Masterarbeit, 2022
191 Seiten, Note: 5.5 (Schweiz ~1,5)
1. Der leise Sog der Wandbilder setzt ein. Einführung
2. Wozu der zweite Pfeil? «Der Apfelschuss»
3. Der Sturm auf dem See. «Der Tellsprung»
4. Die Raben fliegen. «Gesslers Tod»
5. Die weissen Gletscher leuchten im Mondlicht. «Der Rütlischwur»
6. Das Volk überwacht den Kanon der Bekleidung
7. Ein Fresken-Zyklus der Gründerzeit. Figurenreich und ausdrucksstark
8. Die erste Kapelle mit Ursprung im 14. Jahrhundert
9. Der Nachfolgebau von 1590 schon mit Fresken der Tellsgeschichte
10. Neubau oder Renovierung? Der Druck auf die Regierung nimmt zu
11. Wettbewerb der sechszehn Künstler und der Schweizer Kunstverein
12. Gewinner Stückelberg zieht nach Bürglen und sucht Modelle
13. Tausende wollen den Basler arbeiten sehen, auch ein König
14. Einweihung und der Ansturm bis zum Ersten Weltkrieg
15. Das eidgenössische Nationalbewusstsein will befriedigt werden
16. Schillers «Tell». Lesart für die Freiheitsliebe der Eidgenossen
17. «Tell» darf nicht ans Rütli und Johann Ludwig Aberli tritt auf den Plan
18. «Grand Tour» auch zur Tellskapelle. Eine Reise in die «heile Welt»
19. Die Beiträge der Geschichtsmalerei zur schweizerischen Nationenbildung
20. «Melchtal», «Stauffacherin», «Der letzte Ritter». Stückelbergs Historienmalerei
21. Der Glanz verblasst. Schlussbemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte, Bedeutung und künstlerische Wirkung der monumentalen Fresken von Ernst Stückelberg in der Tellskapelle am Urnersee. Dabei wird analysiert, wie diese Wandbilder den nationalen Mythos Wilhelm Tells sowie das eidgenössische Identitätsbewusstsein im ausgehenden 19. Jahrhundert massgeblich prägten und im Kontext europäischer Rezeptionsgeschichte verankert sind.
1. Der leise Sog der Wandbilder setzt ein. Einführung
Mit einem schnellen Blick wird man den vier monumentalen Fresken Ernst Stückelbergs (1831-1903) in der Tellskapelle am Ufer des Urnersees nicht gerecht. Der Künstler fordert den Betrachter auf, vor dem Kunstwerk zu verweilen, und verlangt viel von ihm ab. Dann aber setzt auch schon der leise Sog der Wandbilder ein und beginnt sich zu verstärken, je länger man hinsieht. In den vier aussergewöhnlich grossen Segmenten erzeugt der Maler einen faszinierenden Kontrast zwischen Figurenfülle, Handlung, Architektur, Himmel und Landschaft. Es ist die genau wiedergegebene Atmosphäre von Szenen einer uns allen bekannten Erzählung.
Der Basler Maler ist nicht zu verstehen, wenn er nicht in seinem geistigen Ringen mit dem ereignisreichen, von Verwerfungen und technischen Innovationen geprägten ausgehenden 19. Jahrhundert gesehen wird.
Verwegen ist sowohl die Lage als auch die Ausrichtung des Denkmals. Das Bauwerk mit den Wandbildern ragt in den See. Dank den seeseitig ausgerichteten hohen Arkaden entfaltet das Monument seine volle Wirkung nur für den Betrachter, der sich vom Wasser her nähert. Die Fresken nehmen dafür in Kauf, vollständig der Witterung ausgesetzt zu sein.
Der leise Sog der Wandbilder setzt ein. Einführung: Einführung in die künstlerische Bedeutung der Tellskapelle und Stückelbergs Fresken vor dem Hintergrund des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Wozu der zweite Pfeil? «Der Apfelschuss»: Detaillierte Beschreibung und Analyse des «Apfelschuss»-Freskos, des dramatischen Auftakts des Zyklus.
Der Sturm auf dem See. «Der Tellsprung»: Untersuchung der dramatischen Szene des Tellsprungs, inklusive der künstlerischen Auseinandersetzung mit Landschaft und Sturm.
Die Raben fliegen. «Gesslers Tod»: Betrachtung der Umsetzung von Gesslers Tod und der symbolträchtigen Darstellung in der Hohlen Gasse.
Die weissen Gletscher leuchten im Mondlicht. «Der Rütlischwur»: Analyse des «Rütlischwur»-Freskos als zentrales Werk der nationalen Identitätsstiftung.
Das Volk überwacht den Kanon der Bekleidung: Erörterung der Herausforderungen bei der historisch korrekten Kostümgestaltung im Historienbild des 19. Jahrhunderts.
