Examensarbeit, 2002
79 Seiten, Note: gut
1. Einleitung
2. Die Gattung Minnesang
2.1. Entstehung und Entwicklung des Minnesangs
2.2 Das Gattungsproblem ´Kreuzlied`
3. Politische und gesellschaftliche Situation
3. 1. Die politische Situation: Die Kreuzzüge
3. 1. 1. Der Dritte Kreuzzug 1187- 1192
3. 1. 2. Der Vierte Kreuzzug (1198- 1204)
3. 2. Die gesellschaftliche Situation: Das Rittertum
3. 3. 1. Ursprung und Entwicklung des Ritterbegriffs
3. 2. 2. Das ritterliche Tugendsystem
3. 2. 3. Der Frauendienst
3. 2. 4. Die Dichter
4. Minnekreuzlieder des späten 12. Jahrhunderts
4. 1. Friedrich von Hausen
4. 2. Albrecht von Johansdorf
4. 3. Hartmann von Aue
4. 4. Heinrich von Rugge
5. Argumente der Kreuzpredigt
6. Fazit
7. Bibliographie
7. 1. Primärtexte
7. 2. Sekundärtexte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen weltlicher Minnedichtung und der religiösen Kreuzzugsthematik in mittelhochdeutschen Liedern am Ende des 12. Jahrhunderts, um zu ergründen, welche Rolle die Minne in diesem Kontext einnimmt und ob sie zur Kreuzzugspropaganda dient oder einen persönlichen Konflikt des lyrischen Ichs widerspiegelt.
1. Einleitung
Über zwei Jahrhunderte prägten die Kreuzzüge die abendländische mittelalterliche Welt. Neben politischen und gesellschaftlichen Veränderungen hatten die Kreuzzüge auch Einfluss auf die Literatur in Frankreich, England und Deutschland. Parallel zu den Kreuzzugspredigten und –aufrufen aus kirchlichen und geistlichen Kreisen entstand in diesen Ländern volkssprachliche Literatur, die sich gleichfalls mit dem Thema der Kreuzfahrt und Kreuznahme beschäftigte.
Diese von weltlichen Dichtern verfasste Dichtung verband die religiösen Motive der Kreuzfahrt mit weltlichen Themen, vorrangig mit dem Motiv der Minne. Die Verbindung dieser beiden Themenbereiche in der hochhöfischen Dichtung am Ausgang des 12. Jahrhunderts soll hier Thema sein. Dabei stellt sich vor allem die Frage, welche Bedeutung der Minne in den mittelhochdeutschen Liedern zuzuschreiben ist und welche Funktion sie in den Liedern übernimmt.
In der Forschung zu mittelhochdeutschen Minnekreuzliedern lassen sich vor allem zwei Positionen festmachen. Zum einen wird davon ausgegangen, dass die Minne nur Mittel und Zweck für eine von den Dichtern intendierte Kreuzzugspropaganda ist. Das bedeutet, dass das höfische Publikum durch das ihm bekannte Motiv der Minne zur Kreuznahme und –fahrt motiviert werden soll.
Die andere Position vertritt die Ansicht, dass die Dichter unter dem Eindruck eines Kreuzzugsaufrufes oder eines Kreuzzuges literarisch einen Konflikt auf persönlicher Ebene darstellen. Die Minne wird bei dieser Position im Hinblick auf ihre Intention ernst genommen und das Phänomen der Minne öffnet sich ins Persönliche und Private. Das Publikum soll bei dieser These nicht explizit zum Kreuzzug aufgefordert werden.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Verflechtung von Minnethematik und Kreuzzugspropaganda in der mittelhochdeutschen Lyrik ein und umreißt die wissenschaftlichen Positionen zu diesem Forschungsfeld.
2. Die Gattung Minnesang: Dieses Kapitel erläutert die Phasenentwicklung des Minnesangs sowie die theoretischen Herausforderungen bei der Definition des "Kreuzliedes".
3. Politische und gesellschaftliche Situation: Es werden die historischen Hintergründe der Kreuzzüge sowie das ritterliche Wertesystem, insbesondere der Frauendienst und das Selbstverständnis der Dichter, dargestellt.
4. Minnekreuzlieder des späten 12. Jahrhunderts: Dieser Hauptteil analysiert die Lieder von Friedrich von Hausen, Albrecht von Johansdorf, Hartmann von Aue und Heinrich von Rugge hinsichtlich ihrer Behandlung des Konflikts zwischen Gottes- und Frauendienst.
5. Argumente der Kreuzpredigt: Das Kapitel vergleicht die in den Liedern verwendeten Motive mit den rhetorischen Strategien und theologischen Argumenten aus den Kreuzzugspredigten des 12. Jahrhunderts.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz individueller künstlerischer Unterschiede in allen betrachteten Liedern die Kreuzzugsidee das zentrale, unhinterfragte Motiv bleibt und die Minne primär funktional eingebunden wird.
7. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche herangezogene Primär- und Sekundärliteratur auf.
Minnesang, Kreuzzüge, Kreuzlied, Mittelhochdeutsch, Höfische Gesellschaft, Rittertum, Frauendienst, Gottesdienst, Literaturwissenschaft, Propaganda, Minnethematik, Stauferzeit, Friedrich von Hausen, Hartmann von Aue, Kreuzzugspredigt.
Die Arbeit untersucht, wie Dichter des 12. Jahrhunderts in ihren Minneliedern die Thematik der Kreuzzüge verarbeiteten und wie sie den Konflikt zwischen dem ritterlichen Frauendienst und der religiösen Verpflichtung zum Kreuzzug darstellten.
Die zentralen Themen sind das ritterliche Tugendsystem, die Funktion der "Hohen Minne", der historische Kontext der Kreuzzüge sowie der Vergleich literarischer Texte mit den Aufrufen der Kreuzpredigten.
Das Ziel ist es zu klären, welche Bedeutung der Minne in den mittelhochdeutschen Kreuzliedern zukommt und ob sie lediglich als propagandistisches Mittel zur Motivation für den Kreuzzug genutzt wurde oder als persönlicher Ausdruck eines inneren Konflikts zu verstehen ist.
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse ausgewählter Lieder (Einzelinterpretationen) und deren Einbettung in den historischen sowie ideengeschichtlichen Kontext unter Einbeziehung der zeitgenössischen Forschungsliteratur.
Im Hauptteil werden die Werke spezifischer Dichter (Friedrich von Hausen, Albrecht von Johansdorf, Hartmann von Aue, Heinrich von Rugge) interpretiert, um aufzuzeigen, wie diese individuell den Dienst an der Dame und den Dienst an Gott abwägen.
Die wichtigsten Begriffe sind Minnesang, Kreuzzug, Kreuzlied, ritterliches Tugendsystem, Frauendienst, Gottesminne und Kreuzzugspropaganda.
Für Hartmann von Aue bildet der Tod seines Dienstherrn einen wesentlichen biographischen und literarischen Anlass, der die Loslösung von irdischen Bindungen und die totale Ausrichtung auf Gott in seinen Kreuzliedern konsequent und persönlich begründet.
Diese Transformation dient dazu, den unauflösbaren Konflikt zwischen weltlichem Streben und christlicher Heilserwartung aufzulösen, indem die Minne in einen Kontext gestellt wird, der ihre Gegenseitigkeit bei Gott garantiert und somit die Teilnahme am Kreuzzug als den ultimativen Liebesdienst rechtfertigt.
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