Magisterarbeit, 2001
113 Seiten, Note: Sehr gut
1. Einleitung
2. Einige Notizen zur Biographie des hl. Aelred von Rievaulx
2.1. AELRED ALS INITIATOR EINER EIGENSTÄNDIGEN THEOLOGIE DER FREUNDSCHAFT IM KONTEXT HOCHMITTELALTERLICHER SPIRITUALITÄT
2.2. AELREDS HOMOEROTISCHENEIGUNG ALS INDIKATOR EINER EIGENSTÄNDIGEN SPIRITUELLEN ORTUNG VON MÄNNERFREUNDSCHAFTEN
2.2.1. DAS SOZIALE UMFELD VON RIEVAULX
3. Der Rahmen der Benediktusregel oder die „Sorge um den wahren Mönch“
3.1. AELREDS VERSTÄNDNIS ZISTERZIENSISCHER REGELOBSERVANZ
3.2. DIE GRENZEN VON LIEBE UND FREUNDSCHAFT INNERHALB EINER KLÖSTERLICHEN GEMEINSCHAFTSSTRUKTUR: AELRED IN SEINER FUNKTION ALS ABT
4. „Ecce ego et tu, et spero quod tertius inter nos Christus sit“: Geistliche Freundschaft als „Sorge um das Heil der Mönche“
4.1. MÖNCHSFREUNDSCHAFTEN ALS EIN AKTUELL ZU VOLLZIEHENDER „WILLE ZU JESUS“
4.2. DIE ONTOLOGISCHE BEZIEHUNG DER FREUNDSCHAFT AUF CHRISTUS
4.2.1. Die Differenz zwischen antiken und christlichen Freundschaftsmodellen aus der Sicht Aelreds
4.2.2. Exklusivität der Jesusfreundschaft – Universalität christlichen Heilsangebotes: das Paradox christlich-personaler Mystik
4.2.3. Das Spannungsverhältnis von exklusivem amor und universaler caritas in der Freundschaftstheorie Aelreds als einem Konstitutivum christlicher Mystik
4.2.4. Die drei Möglichkeiten von Freundschaft: amicitia carnalis – mundialis – spiritualis
4.2.5. Der Sündenfall als Ur-katastrophe: die Scheidung von caritas und amicitia
4.2.6. Konklusion
4.3. DIE INSTRUMENTALE BEZIEHUNG DER FREUNDSCHAFT AUF CHRISTUS HIN (KONKLUSION)
4.3.1. Einleitung
4.3.2. SEGEN UND SCHÖNHEIT DER GEISTLICHEN FREUNDSCHAFT: IHRE NATÜRLICHEN VORAUSSETZUNGEN
4.3.3. Freundschaft und Einsamkeit
4.3.4. Freundschaft und konkrete Heilserfahrung
4.3.5. Freundschaft als Stufenleiter zur Liebe und Erkenntnis Gottes: Die Lehre von den drei Küssen, die sich Freunde einander schenken
4.3.6. Die Exklusivität geistlicher Freundschaft: electio – probatio – admissio
4.3.6.1. Die Wahl (electio)
4.3.6.2. Die Erprobung (probatio)
4.4. DIE FINALE BEZIEHUNG DER FREUNDSCHAFT AUF CHRISTUS HIN
5. Männerfreundschaften als ein „verworfener Teil“ menschlicher Beziehungsspiele: ihre mögliche Aktualität für einen Neuentwurf christlicher Spiritualität
5.1. EINLEITUNG
5.2.1. Männer-Freunde: das einzig Wahre? Eine Besinnung auf die momentane Lage
5.2.2. Moderne Rahmenbedingungen von Männerfreundschaften und ihre kontinuierliche Pflege: der Wille zu einer Kultur der Freundschaft
5.2.3. Rahmenbedingungen moderner Männerfreundschaften
5.2.4. Exklusivität von Männerfreundschaften als kulturschaffende Größen
6. MÖGLICHE OPTIONEN MÄNNERSPEZIFISCHER KULTURLEISTUNGEN IN KIRCHE UND GESELLSCHAFT
6.1. Kirche als Freundesgemeinschaft Jesu: eine Utopie?
6.2. Homosexuelle als Avantgarde von neuen Freundschaftskulturen: ein Beitrag Michel Foucaults
7. CHRISTLICHE SPIRITUALITÄT ÜBER DIE „VERWORFENE VARIABLE“ DER HOMOEROTIK
7.1. Die Reich-Gottes-Theologie: Jesu Option für die Marginalisierten einer Gesellschaft und einer Religion
7.2. „Der Jünger, den Jesus liebte“: Die Jesus-Johannes-Freundschaft als Paradigma einer homoerotischen Spiritualität
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Lehre des hl. Aelred von Rievaulx über die „geistliche Freundschaft“ systematisch aufzuarbeiten und ihre Bedeutung für eine moderne, erneuerte christliche Spiritualität zu erschließen. Sie fragt dabei, wie eine christliche Spiritualität gestaltet sein kann, die auch als „verworfene Variablen“ betrachtete menschliche Beziehungsformen – insbesondere Männerfreundschaften und Homoerotik – integriert.
