Diplomarbeit, 2001
93 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Lebenswelt Straße – eine Beschreibung
2.1 Begriffsdiskussion „Straßenkinder“
2.2 Alltag und Überlebensstrategien
2.2.1 Szeneorte und Straßenszenen
2.2.2 Legale Lebensbewältigungsstrategien
2.2.3 Illegale Lebensbewältigungsstrategien
2.3 Entscheidung für die Straße- Ursachenforschung
2.3.1 Familienstrukturelle Bedingungen
2.3.2 Gesellschaftliche Bedingungen
2.3.3 Sogwirkung der Szene
2.3.4 Erfahrungen mit der Jugendhilfe
2.4 Entwicklungsverläufe von Straßenkarrieren
2.4.1 Erste Fluchten
2.4.2 Fluchtmuster
2.4.3 Pendelkarrieren
2.4.4 Verfestigung des Straßenlebens
3. Strukturveränderungen in der Jugend- und Sozialarbeit
3.1 Politische und gesellschaftliche Veränderungen
3.1.1 Die Dienstleistung Sozialarbeit
3.1.2 Sozialmanagement
3.1.3 Beziehungswandel zwischen Staat und freien Trägern
3.2 Soziale Arbeit in der Legitimationskrise
3.3 Auswirkungen betriebswirtschaftlichen Denkens auf die Jugendhilfe
3.4 Ergänzende Gedanken zum Thema
4. Jugendhilfe für Straßenjugendliche
4.1 Aufgaben und Anprüche an die Jugendhilfe
4.2 Allgemeine rechtliche Grundlagen
4.3 Angebote der traditionellen öffentlichen Jugendhilfe
4.3.1 Krisenunterkünfte und Jugendnotdienste
4.3.2 Allgemeine Soziale Dienste
4.4 Lebensweltorientierte Sozialarbeit
4.4.1 Mobile Jugendarbeit und Straßensozialarbeit
4.4.1.1 Gesetzliche Arbeitsgrundlagen
4.4.1.2 Inhaltliche Arbeitsgrundlagen
4.4.2 Szenenahe Anlaufstellen
4.4.3 Weiterführende Wohnformen
4.4.4 Überschneidungen der Jugendhilfeangebote
4.5 Ausstiegs- und Kooperations-Modelle
4.5.1 Theoretische Konzepte zum Ausstieg
4.5.2 Das Schwellenstufensystem- Modell
4.5.3 Das INSTAP- Modell
4.5.4 §35 KJHG: Die Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung
4.6 Kritische Betrachtung des Jugendhilfesystems
4.6.1 Die Rechtsstellung Minderjähriger
4.6.2 Spezialisierungen in der Jugendhilfe
4.6.3 Kommunale Kooperation und Vernetzung
5. Herausforderungen, Anregungen und Konsequenzen an die Jugendhilfe
5.1 Reformbedarf auf Bund- und Länderebene
5.2 Kommunale Reformbedürfnisse in der Sozial- und Jugendhilfepolitik
5.3 Reformbedürfnisse an den ASD
5.4 Reformbedürfnisse an die Fachkräfte der Jugendhilfe
5.5 Ergänzende eigene Anregungen
Die Arbeit analysiert das aktuelle Jugendhilfesystem in Deutschland mit dem Ziel, Faktoren für die Abwanderung Jugendlicher in ein Straßenleben zu identifizieren und die unzureichende Reichweite bestehender Hilfsangebote zu beleuchten. Basierend darauf werden methodische und politische Reformvorschläge entwickelt, um eine lebensweltorientierte und effektivere Jugendhilfe zu gestalten.
Die „Ersatzfamilie“ auf der Straße
„man bekommt von dem einen wenig, von der anderen viel, nie alles von einer Person und nicht von allen das Gleiche“ (Zitat einer Jugendlichen; In: Sax 1999, S.44).
