Masterarbeit, 2010
65 Seiten, Note: 2,1
1. Einleitung
2. Der Trostbegriff
3. Trost und Philosophie
3.1 Die Gattung der Trostliteratur
3.1.1 Die Sophistik
3.1.2 Der Kynismus
3.1.3 Die Stoa
3.1.4 Fazit
4. „Der Trost der Philosophie“ von Boethius
4.1 Das erste Buch: Trauer über die fehlende Harmonie in der Welt
4.2 Das zweite Buch: Glück und Schicksal
4.3 Das dritte Buch: Gott ist höchstes Glück und Gut
4.4 Das vierte Buch: Das Böse ist nur scheinbar mächtig
4.5 Das fünfte Buch: Die Vorhersehung schafft Ordnung
4.6 Wie tröstet sich Boethius?
5. Die Prüfung der Gültigkeit der inhaltlichen Tröstung des Boethius
5.1 Boethius´ Weltbild
5.2 Warum Philosophie heute nicht mehr auf Boethius Trostvorstellung zurückgreifen kann.
5.2.1 Humes Kritik an einem vorhersehenden Gott
5.3 Verändertes Weltbild und veränderte Aufgabe der Philosophie
6. Sinn und Trost
7. Die methodische Trostmöglichkeit des Boethius in der heutigen Philosophie
7.1 Das ungemilderte Bewusstsein der Negativität
7.2 Die Möglichkeit des Bessern
8. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die spätantike Trostschrift „Der Trost der Philosophie“ von Boethius, um aufzuzeigen, durch welche philosophischen Argumente und methodischen Ansätze der Autor in seiner existenziellen Not Trost findet, und prüft kritisch, inwieweit dieses antike Tröstungsmodell angesichts moderner Weltbilder heute noch Gültigkeit beanspruchen kann.
4.1 Das erste Buch: Trauer über die fehlende Harmonie in der Welt
Boethius ist zu Unrecht des Verrates beschuldigt und eingekerkert worden. Dies ist die Ausgangssituation des ersten Buches der „Consolatione Philosophiae“. Voller Kummer und Leid beklagt er sein Unglück in einem Gedicht. Er stellt sein früheres Glück seinem jetzigen Unglück gegenüber und beweint sein Schicksal:
„Der ich Gesänge vordem in blühendem Eifer vollendet, wehe wie drängt das Geschick traurige Weisen mir auf“. … „Als noch das treulose Glück mir flüchtige Güter gespendet, hätt eine traurige Stunde fast in den Tod mich versenkt. Jetzt da es wolkenverhüllt das trügende Antlitz gewendet, da mir das Leben verhasst, schleppt sich die Zeit. Warum prieset ihr einst mich so glücklich, o Freunde? Wer so stürzte, stand niemals auf sicherem Fuß“.
Durch die Gegenüberstellung von Leid und Glück erscheint das Unglück umso schwärzer und die angedeutete Todessehnsucht symbolisiert die tiefe Verzweiflung, in die Boethius gestürzt wurde. Mit dem Versuch, sein Leiden zu verdichten, beweist Boethius trotz seiner misslichen Lage ein Mindestmaß an geistiger Disziplin. Das Dichten dient dazu, seine Gedanken zu ordnen. Auf dem Höhepunkt seiner Klage erscheint ihm die Philosophie in Gestalt einer Frau.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die anthropologische Notwendigkeit von Trost angesichts menschlichen Leids und definiert das Ziel der Arbeit, Boethius’ Schrift auf ihre heutige Wirksamkeit hin zu untersuchen.
2. Der Trostbegriff: Dieses Kapitel erarbeitet eine Definition des Trostes, der das Leid zwar nicht aufhebt, aber dem Betroffenen eine Perspektive jenseits des Leidens eröffnet.
3. Trost und Philosophie: Hier wird die Entwicklung der Trostliteratur in der Antike, insbesondere unter Einbeziehung von Sophistik, Kynismus und Stoa, detailliert nachgezeichnet.
4. „Der Trost der Philosophie“ von Boethius: Dieses zentrale Kapitel analysiert die fünf Bücher des Werkes, von Boethius’ anfänglicher Klage über die gottgelenkte Weltenordnung bis hin zur Frage nach der Willensfreiheit.
5. Die Prüfung der Gültigkeit der inhaltlichen Tröstung des Boethius: Das Kapitel hinterfragt die Stabilität des auf einem teleologischen Weltbild basierenden Trostes, insbesondere durch die kritische Perspektive von David Hume.
6. Sinn und Trost: Hier wird die menschliche Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit auch außerhalb eines religiösen Kontextes als Trostmittel reflektiert.
7. Die methodische Trostmöglichkeit des Boethius in der heutigen Philosophie: Die Untersuchung überträgt Boethius' methodischen Ansatz auf moderne Konzepte wie Adornos „Negativität“ und Blochs „konkrete Utopie“.
8. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Philosophie trotz der Veralterung des metaphysischen Weltbildes des Boethius als Instrument zur schöpferischen Bewältigung von Leid fortbestehen kann.
Trost, Philosophie, Boethius, Leid, Schicksal, Vorhersehung, Willensfreiheit, Sinn, Theodizee, Stoa, Kynismus, Teleologie, David Hume, Utopie, Existenz
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Trostlehre des Boethius und untersucht deren Anwendbarkeit und Gültigkeit in einer modernen, säkularen Welt.
Die zentralen Themen sind das Wesen des Trostes, die Rolle der Vernunft in der Trauerbewältigung, die Vereinbarkeit von menschlicher Willensfreiheit mit göttlicher Vorhersehung sowie der philosophische Sinnbegriff.
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern das antike Modell der Trostphilosophie, das auf einem spezifischen, teils christlich-neuplatonischen Weltbild beruht, auch heute noch eine tragfähige Methode zur Bewältigung von existenziellen Krisen bieten kann.
Die Autorin kombiniert eine textnahe Analyse der Trostschrift des Boethius mit einer ideengeschichtlichen Einordnung und einer kritischen philosophischen Prüfung durch neuzeitliche Denker wie David Hume und Theodor Adorno.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Werkexegese, eine erkenntnistheoretische Kritik am ursprünglichen Weltbild des Boethius und eine abschließende Untersuchung moderner Trostmöglichkeiten.
Die wichtigsten Begriffe umfassen Trost, Teleologie, Vorhersehung, Willensfreiheit und die Unterscheidung zwischen inhaltlichem Glauben und methodischem, rationalem Denken.
Sie fungiert als Personifizierung seiner eigenen Vernunft, die ihn im Kerker aus der lähmenden Trauer befreit, indem sie ihn zu einem logischen Dialog mit sich selbst anhält.
Die Autorin argumentiert, dass auch ohne ein religiöses Weltbild die Fähigkeit des Menschen, sich durch „konstruktive Resignation“ oder das Entwerfen „konkreter Utopien“ aktiv über das Leid zu erheben, eine wirksame Trostquelle darstellt.
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