Magisterarbeit, 2008
113 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen der Phonetik und der Phonologie
2.1 Phonetik der deutschen Sprache
2.1.1 Vokale
2.1.2 Konsonanten
2.2 Phonologie der deutschen Sprache
2.3 Befunde zum Erwerb der phonologisch-phonematischen Kompetenz
2.4 Befunde zum Erwerb der phonologisch-phonematischen Kompetenz im Deutschen
3. Phonologische Bewusstheit
3.1 Entwicklung der Phonologischen Bewusstheit
3.1.1 Wortphonologie: Segmentierung von Wörtern und Silben
3.1.2 Reime
3.1.3 Phonemdifferenzierung und –identifikation, Phonemmanipulation
3.1.4 Silbenfolgen wiederholen
3.2 Einordnung des Konstrukts „Phonologische Bewusstheit“ in den Kontext der Phonologischen Kompetenz
4. Modellvorstellungen zum ungestörten Lese- und Schriftspracherwerb
4.1 Das Drei-Stufen-Modell nach Uta Frith (1985)
4.2 Das Vier-Phasen-Modell nach Linnea Ehri (1998)
4.3 Modelle zur Worterkennung
4.3.1 Das Zwei-Routen-Kaskadenmodell nach Max Coltheart et al. (2003)
4.3.2 Kritische Betrachtung des Zwei-Routen-Kaskadenmodells
4.3.3 Adaption des Zwei-Routen-Kaskadenmodells fürs Deutsche
5. Phonologisch begründete Aussprachestörungen
5.1 Psycholinguistisches Klassifikationsmodell nach Barbara Dodd (1995)
5.1.1 Artikulationsstörung
5.1.2 Phonologische Verzögerung
5.1.3 Konsequente Phonologische Störung
5.1.4 Inkonsequente Phonologische Störung
5.2 Aussprachestörungen bei deutschsprachigen Kindern
5.3 Sprachentwicklungsstörungen und Dyslexie
6. Dyslexie
6.1 Ätiologische Konzepte
6.1.1 Phonologisches Verarbeitungsdefizit
6.1.2 Auditiv-temporales Verarbeitungsdefizit
6.1.3 Genetische Befunde
6.1.4 Erkenntnisse aus der Neurobiologie
6.2 Differenzierung
6.2.1 Oberflächendyslexie, Phonologische Dyslexie
6.2.2 Doppeldefizit-Hypothese
7. Methode
7.1 Fragestellung
7.2 Design
7.3 Probanden
7.3.1 Ein- und Ausschlusskriterien
7.4 Erhebungsinstrumente
7.5 Durchführung
7.6 Ergebnisse
8. Evaluation und Diskussion der Ergebnisse
8.1 Was bedeuten die Ergebnisse für den Zusammenhang von SES und Dyslexie?
8.2 Zusammenfassung der Ergebnisse in Bezug auf die Ausgangsfragen
9. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen phonologischer Kompetenz und spezifischen Störungsbildern beim Lese- und Schriftspracherwerb, insbesondere bei isoliert lesegestörten gegenüber isoliert rechtschreibgestörten Kindern, um die Hypothese eines gemeinsamen phonologischen Kerndefizits kritisch zu prüfen.
6.1.1 Phonologisches Verarbeitungsdefizit
Die am weitesten verbreitete Theorie besagt, dass Dyslexie ein linguistisches Problem darstellt, das auf einer defizitären phonologischen Verarbeitung beruht (Frith, 1998; Rack, 1994; Snowling, 2000). Phonologische Verarbeitung bezieht sich vor allem darauf, wie mit phonologischen Informationen beim Sprechen und Schreiben im kognitiven Prozess umgegangen wird. Sie umfasst Richard Wagner und Joseph Torgesen (1987) zufolge mindestens drei Bereiche:
a) die Phonologische oder phonemische Bewusstheit, b) das phonologische Rekodieren, um lexikalischen Zugriff zu erhalten und c) das phonetische Rekodieren im Arbeitsgedächtnis.
a) Die Phonologische Bewusstheit wird als ausschlaggebend für den späteren Leseerwerb gewertet (Snowling, 2005). Erst wenn ein Kind die Prinzipien verstanden hat, nach denen Wörter gebildet werden, kann es beginnen, diese Wörter gemäß der Systematik zu dechiffrieren. Die Phonologische Bewusstheit und das Rechtschreiben sowie das lautierende Lesen interagieren miteinander und optimieren sich wechselseitig.
b) Phonologisches Rekodieren, um lexikalischen Zugriff zu erhalten bedeutet nach Wagner und Torgesen (1987) die Rekodierung schriftlich oder bildlich fixierter Symbole in eine klangbasierte Repräsentation, die dann benutzt wird, um auf das Mentalen Lexikon zuzugreifen.