Ein Fresken-Zyklus der Gründerzeit. Figurenreich und ausdrucksstark: Synthese über den künstlerischen Grundzug des Zyklus und seinen Bezug zur Gründerzeit.
Die erste Kapelle mit Ursprung im 14. Jahrhundert: Historischer Rückblick auf die Ursprünge der Tellskapelle an der Tellsplatte.
Der Nachfolgebau von 1590 schon mit Fresken der Tellsgeschichte: Darstellung der zweiten Kapelle und ihrer Bedeutung für die Tells-Ikonographie.
Neubau oder Renovierung? Der Druck auf die Regierung nimmt zu: Schilderung des schwierigen Entscheidungsprozesses zum Neubau der heutigen dritten Kapelle.
Wettbewerb der sechszehn Künstler und der Schweizer Kunstverein: Dokumentation des Wettbewerbsverfahrens und der Rolle des Schweizer Kunstvereins.
Gewinner Stückelberg zieht nach Bürglen und sucht Modelle: Einblicke in die Arbeitsweise Stückelbergs und die Suche nach authentischen Modellen in der Innerschweiz.
Tausende wollen den Basler arbeiten sehen, auch ein König: Aufarbeitung des massiven Publikumsandrangs und des Besuchs von König Ludwig II. von Bayern.
Einweihung und der Ansturm bis zum Ersten Weltkrieg: Bericht über die Einweihung und die internationale touristische Bedeutung der Kapelle.
Das eidgenössische Nationalbewusstsein will befriedigt werden: Analyse der Rolle der Kapelle als Identitätsort der schweizerischen Nation.
Schillers «Tell». Lesart für die Freiheitsliebe der Eidgenossen: Würdigung des Schillerschen Einflusses auf die Wahrnehmung des Tellmythos.
«Tell» darf nicht ans Rütli und Johann Ludwig Aberli tritt auf den Plan: Untersuchung der künstlerischen Inszenierung von Tells Rolle versus dem Rütlischwur.
«Grand Tour» auch zur Tellskapelle. Eine Reise in die «heile Welt»: Beschreibung der Tellskapelle als festem Bestandteil der europäischen Bildungsreise.
Die Beiträge der Geschichtsmalerei zur schweizerischen Nationenbildung: Einbettung der Fresken in den Kontext der schweizerischen Historienmalerei.
«Melchtal», «Stauffacherin», «Der letzte Ritter». Stückelbergs Historienmalerei: Würdigung des weiteren historiographischen Werks Stückelbergs.
Der Glanz verblasst. Schlussbemerkungen: Rückblick auf die historische Bedeutung und den Wandel der Rezeption bis in die Gegenwart.
Tellskapelle, Ernst Stückelberg, Wilhelm Tell, Friedrich Schiller, Rütlischwur, Historienmalerei, Schweizer Geschichte, Nationalbewusstsein, Philhelvetismus, Urnersee, Tellsplatte, Gründerzeit, Kunstdenkmal, Gessler, Identitätsorte.
Das Buch analysiert das monumentale Fresken-Programm von Ernst Stückelberg in der Tellskapelle am Urnersee und ordnet es in den historischen Kontext der schweizerischen Nationenbildung und Rezeptionsgeschichte ein.
Die Untersuchung behandelt die Entstehungsgeschichte der Kapelle, die Rolle Schillers für das Tell-Bild, die Einflüsse der Historienmalerei auf die nationale Identität sowie die Rezeption durch das zeitgenössische Publikum und prominente Besucher.
Ziel ist es, die künstlerischen Umstände der Freskenentstehung zu ergründen und aufzuzeigen, wie Stückelbergs Werk als identitätsstiftendes Kunstmonument für die Schweiz diente.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende kunsthistorische Analyse der Fresken, den Vergleich mit historischen Dokumenten und Vorbildern sowie die Untersuchung der Wirkungsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der ikonographischen Analyse der einzelnen Wandbilder, dem kostümkundlichen Anspruch des Malers sowie der administrativen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung um den Bau der Kapelle.
Die wesentlichen Begriffe sind Tellskapelle, Ernst Stückelberg, Wilhelm Tell, Historienmalerei, Nationbildung und Philhelvetismus.
Die Urner Behörden lehnten Stückelbergs ursprünglichen Entwurf als zu modern ab, da er von der traditionellen Ikonographie der drei frei stehenden Eidgenossen abwich, was zu einer intensiven öffentlichen Debatte führte.
Der Besuch des bayerischen Königs unterstreicht die internationale Bedeutung und den hohen Bekanntheitsgrad des Ortes als touristische Attraktion und Symbolort für die europäische Kulturelite jener Zeit.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