Dieses Zitat umschreibt Beziehungserfahrungen Jugendlicher, die versuchen in ihrer erwählten Gruppe oder Szene Gefühle zuzulassen, zu erleben aber auch das Gegenteil davon. Gefühlskälte, Unsicherheit sich jemanden anzuvertrauen, widersprüchliche Wünsche und Verhaltensweisen in der Gruppe, Unverständnis der eigenen Person durch andere Gruppenmitglieder und auch Konkurrenz sind alltägliche Auseinandersetzungen der Jugendlichen. Die sozialen Kontakte zwischen Straßenjugendlichen entwickeln sich zum einen zwangsläufig als eine Form der Überlebensstrategie, um sich nicht alleine durchschlagen zu müssen. Zum anderen aus dem Bedürfnis nach Liebe, Anerkennung und emotionaler Nähe heraus. Die Erwartung eine Art Ersatzfamilie in Freunden auf der Straße zu finden, erfüllt sich in der Realität häufig nicht. Permien und Zink fanden heraus, daß der harte Alltag auf der Straße mit den belastenden Anforderungen zum (Über-) Leben dazu führt, daß Konkurrenz untereinander entsteht. Teilweise kommt es dazu, daß sich die Jugendlichen untereinander berauben, erpressen, verprügeln und bedrohen (vgl. Permien/Zink 1998, S.277).
1. Einleitung: Darstellung der Problematik und Zielsetzung der Diplomarbeit hinsichtlich des deutschen Jugendhilfesystems und der Lebenswirklichkeit straßenlebender Jugendlicher.
2. Lebenswelt Straße – eine Beschreibung: Detaillierte Analyse des Straßenlebens, der Definitionen von Straßenkindern, der alltäglichen Überlebensstrategien sowie der Ursachen für die Entscheidung für ein Leben auf der Straße.
3. Strukturveränderungen in der Jugend- und Sozialarbeit: Untersuchung der ökonomischen und politischen Transformationsprozesse, der Legitimationskrise der Sozialen Arbeit sowie der Auswirkungen betriebswirtschaftlicher Steuerung auf die Jugendhilfe.
4. Jugendhilfe für Straßenjugendliche: Diskussion der Aufgaben, rechtlichen Grundlagen und bestehender Angebote der Jugendhilfe sowie Vorstellung innovativer methodischer Ansätze und Ausstiegsmodelle.
5. Herausforderungen, Anregungen und Konsequenzen an die Jugendhilfe: Formulierung konkreter Reformbedürfnisse auf verschiedenen Ebenen und persönliche Anregungen zur Weiterentwicklung pädagogischer Fachlichkeit.
Straßenjugendliche, Jugendhilfe, Straßensozialarbeit, Lebensweltorientierung, Sozialmanagement, Ausstiegshilfen, Straßenkarrieren, Jugendhilfegesetz, Krisenintervention, Sozialpädagogik, Straßenkinder, Kooperation, Armut, Vernetzung, Einzelfallhilfe
Die Diplomarbeit untersucht die Attraktivität der Straße als Lebensraum für Jugendliche in Deutschland und prüft, inwiefern das bestehende Jugendhilfesystem diesen Anforderungen gerecht wird oder diese sogar konterkariert.
Die zentralen Felder umfassen die Lebenswelt von Straßenjugendlichen, die strukturellen Veränderungen innerhalb der Sozialarbeit durch Ökonomisierungsdruck sowie eine kritische Bewertung der Angebote und methodischen Ansätze der modernen Jugendhilfe.
Ziel ist es, Herausforderungen an das Jugendhilfesystem zu benennen und konkrete methodische sowie politische Anregungen zu formulieren, um die Unterstützungsmöglichkeiten für betroffene Jugendliche nachhaltig zu verbessern.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, die Auswertung von Studien aus dem Aktionsprogramm „Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenslagen“ sowie auf die Einbringung praktischer Erfahrungen aus einem Hausprojekt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung der Lebenswelt Straße, die Analyse gesellschaftlicher Strukturveränderungen, die kritische Diskussion der Jugendhilfeangebote sowie die Vorstellung spezifischer Ausstiegsmodelle wie INSTAP und des Schwellenstufensystems.
Die zentralen Begriffe sind Straßenjugendliche, Jugendhilfe, Straßensozialarbeit, Lebensweltorientierung, Sozialmanagement sowie Ausstiegshilfen und Straßenkarrieren.
Laut Autorin führt der ökonomische Druck zur Versäulung der Hilfen und zu einer zunehmenden Spezialisierung, wodurch jedoch die Flexibilität leidet und Jugendliche, die nicht in Standardprofile passen, oft abgewiesen werden.
Die Geh-Struktur ist essenziell, da sie die SozialarbeiterInnen direkt in das Lebensumfeld der Jugendlichen bringt, um dort niederschwellige Kontakte aufzubauen und so Vertrauen zu schaffen, wo traditionelle Angebote oft versagen.
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