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz der Dyslexieforschung, die Problematik von Sprachentwicklungsstörungen sowie die Formulierung der zentralen Forschungsfragen und Hypothesen.
2. Grundlagen der Phonetik und der Phonologie: Vorstellung der theoretischen Grundlagen der deutschen Phonetik und Phonologie sowie des Erwerbs der phonologisch-phonematischen Kompetenz.
3. Phonologische Bewusstheit: Erläuterung des psychologischen Konstrukts, der Kerngebiete und der Testverfahren zur Erfassung der phonologischen Bewusstheit.
4. Modellvorstellungen zum ungestörten Lese- und Schriftspracherwerb: Darstellung verschiedener Phasenmodelle und Ansätze zur Worterkennung, mit Fokus auf dem Zwei-Routen-Kaskadenmodell.
5. Phonologisch begründete Aussprachestörungen: Klassifikation von Sprachstörungen und Abgrenzung verschiedener Störungstypen bei deutschsprachigen Kindern.
6. Dyslexie: Vorstellung ätiologischer Konzepte der Dyslexie und Diskussion der verschiedenen Subtypen wie Oberflächendyslexie und Doppeldefizit-Hypothese.
7. Methode: Detaillierte Beschreibung des Studiendesigns, der Stichprobe (Berliner Grundschüler) und der verwendeten Erhebungsinstrumente zur Prüfung der Forschungshypothese.
8. Evaluation und Diskussion der Ergebnisse: Interpretation der empirischen Daten hinsichtlich des Zusammenhangs von phonologischer Kompetenz und den verschiedenen Störungsbildern.
9. Ausblick: Zusammenfassung der weiteren Analysepotenziale und notwendiger künftiger Studien im Forschungsfeld.
Dyslexie, Phonologische Bewusstheit, Schriftspracherwerb, phonologische Kompetenz, Lese-Rechtschreibschwäche, Aussprachestörung, MAUS Test, Arbeitsgedächtnis, phonologische Verarbeitung, Graphem-Phonem-Konversion, Doppeldefizit-Hypothese, Sprachentwicklungsstörungen, empirische Untersuchung, Lesestörung, Rechtschreibstörung
Die Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen phonologischer Kompetenz und unterschiedlichen Störungsformen bei Kindern mit Lese- und Rechtschreibproblemen, um zu klären, ob ein einheitliches phonologisches Kerndefizit vorliegt.
Zentrale Themen sind die phonologische Bewusstheit, Modelle des Lese- und Rechtschreiberwerbs, die Klassifikation von Aussprachestörungen sowie die neurobiologischen und kognitiven Ursachen der Dyslexie.
Das primäre Ziel ist die Überprüfung der Hypothese, ob isoliert rechtschreibgestörte Kinder signifikant größere Defizite in der phonologischen Verarbeitung aufweisen als isoliert lesegestörte Kinder und Kontrollkinder.
Es wird ein empirisches Forschungsdesign angewendet, bei dem 74 Berliner Grundschüler mittels des MAUS Tests (Münchener auditiver Screeningtest) untersucht und die Daten statistisch (Varianzanalysen) ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Phonetik, Phonologie, Modelle) und einen empirischen Teil, der das Design, die Durchführung und die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten umfasst.
Wesentliche Begriffe sind Dyslexie, Phonologische Bewusstheit, phonologische Verarbeitungskompetenz, Lese-Rechtschreibschwäche, Aussprachestörungen und der MAUS Test.
Die Unterscheidung erfolgt, um die traditionelle Praxis infrage zu stellen, alle Kinder mit Lese-Rechtschreibproblemen in eine Gruppe zusammenzufassen, was oft zu widersprüchlichen Studienergebnissen führt.
Die Ergebnisse sprechen teilweise gegen ein allgemeines, einheitliches Kerndefizit, da nur die isoliert rechtschreibgestörte Gruppe signifikante Abweichungen zu den Kontrollkindern in den untersuchten Bereichen zeigte.
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