Diplomarbeit, 2008
68 Seiten, Note: Sehr gut
1 WIE MAN WIRD, WAS MAN WIRD
1.1 Bildungswegentscheidungen im Überblick
1.1.1 Nach der Volksschulzeit
1.1.2 Nach der Pflichtschulzeit
1.1.3 Nach der Matura
1.2 Soziale Mechanismen
1.2.1 Boudons primäre und sekundäre Effekte der Herkunft
1.2.2 Ein Blick auf Bourdieus Bildungswegtheorie
1.3 Schulwahlmotive …
1.3.1 … der Eltern
1.3.2 … und der Jugendlichen
1.3.3 PISA-Zusatzerhebung
2 BISHERIGE UNTERSUCHUNGEN (2006 – 2007)
2.1 Wissenswertes über die HS Gunskirchen
2.1.1 Wahlpflichtfächer (WPF) – neu
2.2 Fragebögen zu den Schulwahlmotiven (2006)
2.2.1 Was ist der Rudeleffekt?
2.2.2 Gründe-Bündel
2.2.3 Ergebnisse der Umfrage
2.3 SWOT-Analyse der Wahlpflichtfächer 2007
2.3.1 Quantitative Daten …
2.3.2 … und ihre Interpretation
3 ZUR HAUPTSCHULE GUNSKIRCHEN
3.1 Maßnahmen und Angebote der Schulleitung
3.1.1 Director’s cut
3.1.2 Bilanz eines Chefs
3.2 Eigene Beiträge
3.3 Forscher(s) Drang
4 INTERVIEWS
4.1 Warum Interviews?
4.2 Auswahl der Befragten
4.3 Praktische Umsetzung
4.3.1 Ute, 15. April 2008: HBLW
4.3.2 Georg, 23. April 2008: HTL (Chemische Betriebstechnik)
4.3.3 Monika, 24. April 2008: ORG (Franziskanerinnern)
4.3.4 Mario und Cristoph, 24. April 2008: HTL (Mechatronik)
4.3.5 Kathrin, 28. April 2008: HAK 2
4.3.6 Carla, 29. April 2008: HTL für Grafik & Design HAK 1 (?)
4.3.7 Constanze, 5. Mai 2008, BORG (Musikzweig)
4.3.8 Sonja und Silvia, 6. Mai 2008, PTS (Büro)
4.4 „Männliche” und „weibliche” Unterrichtsfächer
4.4.1 Eine geschlechtsspezifische Reihung …
4.4.2 … und ihre Erklärungen dafür
5 WAS FÜR DATEN!
5.1 Allgemeines über die Daten
5.1.1 Antworten auf Fragen
5.1.2 Die Hauptschule in der Statistenrolle
5.2 Die Zeitdimension
5.2.1 Die früh Entschlossenen
5.2.2 Die Panischen
5.3 Folgerungen aus der Zeitdimension
5.4 „Gender-Brille“ und Schulwahlentscheidung
5.4.1 Gedankenexperiment zur Geschlechtshomogenität der BHS
5.4.2 Der Preis, der zu zahlen ist?
6 VERSUCH ÜBER EINEN SCHULVERSUCH
6.1 Genese eines Schulversuchs
6.2 Das modulare System für BOBI in der Theorie
6.3 Chancen und Risiken
7 SCHLUSS JETZT!
7.1 Vorder-Gründe 2008
7.2 Hinter-Gründe 1979
Die Arbeit untersucht das Zustandekommen von Schulwahlentscheidungen am Ende der Hauptschulzeit. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie komplex dieser Prozess ist und welche Rolle das Geschlecht, die soziale Herkunft sowie die schulischen Beratungsangebote dabei spielen.
1 WIE MAN WIRD, WAS MAN WIRD
Als ich vierzehn war, musste ich mich entscheiden. Leider hatte ich nicht den Hauch einer Idee, was ich auf die immer häufiger auftauchende Frage „Was willst du denn einmal werden?“ antworten sollte. Meine Antwort aus Kindertagen – „Astronaut!“ – war aus zahlreichen Gründen obsolet geworden, wobei meine Mutter als Hauptargument dagegen die eher mäßige Performance im Fach Englisch ins Treffen führte. Aber auch sie wusste keinen anderen Rat als „Bildung ist das einzige, was zählt.“ Na gut, dachte ich, aber welche Art von Bildung? Doch nicht etwa weitere Schulbildung? Andererseits war die Vorstellung der Alternative, nämlich arbeiten zu gehen, mindestens ebenso nebulos, vielleicht noch abschreckender durch die vermutete körperliche Anstrengung. Ich hatte die Wahl zwischen Pest und Cholera, stand zwischen Skylla und Charybdis.