4.2.1. Die Differenz zwischen antiken und christlichen Freundschaftsmodellen aus der Sicht Aelreds
Die Dynamik der aelredschen Freundschaft, als eines beständig zu vollziehenden „Willens zu Jesus“, bis hin zu ihrer Vollendung im ewigen Leben kennzeichnet er mit folgenden knappen Worten, die ich als Strukturmoment meiner hier vorgestellten Interpretation verwende: „Was kann man Schöneres, Wahreres, Heilsameres über die Freundschaft lehren, als dass sie in Christus ihren Beginn, in Christus ihren Fortgang, in Christus ihre Vollendung erhält?“
Damit fasst er in knapperen Worten das Anliegen seines Dialogpartners Ivo zusammen: „Und was die Freundschaft angeht, die uns verbinden muss, so möchte ich darüber aufs beste belehrt werden, wie sie in Christus beginnt, mit Christus aufrecht gehalten wird, und wie zu Christus hin ihr Zweck und Nutzen führt.“ Unter einem dreifachen Gesichtspunkt lässt sich die Freundschaftslehre des Heiligen aus Rievaulx betrachten und systematisieren: Ihre Dynamik entfaltet sich unter einem dreifachen Beziehungskomplex: die ontologische, instrumentelle und finale Beziehung der Freundschaft auf Christus hin. Daraus ergeben sich drei Anfragen an Aelred: Worauf bzw. worin gründet die Freundschaft (Ontologie der Freundschaft)? Wie und mit welchen Mitteln gestaltet sich diese als ein „Wille zu Jesus“ (Instrumentalität der Freundschaft)? Woraufhin entfaltet sich diese (Finalität der Freundschaft)? Dieser Systematisierungsversuch, so wird einsichtlich sein, gestaltet sich keineswegs aus textexternen Komponenten, sondern das von mir hier verwendete Kategorienschema wird hier aus textimmanenten Vorgaben gewonnen.
1. Einleitung: Vorstellung des hl. Aelred von Rievaulx und der Forschungsfrage bezüglich der Nutzbarmachung seiner Freundschaftstheorie für eine moderne christliche Spiritualität.
2. Einige Notizen zur Biographie des hl. Aelred von Rievaulx: Historische Einordnung des Heiligen, seiner Bedeutung als Theologe der Freundschaft und die Diskussion um seine homoerotische Neigung.
3. Der Rahmen der Benediktusregel oder die „Sorge um den wahren Mönch“: Untersuchung der monastischen Grundlagen und des Gehorsamsbegriffs als notwendigen Kontext für Aelreds Verständnis von Gemeinschaft.
4. „Ecce ego et tu, et spero quod tertius inter nos Christus sit“: Geistliche Freundschaft als „Sorge um das Heil der Mönche“: Zentrale Darlegung der Freundschaft als Instrument zur Vertiefung der Beziehung zu Christus.
5. Männerfreundschaften als ein „verworfener Teil“ menschlicher Beziehungsspiele: ihre mögliche Aktualität für einen Neuentwurf christlicher Spiritualität: Reflexion über die heutige Bedeutung und Aktualität der von Aelred geprägten Form von Männerfreundschaften.
6. MÖGLICHE OPTIONEN MÄNNERSPEZIFISCHER KULTURLEISTUNGEN IN KIRCHE UND GESELLSCHAFT: Analyse, wie christliche Gemeinschaften als Freundesgemeinschaften Jesu neu gedacht werden können.
7. CHRISTLICHE SPIRITUALITÄT ÜBER DIE „VERWORFENE VARIABLE“ DER HOMOEROTIK: Theologische Erörterung der Integration von Homoerotik und Jesus-Johannes-Freundschaft als Modell für eine inklusive Spiritualität.
Aelred von Rievaulx, Geistliche Freundschaft, Männerfreundschaft, Zisterzienser, Christliche Spiritualität, Homoerotik, Christusnachfolge, monastische Askese, Benediktusregel, caritas, amicitia, Jesus-Johannes-Freundschaft, Körperliche Schönheit, Kontemplation, Theologie der Freundschaft.
Die Arbeit untersucht das Werk des hl. Aelred von Rievaulx, insbesondere seine Theorie der „geistlichen Freundschaft“, um diese für eine moderne, erneuerte christliche Spiritualität fruchtbar zu machen.
Die zentralen Felder sind die christliche Freundschaftstheologie des 12. Jahrhunderts, die Integration von Affekten in die Spiritualität, das Verhältnis von monastischer Regel und menschlicher Beziehung sowie der Umgang mit Tabuthemen wie Homoerotik im christlichen Kontext.
Das Ziel ist es, Aelreds Erkenntnisse über Männerfreundschaften als spirituellen „Heilsweg“ systematisch aufzuarbeiten und ihre Aktualität für das heutige Verständnis christlicher Gemeinschaft und Beziehungsführung zu prüfen.
Der Autor wählt einen systematisch-theologischen Ansatz, der textimmanente Analysen der Schriften Aelreds (besonders Speculum Caritatis und De Spirituali amicitia) mit soziologischen und philosophiegeschichtlichen Diskursen (z.B. Michel Foucault, Boswell) verbindet.
Im Hauptteil wird die ontologische, instrumentelle und finale Beziehung der Freundschaft zu Christus dargelegt, die Hierarchie der Freundschaftsformen analysiert und die Verbindung zwischen Sündenfall, caritas und amicitia reflektiert.
Die wichtigsten Begriffe sind: Geistliche Freundschaft, Aelred von Rievaulx, Zisterziensermystik, Männerfreundschaft, Homoerotik, Spiritualität, Christusbezug, caritas und amicitia.
Aelred bewertet körperliche Schönheit und liebevolles Auftreten junger Mönche überraschend positiv als „Affekte“, die dazu dienen können, die Herzen der Mitbrüder zu entflammen und als Ausgangspunkt für eine tiefere, auf Christus ausgerichtete Liebe zu dienen, sofern sie diszipliniert werden.
Der Autor sieht in der Jesus-Johannes-Freundschaft ein zentrales Paradigma für eine „homoerotische Spiritualität“. Er nutzt dieses biblische Bild, um zu zeigen, dass auch heute tief empfundene, exklusive Männerfreundschaften einen legitimen Platz in der Kirche haben und eine sakramentale Nähe zu Christus vermitteln können.
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