, Exegese und Schicksalsrätsel.
Der Autor interpretiert „zwîvel“ nicht als bloße „Verzweiflung“, sondern als ein „Bickelwort“ mit der wörtlichen Bedeutung von „zweierlei Fellen“ (Hüllen), was auf die Rüstung und Haut des Helden anspielt.
Der Autor sieht im Kampf zwischen Christentum und Islam den wesentlichen apologetischen Kontext des Romans. Er argumentiert, dass Wolfram den Koran und andere orientalische Quellen als fiktive Vorbilder zur Kontrastierung und parodistischen Auseinandersetzung genutzt hat.
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