Und lassen Sie mich hinzufügen: Ich war ein schlechter Schüler. Ich besuchte den A-Zug einer Welser Hauptschule und es war mir gelungen, zum Semester in Mathematik beinahe auf einer Fünf zu stehen. Herausragende schulische Leistungen erbrachte ich an Nebenfronten wie Geschichte oder Physik/Chemie, was bekanntlich niemand braucht. Meine Fähigkeiten, die deutsche Sprache zu meistern, wurden von meiner Unfähigkeit, mich der englischen zu bedienen, neutralisiert. Und in Werken verdankte ich es nur dem Glück des Ahnungslosen, nicht schon in frühester Jugend mehrere Finger eingebüsst zu haben. Was also tun mit einem missratenen Kind, das nur eine Mutter lieben kann?
Die Lehrer (damals fast alle noch männlich) wussten keinen Rat. Den wusste dafür ein Freund meines Stiefvaters: „Schickt ihn doch auf die Chemie-HTL. Da kann er zu Fuß hingehen.“ So beginnen Karrieren. Mangels eigener Ideen freundete ich mich im Winter 1979 mit dem Gedanken an, zu Fuß in die Schule zu gehen.
1 WIE MAN WIRD, WAS MAN WIRD: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Bildungsentscheidungen, unter anderem durch Boudons Herkunftseffekte und Bourdieus Theorie.
2 BISHERIGE UNTERSUCHUNGEN (2006 – 2007): Hier werden frühere Studien zur Schulwahl an der HS Gunskirchen präsentiert, einschließlich der Analyse von Wahlpflichtfächern und Fragebogen-Ergebnissen.
3 ZUR HAUPTSCHULE GUNSKIRCHEN: Es erfolgt eine Bestandsaufnahme der schulischen Maßnahmen zur Berufsorientierung, ergänzt durch kritische Einschätzungen der Schulleitung.
4 INTERVIEWS: Dieses Kernkapitel dokumentiert qualitative Interviews mit Schülern zu ihren individuellen Entscheidungswegen und ihrer Wahrnehmung geschlechtsspezifischer Fächer.
5 WAS FÜR DATEN!: Aus den Interviews werden Muster abgeleitet, eine Taxonomie der Entscheidungsfindung erstellt und die Rolle der Zeitdimension analysiert.
6 VERSUCH ÜBER EINEN SCHULVERSUCH: Der Autor beschreibt die Entwicklung eines Konzepts zur Einführung eines modularen Systems als Schulentwicklungsprojekt.
7 SCHLUSS JETZT!: Ein abschließender Reflexionsprozess verbindet die theoretischen Erkenntnisse mit den praktischen Erfahrungen des Autors als Lehrperson.
Bildungswegentscheidung, Hauptschule, Chancengleichheit, Soziale Herkunft, Bourdieu, Boudon, Geschlechtsspezifische Wahl, Berufsorientierung, Schulwahlmotive, Schulentwicklung, Quantitative Analyse, Qualitative Interviews, Gender-Brille, Bildungsungleichheit, Berufswunsch.
Die Arbeit analysiert, wie Schülerinnen und Schüler einer Hauptschule ihre Bildungsentscheidungen treffen und welche Faktoren dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Die zentralen Themen sind soziale Herkunft, die Wirkung von Geschlechterstereotypen, die Rolle des Lehrerkollegiums sowie der Einfluss von Eltern und Freunden auf die Wahl weiterführender Schulen.
Ziel ist es, den komplexen Prozess der Schulwahlentscheidung besser zu verstehen, um Schülerinnen und Schüler bei dieser wichtigen Lebensentscheidung effektiver unterstützen zu können.
Der Autor verwendet Ansätze der Aktionsforschung, darunter Fragebögen, SWOT-Analysen sowie leitfadenorientierte qualitative Interviews mit Schülerinnen und Schülern.
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Hintergründen vor allem die eigenen empirischen Untersuchungen an der HS Gunskirchen sowie Interviews mit dem Direktor und Schülern detailliert ausgewertet.
Begriffe wie Bildungswegentscheidung, soziale Herkunft, Geschlechtsspezifische Wahl, BOBI und Schulentwicklung stehen im Zentrum der Untersuchung.
Der Autor identifiziert verschiedene Typen von "früh Entschlossenen" bis hin zu "Panischen", deren Entscheidungsverhalten sich durch den zeitlichen Druck und externe Einflussfaktoren stark unterscheidet.
Die Untersuchung zeigt, dass sowohl Unterrichtsfächer als auch Schultypen von den Jugendlichen stark mit geschlechtsspezifischen Rollenbildern assoziiert werden, was die Wahl der weiterführenden Schule maßgeblich beeinflusst.
BOBI ist das zentrale schulische Instrument der Berufs- und Bildungsinformation, dessen Wirksamkeit vom Autor kritisch hinterfragt und in einem neuen modularen System weiterentwickelt werden soll.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Einfluss der Hauptschule selbst auf die Schulwahlentscheidung der Jugendlichen vergleichsweise gering ist und oft hinter familiäre oder soziale Einflüsse zurücktritt.
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