Masterarbeit, 2024
71 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Rahmenbedingungen
2.1. Unsichere Zeiten
2.2. Der verunsicherte Künstler
2.3. Die verunsicherte Vernunft: Romantik und Schwarze Romantik
2.4. Leitmotive der Verunsicherung: das Unheimliche und das Böse
2.5. Ermöglichung von Verunsicherung: Autonomie der Literatur
2.6. Die Problematik der Form
3. Figurationen von Unsicherheit auf Ebene des discours
3.1. Rahmung
3.1.1. Herausgeber-Fiktion
3.1.2. Schreiben als Buße
3.2. Imagination
3.2.1. Das serapiontische Prinzip
3.2.2. Traum, Halbtraum, Wirklichkeit
3.3. Das Prinzip der Wiederholung
3.3.1. Repetitives Erzählen
3.3.2. Wort-Wiederholungen
3.4. Interpunktion
4. Figurationen von Unsicherheit auf Ebene der histoire
4.1. Identität
4.2. Familie
4.3. Kunstverständnis
5. Schlussbetrachtung
6. Grafiken
Die Arbeit untersucht die narrativen und strukturellen Techniken, mit denen E.T.A. Hoffmann in seinem Roman Die Elixiere des Teufels eine umfassende Verunsicherung des Lesers erzeugt und somit das Wirklichkeitsbewusstsein im Kontext der Romantik herausfordert.
3.2.1. Das serapiontische Prinzip
Schon in Die Elixiere des Teufels blitzt das serapiontische Prinzip auf, das mit dem erst zwei Jahre späteren Erscheinen des Sammelbandes Die Serapionsbrüder verknüpft ist, in dem es erstmals benannt wird. Dennoch gibt es zahlreiche Überschneidungen beziehungsweise Vorwegnahmen des Prinzips, welches Außen- und Innenwelt auf komplexe Weise verbindet. Der Dichter ahmt nicht nach und bringt damit die Außenwelt in sein Inneres, sondern die Bilder, die in seinem Innern entstehen, sollen in die Außenwelt getragen werden. Die reale Welt ist auf die Fantasie angewiesen, zugleich kann es die Bilder der Fantasie nicht ohne Gegebenheiten der realen Welt geben. Die Welt erscheint in zwei Hälften geteilt, eine reale und eine fantastische. Wer nur eine davon wahrnimmt, ist entweder wahnsinnig, weil er die reale Welt ignoriert oder ein Spießbürger, weil er verkennt, dass es jenseits der Wirklichkeit die imaginäre Welt gibt. In diese imaginäre Welt führt das Vorwort den Leser ein, wenn es eine Vorstellung von der Szenerie zu geben versucht, in der der Leser die nachgelassenen Papiere lesen soll, und darin Tagträume oder Visionen hineinverwebt, die von der Wirklichkeit nicht mehr abgrenzbar sind:
Die Sonne steht glutrot auf dem Gebürge, der Abendwind erhebt sich, überall Leben und Bewegung. Flüsternd und rauschend gehen wunderbare Stimmen durch Baum und Gebüsch: als würden sie steigend und steigend zu Gesang und Orgelklang, so tönt es von ferne herüber (11).
Nicht nur die unklare Herkunft der Geräusche durchdringt die Vorstellung des Lesers, auch das Auge wird geführt und kann sich nicht sicher sein, was es sieht:
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Verunsicherung in der Literatur um 1800 und Formulierung der Fragestellung zur Narratologie des Romans.
2. Rahmenbedingungen: Darstellung des historischen Kontextes (Umbruchszeit) und der literarhistorischen Einordnung von Romantik und Schwarzer Romantik.
3. Figurationen von Unsicherheit auf Ebene des discours: Analyse der narrativen Spielarten wie Rahmung, Bußschreiben, Imagination, Wiederholung und Interpunktion als Mittel der Desorientierung.
4. Figurationen von Unsicherheit auf Ebene der histoire: Untersuchung der Identitätskrisen, der zerstörerischen Familiendynamiken und des veränderten Kunstverständnisses innerhalb der Handlung.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende würdigung von Hoffmanns Modernität und der bleibenden Unsicherheit bezüglich des Erfolgs seiner Verunsicherungsstrategie.
E.T.A. Hoffmann, Die Elixiere des Teufels, Verunsicherung, Romantik, Schwarze Romantik, Identität, Doppelgänger, Wahnsinn, Imagination, Wiederholung, Schriftlichkeit, Interpunktion, Narratologie, Fiktion, Disruption.
Die Arbeit analysiert, wie E.T.A. Hoffmann in seinem Roman "Die Elixiere des Teufels" gezielt Techniken einsetzt, um bei Lesern ein Gefühl der Unsicherheit hervorzurufen und gewohnte Wirklichkeitsvorstellungen zu untergraben.
Im Zentrum stehen die Konzepte der Schwarzen Romantik, die Rolle der Einbildungskraft, narrative Strukturen der Wiederholung sowie die Darstellung von Identitätskrisen und psychischer Störungen.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass "Die Elixiere des Teufels" strukturierte "Anti-Sicherheits-Figurationen" nutzt, um den Leser ästhetisch zu verunsichern und die Stabilität der erzählten Welt in Frage zu stellen.
Es erfolgt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die narratologische Ansätze mit systemtheoretischen Überlegungen und zeitgenössischen Diskursen zu Psychologie und Naturphilosophie um 1800 verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Ebene des 'discours' (Erzählweise) und der 'histoire' (Handlungsebene), wobei Aspekte wie Herausgeberfiktion, Wiederholungsprinzipien und Identitätsspaltung detailliert untersucht werden.
Zu den zentralen Begriffen zählen Verunsicherung, Doppelgänger, Wahnsinn, Imagination, Wiederholung sowie die methodische Aufarbeitung von Interpunktion als Mittel der Textstrukturierung.
Die Arbeit zeigt, dass Hoffmann Satzzeichen wie den Gedankenstrich und das Semikolon überdurchschnittlich häufig nutzt, um Uneindeutigkeit im Text zu erzeugen und emotionalen Affekt zu transportieren.
Es dient dazu, das komplexe Verhältnis von Wirklichkeit und Imagination zu beschreiben, wobei der Autor verdeutlicht, dass die Abgrenzung zwischen Erträumtem und Wirklichem bewusst eliminiert wird.
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