Bachelorarbeit, 2009
69 Seiten, Note: 1,5
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. Einleitung
2. Divergente PISA-Ergebnisse 2006 zwischen Gymnasien und Hauptschulen
3. Bildungsstandards der Schulformen Gymnasium und Hauptschule im Vergleich
4. Schul- und Klassenbeschreibung
4.1 Das Gymnasium
4.2 Die Hauptschule
5. Untersuchungsbereiche der Gesprächsanalyse
6. Unterrichtskommunikation und ihre Merkmale
7. Kontrastierende Analyse der Transkripte anhand ausgesuchter Merkmale
7.1 Organisation des Sprecherwechsels
7.2 Redeanteil
7.3 Vorherrschende sprachliche Handlungsmuster
8. Fazit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Unterrichtskommunikation an Gymnasien und Hauptschulen kontrastierend zu analysieren, um Zusammenhänge zwischen sprachlichen Mustern im Unterricht und den divergierenden PISA-Ergebnissen zu untersuchen.
7.1 Organisation des Sprecherwechsels
An der Oberflächenstruktur von Gesprächen lassen sich soziale Ordnungen innerhalb der sprachlich Handelnden ausmachen. Hierunter fällt unter anderem das turn-taking-System, bei dem es sich um die Regeln der Verteilung des Rederechts handelt (s. Kapitel 5). Die Betrachtung von Beiträgen, den sogenannten turns, innerhalb der Unterrichtskommunikation ermöglicht Aufschlüsse darüber, wie der Lehrer die Problematik löst, das Rederecht auf mehrere Sprecher zu verteilen, ohne dass es zu kontinuierlichem Simultansprechen kommt. In Alltagsgesprächen stehen sich die kommunikativ Handelnden in der Regel äquivalent gegenüber und versuchen aus diesem Grunde, ihre Redewünsche aufeinander abzustimmen. In der Institution Schule obliegt es dem Lehrer aufgrund der Massenhaftigkeit und seiner Expertenrolle, das Rederecht so auf die einzelnen Schüler zu verteilen, dass es nicht nur zur Wissensvermittlung auf der einen Seite, sondern auch zum Ausbau der kommunikativen Fähigkeiten seiner Schüler auf der anderen Seite kommt.
Die im Unterricht geltenden kommunikativen Ordnungen lassen sich in drei Ordnungsmuster einteilen:
1. Charakteristisch für die lehrerzentrierte kommunikative Ordnung ist die Dominanz des Lehrers. Er bestimmt über die Verteilung des Rederechts, und es ist primär an ihm, den nächsten Sprecher auszuwählen. Er kann dabei auf die Methode der „programmierten Selbstauswahl“ zurückgreifen, bei der die Schüler durch Melden ihre Bereitschaft signalisieren, den nächsten Beitrag übernehmen zu wollen. Des Weiteren kann er einzelne Schüler zum Reden verpflichten, indem er ihnen das Wort erteilt, ohne dass seitens des Schülers eine programmierte Selbstauswahl erfolgt. Der Lehrer kann jedoch auch andere kommunikative Ordnungen etablieren, um die Teilnahme der Schüler zu ermöglichen.
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Sprache als Basiskompetenz für den Lernerfolg dar und formuliert die Forschungsfrage, ob unterschiedliche Unterrichtskommunikation die divergenz in den PISA-Ergebnissen erklären kann.
2. Divergente PISA-Ergebnisse 2006 zwischen Gymnasien und Hauptschulen: Hier werden die PISA-Ergebnisse 2006 für Niedersachsen betrachtet, um die Leistungsunterschiede zwischen den Schulformen aufzuzeigen, wobei insbesondere auf die Kompetenzstufen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften eingegangen wird.
3. Bildungsstandards der Schulformen Gymnasium und Hauptschule im Vergleich: In diesem Kapitel werden die offiziellen Bildungsstandards für den Bereich „Zuhören und Sprechen“ im Fach Deutsch analysiert, um zu prüfen, ob sich hierin bereits Unterschiede in den Erwartungen an die Schüler widerspiegeln.
4. Schul- und Klassenbeschreibung: Hier werden die beiden für die Analyse ausgewählten Schulen (Gymnasium und Hauptschule) hinsichtlich ihrer Klassenstruktur und räumlichen Gegebenheiten kurz beschrieben.
5. Untersuchungsbereiche der Gesprächsanalyse: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen zur Gesprächsanalyse, inklusive der Erläuterung von Konzepten wie turn-taking, Sprechaktregeln und der Funktion von Partikeln im Unterricht.
6. Unterrichtskommunikation und ihre Merkmale: Der Fokus liegt hier auf den spezifischen Rahmenbedingungen des Unterrichts, wie der Asymmetrie zwischen Lehrer und Schülern sowie der künstlichen Struktur der Gesprächssituation.
7. Kontrastierende Analyse der Transkripte anhand ausgesuchter Merkmale: Dieser Hauptteil vergleicht anhand von Transkripten die Sprecherwechsel-Organisation, die Redeanteile und die sprachlichen Handlungsmuster der beiden Schulen.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt den Zusammenhang zwischen der Art der Unterrichtskommunikation und den erreichten Schülerleistungen.
Unterrichtskommunikation, Gesprächsanalyse, PISA-Studie, Bildungsstandards, Sprecherwechsel, turn-taking, Redeanteil, Lehrervortrag, Regiefragen, Deutschunterricht, Schulleistung, Gymnasium, Hauptschule, kommunikative Kompetenz, Interaktion.
Die Arbeit untersucht, wie sich die Unterrichtskommunikation an Gymnasien und Hauptschulen unterscheidet und ob diese Unterschiede Auswirkungen auf die Leistungen der Schüler haben.
Die Schwerpunkte liegen auf der Organisation des Sprecherwechsels, der quantitativen Verteilung der Redeanteile und den vorherrschenden sprachlichen Handlungsmustern der Lehrkräfte.
Es wird untersucht, ob die divergenten PISA-Ergebnisse der Schulformen auf verschiedenartige Unterrichtskommunikation zurückzuführen sind.
Die Arbeit nutzt die gesprächsanalytische Forschungsmethode, um mittels transkribierter Videoaufzeichnungen aus Unterrichtsstunden soziale Ordnungen und Interaktionsmuster zu identifizieren.
Der Hauptteil analysiert konkret, wie Lehrer das Rederecht verteilen, wer wie lange spricht und ob Lehrkräfte eher durch Regiefragen steuern oder freiere Diskussionen ermöglichen.
Wichtige Begriffe sind Unterrichtskommunikation, Gesprächsanalyse, PISA-Studie, Sprecherwechsel (turn-taking) und Regiefragen.
Während am Gymnasium öfter verfahrensgeregelte kommunikative Ordnungen zu finden sind, dominiert an der Hauptschule häufiger die lehrerzentrierte Organisation des Sprecherwechsels.
Regiefragen dienen primär der Steuerung der Schülerantworten durch die Lehrkraft, um den Unterrichtsverlauf an einen vorab geplanten Inhalt anzupassen, anstatt echtes selbstständiges Denken zu fördern.
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